NICHTS ist manchmal besser als alles…

Zum Beispiel: NICHTS ist manchmal besser als alles Mögliche sonst. Oder: Nichts verloren ist besser als alles verloren. Aber das nur mal so.

Sonntag, 14. Mai 2017. 
Es sind Wahlen in NRW. Wer wird morgen gewonnen haben? Wer verloren? Sicherlich wird die SPD ihr schönes Ergebnis von 2012 nicht halten können (39,1 %), alle Umfragen sagen ein Kraft-an-Laschet-Rennen voraus. Naja, die Umfragen... Wenn die SPD von der CDU überholt wird, hat sie vielleicht noch immer nicht alles verloren, zumindest aber die Regierungsberechtigung. Nun ja, ein paar Jahrzehnte in der Opposition, das ist doch auch ganz nett. Also warten wir's ab. Die Spannung, ich kann sie kaum noch aushalten! Fast so nervenaufreibend wie neulich die Partie FSV Zwickau gegen Fortuna Köln. Da war es mir auch egal, wer gewinnt. 

Und dabei gibt es zurzeit mal wieder ganz schreckliche Ereignisse. Nein, ausnahmsweise nicht das tägliche Getrumpel. Sondern das gerade aktuelle Gehacke, im Web. Wer hackt denn da? Das immerhin wissen wir schon lange: der Russe hackt. Die bedeutendsten Politiker und -innen, vor allem deutsche, allesamt unglaubliche Experten im Cyber-Bereich, haben das ganz schnell herausgefunden. Das ist total gefährlich! Was früher die Kalaschnikow war oder die SS 18-Atomrakete (bezeichnende Bezeichnung: "Satan"), das ist heute der Web-Virus WannaCry. Wirklich zum Heulen. Dass alle Wahlen der letzten Zeit, in den USA, in Frankreich (beinahe) und jetzt heute in NRW (womöglich) nicht so enden wie sie sollten, daran sind nicht die Wahlberechtigten Schuld, sondern diese ekelhaften Russen-Würmer!

Aber zum Glück gibt es auch ganz nette Dinge zu bestaunen, in der großen weiten Welt. Schauen wir mal nach Münster. Da gibt es ein Oberlandesgericht, ein OLG. Es hat gerade mal wieder ein wunderbares Urteil von sich gelassen. Es hat für Recht erkannt, dass so ein Feigling wie dieser syrische Kriegsdienstverweigerer natürlich kein Asyl kriegt bei uns hier. Ein Schuft, wer sein Vaterland nicht verteidigen will, mit allen Waffen. Und ebenso ein Schuft, wer diese logische und jenseitsmäßig rechtsradik... äh, äh rechtsstaatliche Ansicht nicht teilen möchte. Zur Sicherheit hat das OLG deshalb auch die Revision nicht zugelassen. Auf diese Bundesgerichtshöfe da ist inzwischen ja auch nicht mehr immer Verlass. Wer weiß, die könnten ja vielleicht zu Recht erkennen, dass die Münsteraner Richter gottverdammte Arschlöcher sind, wenn sie ein so hirnverbranntes Urteil erlassen. Und es deshalb aufheben. Und dem Feigling da Asyl gewähren. So weit kommt es noch!

Montag, 15. Mai 2017
So weit ist es tatsächlich gekommen. Nicht in diesem verfahrenen juristischen Verfahren. Sondern in dem Bundesland, in welchem Münster liegt. In NRW. Wie die Wahlen dort ausgegangen sind, muss ich nicht wiederholen, seit Sonntag Abend um 18.00 Uhr werden die Ergebnisse pausenlos in allen Medien verkündet und kommentiert, teils genüsslich, teils fassungslos, teils spöttisch. Selbst Martin Schulz hat ja gemerkt, dass er nicht um 18.01 Uhr Kanzler geworden ist, was er noch am 7. Mai lauthals verkündet und womöglich selbst echt geglaubt hat. 
Allüberall im Lande und auch vielfach im Ausland wird nun die Frage gestellt: how come? Wie konnte das passieren? In dem Bundesland, das doch schon ewig der SPD gehörte? Große Freude bei allen Ironikern und Halbsatirikern über die "Herzkammer"-Phrase. Ein Tsunami an Wortspielen tost aus dem Medienmeer übers Land. Herzkammer-Infarkt, Schmerzkammer, Herzkammerjäger... Aber das sind keine Antworten auf die gestellten Fragen. Dabei wäre das doch gar nicht so schwer! Der Gedankengang im gutbürgerlichen Wählerhirn: Früher war alles besser. Heute aber geht es uns gut. Am besten, wir lassen alles, wie es ist. Und das heißt: Angela wählen. Die hat nämlich, was kaum einer weiß und ganz viele bestreiten, ein phantastisches Programm. Ihre Politik folgt ihrem Glaubensbekenntnis, das sie 2012 formuliert und damit große Begeisterung ausgelöst hat, dass nämlich die Demokratie "marktkonform" sein müsse. Also sagt Frau Merkel: "Ich bin marktkonform". Das finden die Märkte grandios, weil die Regierung ihnen da nicht ins Hand- und Mundwerk pfuscht. Und so verkörpert die endlose Bundeskanzlerin auch die westlichen Werte, von denen sie immer wieder mal in aller Demut sülzt.

