Nichts tun führt zu NICHTS

Und es herrscht der Erde Gott, das Geld 
(aus Friedrich Schillers An die Freude)

Manchmal ist es es gar nicht so leicht, NICHTS zu schreiben. Obwohl alles dafür spricht, es zu tun. Es gibt ja ganz viele Themen. Bitte? Die Bundestagswahlen? Aber ich bitte Sie! Auch wenn die Medien mit aller Macht (und davon haben sie ja leider viel zu viel) versuchen, in den letzten zwei Wochen noch mal so richtig Dampf zu machen bzw. abzulassen. Zum Beispiel indem sie die Fernseh-Kunststückchen hochjubeln, die unsere Polit-Artistinnen und -tisten darbieten. Richtig: den Merkel-Schulz-Tango fanden die meisten Würdiger so fad wie zu erwarten, wenn sich ein langjähriges Koalitionsehepaar öffentlich so ein bisschen neckt.
Aber dann: der sogenannte "Fünfkampf", der hat es doch gebracht! Wurde ja auch alle Disziplinen was geboten: bei manchen Themen kamen manche Teilnehmer ins Schwimmen (Freistil, genau). Oder stolperten beim Themen-Springreiten auf schwerem Geläuf an einem überraschenden Argumenten-Hindernis. Das Degenfechten wurde allerdings oft mit Säbeln ausgetragen und gelegentlich gerieten die Spitzensportler, von den Moderatorinnen und -toren ungebremst, in einen unkontrollierten verbalen Querfeldeinlauf.

Aber richtige Spannung? Ich wollte ja dazu beitragen mit einer Wette, dass Schulz doch noch gewinnt und AchduliebeZeitKanzler wird. Aber ich habe niemand gefunden, der dagegen gesetzt hätte. Kann ich ja irgendwie auch verstehen. Wie soll man gegen eine Angela Merkel gewinnen, die einen Werbeslogan der Firma Camelia zu ihrem zentralen politischen Programm gemacht hat und allen Menschen - nicht nur wie Camelia den Frauen - "Sicherheit und Selbstvertrauen" verspricht?

Nein, Spannungen gibt es anderswo auf der Welt. Trump und Kim Jong Un im Rüstungswettlauf mit unbekanntem Ausgang. Oder, wie der SPIEGEL-online berichtet: Die Nato setzt auf Abschreckung gegen Russland: Erste US-Panzer haben Bremerhaven erreicht, von dort werden sie weiter nach Osteuropa verlegt. Der Aufmarsch ist der größte seit Ende des Kalten Krieges. Oder Thema Afrika: der Merkel-Schäuble Plan, witzigerweise Marshall-Plan genannt, ist einfach grandios. Den Multis zu helfen (auch noch finanziell), nach Afrika zu gehen und ihr Geschäft zu verrichten und die fliehenden Menschen in libyschen Lagern zu konzentrieren, damit sie dort die Segnungen des Neoliberalismus so richtig genießen können, z.B. wenn das Trinkwasser in ihrer alten Heimat gar nicht so teuer wird wie Nestle das geplant hatte.

Und den Migranten, die es trotz allem noch schaffen, ins Gelobte (Deutsch-)Land zu geraten, denen schenken wir neue Dieselautos. Doch, ja! In der letzten Bundestagssitzung hat die Kanzlerin unwiderlegbar erklärt warum. Der Diesel sei als Klimaretter unverzichtbar. Die Autoindustrie sei die "Säule der deutschen Wirtschaft" (nein: DIE Säule, nicht DAS Säule). Diese bekannten Betrügereien von Millionen an Millionen durch die Manager der Konzerne hat sie, völlig richtig!, als "unverzeihliche Fehler" bezeichnet. Aber es sei falsch, die ganze Industrie für die Fehler einiger haften zu lassen. Wie hoch die Ablass-Zahlungen für diesen Gnaden-Akt in die CDU-Kassen war, sagte sie nicht.
Selbst die Süddeutsche Zeitung - gewiss nicht des Linksradikalsmus verdächtig, zumal auf ihren Wirtschaftsseiten - fand das gequirlte Scheiße. Natürlich anders ausgedrückt: Merkels neue Machtworte zeigen, dass die Kanzlerin entweder nicht bereit oder zu schwach ist, sich unabhängiger von den Einflüsterungen der Autolobbyisten zu machen. So das Zitat aus einem Artikel mit der Überschrift "Angela Merkel - Jeanne d'Arc der Autobauer".

Apropos, ein weiteres Zitat von Schiller, aus "Die Jungfrau von Orleans": Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergeblich. Aber auch mit der Chuzpe unserer Dauerkanzlerin.

________________________________________________________________________
Ceterum censeo Machismum esse delendum. (frei nach Cato dem Älteren) Auf gut deutsch: Ich denke, dass der Machismus endlich zerstört werden muss.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.