Und wieder mal fällt es mir auf, dass mir seit ewig nichts mehr einfällt. So ein Einfall ist ja immer ein Zufall. Es hängt von irgendeinem Vorfall ab. Von einem völkerrechtswidrigen Überfall zum Beispiel von Putin oder Trump, oder einem Fall wie z.B. von diesem... diesem Jens Spahn, der endlich, endlich zurückgetreten wurde. Wie gesagt, das ist alles von Fall zu Fall verschieden, aber mir ist immer etwas eingefallen. Je nach der Bedeutung des Falles etwas Lustiges, etwas Trauriges, etwas Ironisches oder Satirisches oder Albernes, irgend etwas jedenfalls, das bei dem einen Leser oder einer anderen Leserin einen Lachanfall ausgelöst hat.
Gestern Nacht nun, bei einem klimawechselig wilden Gewittersturm und prasselndem Regen über Köln, wachte ich auf, um halb vier rum. Und hatte ganz plötzlich eine Idee, zu welchem Thema ich etwas schreiben könnte. Eine ganze Zeit lang lag ich wach und dachte bereits über Formulierungen nach, wusste, über wen ich mich besonders lustig machen oder wem ich mit dem Satirehämmerchen eins überziehen konnte. Ich war begeistert. Dann wurde ich wieder müde. Erst dachte ich noch daran, ein paar Stichworte aufzuschreiben, vor allem das Thema, aber dann versicherte ich mir, das wüsste ich alles morgen früh garantiert noch.
Ja, denkste. Nichts mehr fiel mir ein, als ich nach dem Frühstück den Laptop aufklappte und eine neue Seite aufschlug. Nichts, außer den sich häufenden Situationen, in denen ich etwas vergessen habe. Das übliche Beispiel: ich gehe in die Küche, um mir einen Espresso zu machen, und als ich vor dem Herd stehe, weiß ich nicht mehr, warum ich jetzt hier bin. Oder mir fällt der Name des Schauspielers in der Hauptrolle eines meiner Lieblingsfilme ("Spiel mir das Lied vom Tod") nicht ein. Schlimmer: ich hab den Termin bei meinem Kardiologen vergessen. Und vorgesehen war eine wichtige Untersuchung meines Herzens, und den nächsten Termin kriege ich garantiert erst in zweieinhalb Monaten.
Jaja, schon gut! Wem immer ich das erzähle, auch Leuten um die fünfzig rum oder noch jünger, stets kommt die Antwort: Reg dich ab, Ekkes, mir geht es genau so. Das ist doch ganz normal, wenn man alt wird! Das ist zwar beschissen, aber das ist nun mal so, da kannste nix machen dagegen. Ein guter Freund, der anonym bleiben will, hat mir erklärt, das sei auch der Grund für die Politik von dem Trump. Der wisse heute nicht mehr, was er gestern gemacht und gesagt habe. Deswegen mache er oder sage das Gegenteil. Und sei es noch so was Dummes oder Albernes, das er wiederum ja morgen schon vergessen hat. Letztes Beispiel der Irankrieg. Schrecklich! hab ich gedacht. Wenn der katastrophale Zustand der Welt von einem Irren abhängt. Oder einem schwerst Kranken.
Noch was zum Thema Trump: In den "Blätter für deutsche und internationale Politik" (5/2026, S.53 ff.) war wieder ein besonders interessanter Artikel zu lesen. Zwei nordamerikanische Professoren erklären Trumps Politik mit dem einzigen oder zumindest einem ganz wichtigen Ziel: Geld zu scheffeln für sich und seine Familie und seine Kumpane. Als "Zeitalter der Kleptokratie" beschreiben sie die Politik, die Trump betreibt. Und nicht nur er.
Ein wunderschönes Ereignis hat mir vor kurzem besonders viel Freude gemacht, ich hab es eingangs schon erwähnt: dass die ganzen Spahn-Ferkeleien des peinlichen Kunstvaters die längst fällige Konsequenz hatten. Da hätte der Kanzler sich doch ebenfalls gleich zurücktreten können, bei diesen Zustimmungswerten. Er hat sich ja mächtig geirrt mit seiner großspurigen Selbst-Beweihräucherung, dass er die AFD halbieren könne, sobald er Kanzler wäre. Jetzt ist er Kanzler, und die AfD hat sich verdoppelt und wird als stärkste Partei in den Landtag von Sachsen-Anhalt einziehen. Der einzige Trost ist, dass es bei der AFD keinen Hitler gibt. Sonst könnte wirklich eintreten, was immer mal wieder gemurmelt wird, hinter mehr oder weniger vorgehaltenen Hand. Dass nämlich die gegenwärtige Situation der Lage in den dreißiger Jahren gleicht, in denen die Nazis zur Macht kamen.
Was mich mehr und mehr beeindruckt: wie unsere Gesellschaft kriegstüchtig wird. Nicht zuletzt durch ganz viele auch als seriös eingeschätzte Zeitungen, die diese Stimmung mit Artikeln und Kommentaren verstärken. Oder mit diesen Werbespots vor der Tagesschau, in denen das schöne Leben als Soldat(in) farbenfroh geschildert wird. Bis ungefähr in zwei Jahren wären wir so weit, meint der immerfröhlich so darauf losmarschierende Pistorius. Wie weit? Dass wir von Russland angegriffen würden? Und dass es doch vielleicht besser wäre, aus Präventivpanik vorher selbst anzugreifen? Dazu aber reicht die gegenwärtige deutsche Soldatenmenge nicht. Da muss einfach mehr passieren.
