Zu oft kein Juvenal…

Mehr und mehr geraten wir in Zeiten, in denen die Realität die zugespitzte Übertreibung ist. Beispiel: was sich in Italien politisch so abspielt. Silvio Berlusconi, ausgerechnet der, der offenbar so wenig wegzukriegen ist wie Schweißflecken auf einem Schafwoll-Unterbett, dieser Berlusconi spricht davon, dass die gegenwärtige italienische Regierung - gebildet aus der rechtsextremen Lega und der Populistenansammlung Movimento 5 Stelle - undemokratisch sei, sozusagen die Vorstufe einer Diktatur.
Die beiden Parteichefs, jeweils Vizepräsidenten, weil keiner dem anderen gönnte, Präsident zu werden, schlagen zurück: Berlusconi rede wie ein "frustrierter Linker" (!), sagt Salvini. Und Signor di Maio setzt gleich seine Attacken gegen eine freie Presse fort, die er schon am 8. Oktober des letzten Jahres (in der Repubblica nachzulesen) ausposaunt hat: das müsse man unterbinden, man müsse diese frechen Journalisten betrafen. Und wenn das nicht helfe, müsse man zu schärferen Maßnahmen greifen: die Herausgeber solcher Zeitungen zur Aufgabe zwingen, u.a. durch die Einstellung öffentlicher Unterstützung. 

Wunderbar demokratische Einstellungen. Wie sie auch die AfD vertritt ("Lügenpresse"). Das sind Fakten, die durch Satire nicht mehr zu übertreiben sind. 

An weiteren Beispielen fehlt es nicht. Nur als Stichworte: Donald Trumps Lügen. Die Vorgänge in Venezuela. In Deutschland: eine Regierung, welche dafür sorgt, dass wir das einzige Land in Europa sind, in welchem öffentliche und großflächige Werbung für Tabak-Konsum noch möglich ist. Oder welche gegen angeblich zu hohe Grenzwerte für den NO2-Ausstoß ein Heer von Kritikern, darunter hochwohllöbliche (und teure?) Professoren, aufbietet. Undsoweiter. Undsoweiter.

Wie lässt sich all das satirisch übertreiben? Es sei schwer, hat der römische Satirenschreiber Juvenal gesagt, keine Satire zu schreiben.
Wenn er heute leben würde, müsste er wohl oft genug sagen: Difficile est saturam scribere - Es fällt schwer, eine Satire zu schreiben...

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