NICHTS für Karl Marx und dergleichen

Wie schön! Der (5. )Mai ist gekommen…

...und die Medien überschlagen sich: es ist der 200. Marx-Geburtstag!!! Ein Beispiel: "Die Lektüre von Marx ist ein Schlüssel zur Welt von heute". Schreibt Franziska Augstein in der Süddeutschen von heute (Leit- Kommentar auf Seite 4). Wenn das Karl Marx wüsste! Aber auch ihr Vater, der Spiegel-Gründer und dessen langjähriger Herausgeber. Sie würden sich im Grab herumdrehen. In entgegengesetzter Richtung.

Dabei ist es doch gar nicht so schwer, die Welt von heute zu verstehen. Nicht bloß DIE WELT von heute, in der ein Frédéric Schwilden (Who the fuck is.. - na, egal) schreibt: "Der Kapitalismus ist das Beste, was ich kenne". Oder in der FAZ, dem nüchtern-gelassenen Kampfblatt aller Neoliberalisten, die besonnen wie stets mahnt, man dürfe den Marx nicht überschätzen. In der ARD laufen: ein Portrait-Film mit Mario Adorf als Karl Marx, eine Diskussion darüber, was von Karl Marx geblieben ist, und Anne Will plaudert in ihrer Runde mit u.a. (Kardinal) Marx über - erraten: (Karl) Marx. Es höret nimmer auf. Das heißt: natürlich hört es auf, ziemlich bald sogar. Also lassen auch wir dieses Thema und wenden uns den wichtigen Dingen zu, die mit Karl Marx doch gar nichts zu tun haben und er mit ihnen auch nicht.

Nehmen wir ein rein menschliches  Drama, nein, eine Tragödie: Martin Winterkorn. Winterkorn kennt inzwischen jeder. Nicht das Getreide natürlich, wo "die Erträge von Winterkorn weit über denen der Sommerformen liegen" (Wikipedia). DER Winterkorn ist aber gar nicht sowas völlig anderes. Auch seine Erträge sind ganz nett. Wer es genauer wissen will, kann es hier nachlesen. 
Und jetzt? Obwohl er sich sein ganzes Leben lang abgerackert hat, im Dienst und zum Nutzen seines Arbeitgebers, des VW-Konzerns; obwohl er, wie wir wissen, sämtliche Schrauben von allen PKWs sowie von allen einzelnen Mitarbeitern kannte; obwohl er nichts, aber auch gar nichts wusste von diesen gemeinen Diesel-Test-Manipulationen seiner Untergebenen (das hat er doch zugegeben!) - trotz allem, was er (sich) so geleistet hat, wollen sie ihn jetzt in den USA, bekanntlich einem der sozialistischsten Länder der Welt, anklagen, und es drohen ihm - wenn die Yankees ihn zu fassen kriegen - 25 Jahre Gefängnis! 25 Jahre! Dann wäre er 93, wenn er wieder rauskäme. Zum Glück hat der kluge Mann(ager) weiterhin seine Gelassenheit bewahrt. Auch wenn er jetzt aus Vorsicht besser nur in Deutschland bleibt. Ist doch auch ein schönes Land. Und so sagt er sich:



Obwohl: auch in seinem Vaterland könnte ihm nun auch (seit heute, 6. Mai) Arges drohen. Bei VW prüfen sie jetzt - so barmt die FAZ am Sonntag, nicht ganz unboshaft - ob und wie man dem armen Martin ans Vermögen gehen könnte, vielleicht sogar an sein ganzes Vermögen! Das auf 100 Millionen Euro geschätzt wird. Als Schadensersatz. Ja wofür denn? In was für einem Land leben wir eigentlich?

Wen wundert's, dass der (bald völlig) arme Ex-Boss von VW jetzt doch ein bisschen nachdenklich geworden ist. Und sich überlegt, wie Recht eigentlich der Spahn hat. Wenn er, der arme Herr Winterkorn, dann von Hartz IV leben muss. Und erkennen muss, dass er gar nicht arm ist.

Aber vielleicht hilft ihm unsere Vermutung viel mehr als die Aussicht auf 416 Euro im Monat. "Die Prüfung dauert seit längerer Zeit an und wird unabhängig von behördlichen Verfahren durchgeführt", sagte Aufsichtsratssprecher Michael Brendel der dpa. Die Prüfung sei jedoch noch nicht abgeschlossen. Aber das gute Licht von Einsicht und Verantwortungsbewusstsein (den Aktionären gegenüber, doch nicht den VW-Diesel-Erwerbern!) wirft diese Ankündigung schon jetzt auf den Konzern. Und das ist die Hauptsache. 
Denn wie es so vielen aufsehenerregenden Meldungen ergeht - sobald eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird (deutsches Sprichwort; wobei natürlich selbstverständlich überhaupt gar nicht der Herr Winterkorn als das aktuelle Treibgut gemeint ist!!), wird dann am Ende, ich denke mal: so in zwei, drei Jahren, nur eine kleine Meldung unter "Vermischtes" zu finden sein, dass die Prüfung abgeschlossen ist und leider, leider keine Anhaltspunkte erbracht hat, wonach der Herr Winterkorn sich falsch verhalten hätte.
Was dann u.a. diese Folge haben wird:


Ist das nicht eine schöne Gute-Nacht-Geschichte, die wir unseren Kindern erzählen können? Statt diesen Horrorszenarien, die uns dieser alte Trierer und seine verblendeten Jünger immer auftischen?
Aber echt!
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Und wie immer zum Schluss unser beliebtes Betthupferl::
Ceterum censeo Machismum esse delendum. (frei nach Cato dem Älteren) Auf gut deutsch: Ich denke übrigens, dass der Machismus endlich zerstört werden muss.
(Wie schön: ich stelle fest, dass die Zustimmung dazu ständig zunimmt; selbst von Männern)

Ein Gedanke zu „NICHTS für Karl Marx und dergleichen“

  1. Tolle-böse Fotos, Herrn W. decouvrierend, hast Du da zusammengestellt, lieber Ekkes! So richtig zum Kotzen, dieser Herr & Konsorten. – Sonnige Mai-Grüße von Antje

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