(ein schönes Beispiel, das ich soeben in der ZdF-Sendung heute sehen durfte (25.8.26, 19 Uhr): der VW-Konzern denkt ja darüber nach, das heißt natürlich die Leitungsebene des Konzerns überlegt u.a., ob man vielleicht 100 000 Mitarbeiter/innen entlassen muss. Ja, und dann? Wohin mit denen!? Der Wirtschaftsfachmann des Senders spricht es in der Sendung aus: die könnten vielleicht in der Rüstungsindustrie gebraucht werden. Ja klar! Und es dauert bestimmt nicht lange, dann hat der Pistorius eine weitere gute Idee...)
Was tun? Ich wirke unverständlich gelassen angesichts all dieser Entwicklungen? Mag sein. Obwohl ich Trump und seine Bande noch gar nicht erwähnt habe. Der finanzgeile und irrationale (und viel davon echt irre) US-Präsident kann die kommenden Midterm-Wahlen noch immer gewinnen. Die zunehmenden Oppositionszeichen sind zwar erfreulich und geben ein bisschen Hoffnung, dass etwas anderes rauskommt. Und dann? Greift der Psychopath zum Militär? Oder ergrabschen seine Nachfolger die Macht, Vance und Hegseth und Rubio und Kennedy und all die anderen gesichert Rechtsradikalen? Weil man in diesem Job so einfach reich werden kann. Muss nicht gleich sein wie bei dem Musk, dessen Vermögen um Millionen zunimmt. Täglich. Richtig: der Mann arbeitet ja auch von morgens bis spät in die Nacht. Anders als so viele Menschen bei uns im Lande, die einfach faul in der Sonne auf der Grundsicherung herumliegen. Darunter auch noch so viele Migranten! Welche unser Kanzler Fritze Merz völlig zu Recht beschimpft, wo er doch selbst mit gutem Beispiel vorangeht. Geschätzte 12 Millionen hat auch er sich mit mühevoller und schweißtreibender Arbeit verdient. Bitte? Ja klar, ich bin ja bloß neidisch.
Sodele, jetzedle. Mit diesem Aufschrei oder verlegenen Flüstern wird, so hat man mir vor vielen Jahren erzählt, in Schwaben der Orgasmus begrüßt. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Was ich weiß: dass auch ich jetzt so langsam zu einem Schluss kommen muss. Statt wie so viele andere politische Comedissidenten herumzublödeln und damit die Zeit zu vertun; statt so richtig auf die Kacke zu hauen und den Zuschauern um die Ohren zu schlagen wie kürzlich DIE ANSTALT; statt die vielen verschiedenen Demos und Ostermärsche durch meine Anwesenheit durchschlagkräftig zu machen; statt klare und enthüllende Texte zu verfassen, unter Einbeziehung der vielen, ja doch bekannten Fakten und Gefahren in dieser Welt; statt dessen... tja, was stattdessen? Was soll ich machen, was kann ich machen? Genau: Nichts. Das mach ich ja auch schon, hier ist so eines. Und ein Lied, das ich vor etwa anderthalb Jahren geschrieben habe. Und auf den Shitstorm warten, der mir demnächst ins Gesicht haut.
Frei sein
Tausend Jahre Größenwahn. Am Ende totes Land.
Ein Schwur: nie mehr Faschismus, nie mehr Krieg.
80 Jahre später Hakenkreuze an der Wand,
die AFD bei Wahlen Sieg um Sieg.
Immer neue Kriege Geld und Gier und Geiz und Hass
in der Welt und in der Bundesrepublik.
Ich bin ratlos, was ich tun kann, seit es wieder einmal heißt:
Wir müssen tüchtig werden für den Krieg.
Frei sein heißt auch gar nichts tun, wenn all mein Tun nichts bringt.
Nichts tun ist nichts wert, doch es befreit
Leben ganz im hier und jetzt, solange es noch geht
Wer weiß, wie schnell regiert auch hier Gewalt
und diese ganze Verlogenheit.
Ob in München oder Stuttgart, ob in Frankfurt oder Köln
es ging rund, und manchmal auch im Kreis.
50 Jahre Kampf im Traum von einer bess'ren Welt.
Spott und Mitleid oft genug der Preis.
Endlich Abschied von der Illusion und mich besonnen
auf den hohen Wert rebellischer Geduld.
Und ich gehe von der Bühne und ich gehe durch den Vorhang
und ich fühl mich frei von Scham und frei von Schuld.
Frei sein heißt auch gar nichts tun, wenn all mein Tun nichts bringt. Nichts tun ist nichts wert, doch es befreit
Leben ganz im hier und jetzt, solange es noch geht
Wer weiß, wie schnell regiert auch hier Gewalt
und diese ganze Verlogenheit.
(Musik von Kris Kristofferson "Me and Bobby McGee")