Seltsam. Weiter NICHTS.

Seltsam. Wirklich seltsam. Fast drei Wochen, seit dem 26. November, habe ich keinen einzigen Anfall von Aufregung, Empörung oder Lachen gehabt wie sonst doch ständig. Weder durch das, was in der großen weiten Welt passiert ist, noch im sich selbst für den wichtigsten Teil haltenden Europa, noch im wichtigsten Teil von Europa (also Deutschland), noch im wichtigsten Teil der Bundesrepublik (also... äh, da zögere ich so ein bisschen: CDU? CSU? SPD? GRÜNE? LINKE; FDP? AFD? Die Bundesliga? Bayern München? BILD? Eine andere Ausgabe der Mainstream-Presse? Der rechtzeitige Wintereinbruch?

Dabei gäbe es, bei normaler satirischer Betrachtung, an allen der genannten Orte genug Gründe zu Aufregung, Empörung oder Lachsalven, ich weiß, ich weiß! Aber anderseits weiß ich auch, dass solche Emotionaleruptionen nicht immer sein müssen. Es gibt andere, zumindest zeitlich näher liegende, Dinge zu tun, als etwa den Kapitalismus (in welcher seiner Erscheinungsformen auch immer: Spät-, Trans- Hoch- Turbo-) seinem Zusammenbruch näher zu bringen. Da ist zum Beispiel der letzte Termin zur Zahlung der letzten diesjährigen Müllsteuerrate. Oder die Sicherung der Gartengießwasserschläuche vor dem ersten Nachtfrost. Oder wie jedes Jahr sich Weihnachtsgeschenke auszudenken, auszusuchen und rechtzeitig auszusenden. Oder die alle zehn Jahre fällige Darmspiegelung hinter sich zu bringen. Hinzu kommt, dass ich mich gerade mal wieder ein bisschen hilflos fühle beim Anpacken der allgemein anerkannten angeblich aktuellsten Themen. Ich sehe es doch: den Widerling Trump an seinen immer neuen immer gleich wahnsinnigen, weltkriegriskierenden Aktionen zu hindern, das kann nicht mal die wichtigste Frau Deutschlands und mächtigste Frau der Welt (laut TIME), Angela Merkel; diese Angela Merkel zu bremsen bei ihrer peinlich offenen klimaschädlichen Päppelung der deutschen Autoindustrie, das schafft nicht mal der immerhin gegenwärtig elfwichtigste deutsche Mann, Martin Schulz (bitte? wer die anderen zehn sind? Das, liebe Leserinnen und Leser erzähle ich euch in einer anderen Deutschland-Gute-Nacht-Geschichte!); diesem bewundernswerten Martin Schulz (bitte? wieso bewundernswert? Ähm... das weiß ich jetzt gerade auch nicht so genau) sein Rumgeeiere in der Frage der neuen Regierungsrumeierei auszureden, gelingt nicht mal den Jusos; und wenn demnächst die stolzen Supermärkte und überhaupt alle Geschäfte an den Sonn- und Festtagen, ja: auch an Weihnachten ihre Geschäfte machen dürfen, kann das nicht mal der Papst verhindern. Und wie soll ich denn zum Beispiel den so betreten zurückgetretenen Ex-VW-Chef Winterkorn davon abhalten können, dass er jetzt eine Rente von 30 Millionen pro Jahr einsackt? Niemand kann das, auch NICHTS nicht, und wer es könnte, der will es nicht.

Allerdings können auch diese ganzen Figuren nicht alles. Selbst der eben zuletzt erwähnte Martin Winterkorn würde mich nicht daran hindern können, dass ich ihn als widerliches, kriminelles, geldgeiles Arschloch bezeichnen kann. Also könnte, wenn ich wollte. Leider trifft mich in diesem Zusammenhang (mal wieder) die Bibel, diesmal mit Römerbrief 7, 18: Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Schade eigentlich.

Aber wie eben aufgezählt: wenn all die oben genannten Figuren das, was sie könnten und müssten, nicht fertigbringen - wie soll ich das denn leisten? Was bleibt mir dann also? Nun: weiter NICHTS.

Leider. Oder vielleicht auch: immerhin?

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Ach ja, da ist noch etwas, das mir bleibt:
Ceterum censeo Machismum esse delendum. (frei nach Cato dem Älteren) Auf gut deutsch: Ich denke übrigens, dass der Machismus endlich zerstört werden muss.

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