Radikal

Es freut mich natürlich, wenn ich von Menschen höre, die NICHTS vermissen. Hier also - nach längerer, nicht weiter begründeter Pause - wieder einmal NICHTS.
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Warum ich linksradikal sein dürfte, wenn ich wollte

Die ARD hat für Rechtsradikale Verständnis. Die gehören bei uns einfach dazu. Die haben ihren legitimen Platz bei uns. In unserer pluralistischen Gesellschaftsordnung.

Also bitte, Herr Frank! Was zu weit geht, geht zu weit!! Wie kommen Sie denn zu einem so unverschämten, ja geradezu geschmacklosen und dazu noch falschen Urteil!? Sind Sie neuerdings auch ein Friend im weltweiten Fakebook?

Langsam! Laaangsaaahm!! Der Reihe nach. Lesen Sie mir bitte einen Augenblick zu!

Warum wir Bolsonaro als rechtsextrem bezeichnen

Das ist die Überschrift eines Beitrags auf tagesschau.de (27.10.2018, 02:15 Uhr) Interessant, nichtwahr? Und mutig, gell? Eine solch kühne Auffassung muss doch einen gewichtigen Grund haben. Eine richtige Begründung. Sowas sagt man doch nicht einfach so dahin!

Ich will mal ausschließen, dass die ARD Schiss hat. Davor, dass dieser nun an die Macht gekommene neue Präsident Brasiliens die tagesschau.de liest und sagt: Ja spinnen die denn? Und dass er dann sagt, diese Kerle von der ARD müsse man  sofort umbringen! So wie er es über den Ex-Präsidenten Fernando Henrique Cardoso gesagt hat, wegen dessen Wirtschaftspolitik müsse man ihn umbringen. Wer wird schon gern umgebracht. Da hält man diesem... diesem Herrn Präsidenten Verschiedenes vor. Hören Sie, schreibt man, Sie haben doch auch noch gesagt, mit Wahlen würde man nichts erreichen. Das gelinge nur, wenn man die "Arbeit der Militärgeneräle vollendet und 30 000 Korrupte umbringt". Und Sie haben noch weitere stichhaltige Begründungen geliefert, um sich den Titel rechtsextrem zu verdienen, Ihre Frauenfeindlichkeit, Ihre Homophobie zum Beispiel und Ihr aggressiver Nationalismus, Ihre Ablehnung der pluralistischen Gesellschaft und Ihre Hetze gegen ethnische Minderheiten wie Indigene und Afrobrasilianer.

Na, das muss doch den Herrn Bolsonaro nachdenklich machen. Und er muss doch verstehen, warum wir von der "ARD den Begriff "rechtsextrem" für am besten geeignet (halten), um trennscharf zu definieren, wie Bolsonaro politisch einzuordnen ist". Und dann wird er sicher auch seine schrecklichen Drohungen zurücknehmen, vielleicht sich sogar entschuldigen. Dann müssen wir auch keine vollen Hosen mehr haben. 

Vom Unterschied zwischen "rechtsextrem" und rechtsradikal"

So weit, so gut Auch ich verstehe das. Aber in dem genannten Beitrag gibt es noch eine weitere Ausführung, die mich sehr beeindruckt hat. Ich will sie deshalb wörtlich zitieren:

Laut Verfassungsschutz haben radikale politische Auffassungen in unserer pluralistischen Gesellschaftsordnung ihren legitimen Platz. Der Begriff "rechtsradikal" bezeichnet also eine Strömung, die nicht zwangsläufig gegen die Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung verstößt. 

Ach! Ach nee! Das wusste ich nicht! Jetzt verstehe ich auch den Herrn Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz im Ruhestand (also nicht der Verfassungsschutz ist im Ruhestand, nur sein Präsident). Der ist nämlich nicht rechtsextrem, sondern eben bloß rechtsradikal. So wie offenbar große Teile des deutschen Verfassungsschutzes auch.
(Das in nebenstehendem Bild den Hintergrund bildende Bild ist nicht nur keine Absicht, sondern in genau dieser Form rein zufällig im Netz gefunden)

Denkt man das logisch weiter, kommt man zu meinem in der Überschrift dargelegten Ergebnis. Ich meine: radikal ist nun mal radikal. Rechtsradikal, radikal demokratisch, radikal idealistisch, radikal naiv - egal, Hauptsache radikal. Wäre ich also linksradikal, hätte ich in unserer pluralistischen Gesellschaftsordnung meinen legitimen Platz. Weil ich doch zu einer Strömung gehöre, die nicht zwangsläufig gegen die Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung verstößt.

Konsequenz. Und eine Frage

Sehr schön! Ich werde mir das überlegen. Bloß - irgendwas irritiert mich. Nämlich eine Aussage des Herrn im Ruhestand. In seiner Abschiedsrede hat er gesagt: seine Entlassung sei von grünen und linken Politikern gefordert worden. Von "linksradikalen Kräften in der SPD". Ja, gibt es die denn noch? Und wieso hat er was gegen die? Die stehen doch auf dem gleichen Boden wie er. Sie haben eine radikale linke Auffassung, er hat eine rechtsradikale Auffassung, na und?

Ich vermute mal, er hat sich versprochen. Er wollte sagen "linksextremistische" Kräfte in der SPD. Dann nämlich gehören sie beobachtet. Und verfolgt. Wie all die Menschen, die sich seinerzeit Berufsverbot erworben haben. Weil sie nicht kapiert haben, dass sie bloß hätten sagen müssen: ich bin bloß linksradikal, nicht linksextremistisch. Dann wäre ihnen gar nichts passiert.

Gut zu wissen, das alles!

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Heute passt es besonders gut:

Wenn ich früher gesagt habe, 
ich sei Marxist,
habe ich Hass geerntet, Mitleid, Spott.
Heute erlebe ich das Gleiche, wenn ich sage,
ich bin Feminist.
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Ach, und noch was, passend zu einem ausführlichen Bericht im Programm "Kontraste" über die Zustände bei der Deutschen Bahn. Ich habe von einem nicht genannt werden wollenden Reisenden gehört, er habe folgende Durchsage auf dem Kölner Hauptbahnhof gehört:
Meine Damen und Herren, sehr verehrte Reisende! Der soeben auf Gleis 3 eingefahrene ICE nach Hamburg ist in dieser Woche bereits der zweite Zug, der pünktlich angekommen ist.

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