Dienstag, 16. Mai
Die westlichen Werte sind nicht nur die Herzkammerangelegenheit von Herrn dö Mässjär, unserem außergewöhnlichen Innenminister. Ein großartiges Beispiel ist heute in Italien zu betrachten. Der Corte Suprema di Cassazione, das höchste Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit des Landes, hat entschieden, dass Migranten sich an "unsere Werte" anpassen müssen. Und ein großer Bericht z.B. in la Repubblica zeigt auch gleich auf, was so alles zu den westlichen Werten gehört: in Crotone - das ist ein schönes Städtchen sozusagen am Absatz des italienischen Stiefels - wurden gestern 68 Personen festgenommen unter der Beschuldigung, sie hätten mittels gefälschten Anschriften, Betrug und anderen Straftaten in zehn Jahren 36 Millionen Euro, die für die Flüchtlinge im größten Sammellager Europas bestimmt waren, auf eigene Konten abgezweigt. Mit dem Segen des Priesters Don Edoardo Scordio, der die örtliche Mafia für einen Teil des ungerechten Mammons zu ihrem Freund gemacht hat. Ein Verhalten, das vollinhaltlich unseren westlichen Werten entspricht, wird es doch von der Bibel allen Christen ans Herz gelegt - siehe Lukas 16, 9. Und dass die Bibel mit all ihren sonstigen Vorschriften und Ratschlägen quasi der am höchsten werte der westlichen Werte ist, wird doch wohl kein Mensch in diesem unserem Teil der Welt ernsthaft bestreiten wollen. Hoffentlich nehmen sich diese gottlosen islamischen Migranten das zu Herzen und passen sich uns an. Aber dalli!
Jetzt höre ich schon den Herrn Innenminister knarzen: Ausgeschlossen! Sowas könnte bei uns in Deutschland nie passieren! So christlich sind wir nun auch wieder nicht, Gott sei Dank!

Amen. Lasset uns beten.

___________________________________

Übrigens: wer jemand kennt, dem er NICHTS wünscht, kann mir seine oder ihm meine Emailadresse übermitteln (ekkes@ekkes.de)

Da ist ja NICHTS dabei…!

(Ein Wort zur deutschen Leitkultur)

Jetzt muss ich doch schnell... weil irgendwie hab ich so das Gefühl... und sonst vergess ich es vielleicht, passiert mir ja immer öfter...
Also: ich finde das nicht Ordnung, wie sie zurzeit mal wieder auf dem armen de Maizière rumhacken. Bloß weil er es gewagt hat, ein paar unglaublich richtige Phrasen zur "deutschen Leitkultur" zu veräußern! Ja, wo sind wir denn! Ich verbitte mir übrigens, dass man mir mit dem abgeschmackten Buchstabenspiel "Leid-Kultur" kommt. Wer unsere Kultur nicht leiden kann, der kann uns... ach, egal!

Ich muss ja jetzt gar nicht auf alle Zehn Leit-Gebote eingehen. Sie werden bei uns doch schon alle längst befolgt, und wie! Deutschland ist "christlich geprägt" (deshalb gibt es auch die Kirchensteuer) und es ist "weltanschaulich neutral" (deshalb zieht der Staat die Kirchensteuer für die christlichen Konfessionen ein, aber natürlich nicht für die ganzen anderen, diese heidnischen Vereine). Und den großen Wert der "ererbten deutschen Geschichte" überlassen wir selbstverständlich auch nicht der AfD. Diesen Wert pflegen wir schon selbst. Zum Beispiel, indem wir allen Undeutschen... bitte? Na gut, meinetwegen: den Nicht-Deutschen gewisse Unterschiede klar machen. Da gab es kürzlich ja diese Aufregung im Fall der ägyptischen Studentin, die in Cottbus von einem Auto überfahren wurde. Nicht schön, sowas, klar. Aber das passiert auch Deutschen hin und wieder. Aber dann: dass die Mitfahrer in diesem Auto der am Boden in ihrem Blut Liegenden erklärt haben - nein! nicht beschimpft, verdammt nochmal, erklärt! - dass  man in der Bundesrepublik eben aufpassen muss im Straßenverkehr, und wenn sie das nicht kann oder will, sollte sie halt zurückgehen dahin, wo sie hergekommen ist. Ja, schon, das war nicht sehr nett; aber es war doch richtig, oder etwa nicht? Und es war, genau betrachtet, auch "konsensorientiert", da kann man doch mit übereinstimmen!
Und was wollte denn der Bundeswehroberleutnant, der er sich als syrischer Flüchtling ausgab? Er wollte doch bloß darauf hinweisen, wie leicht es diese ganzen Asylbetrüger haben: Geld kriegen, ohne zu arbeiten! Was überhaupt nicht dem deutschen Leitkulturwert "Leistungsgedanke" entspricht!
Es gibt allerdings auch Probleme.  Ein Beispiel: neulich sollte doch der Prozess stattfinden, in dem es darum ging, dass vier Männer einen Flüchtling aus einem Supermarkt herausbegleitet und an einem Baum befestigt hatten, mit Kabelbindern. Naja, der Flüchtling - ein Iraker, der übrigens psychisch... ähm, wir würden sagen, der... egal, der ist inzwischen verstorben, irgendwie. Trotzdem: dass der Richter das Verfahren eingestellt hat, weil die vier Männer doch so geringe Strafen zu erwarten hätten, dass sich das nicht lohnt, und weil es kein öffentliches Interesse gäbe, das find ich nicht ok. Na hörnsemal! Da hätte doch geklärt werden können, dass die vier, was sie immer gesagt haben, nur helfen wollten, nein, nicht dem Flüchtling natürlich, sondern dem Supermarkt! Ich finde, das wäre doch im öffentlichen Interesse, oder, oder? So bleibt jetzt der Verdacht auf ewig an denen hängen. 

Jedenfalls, was die zehn deutschen Leitwerte betrifft (ich finde ja, es gibt noch ganz viele mehr): der de Maizière - er ist lustigerweise auch Oberleutnant, wenn auch der Reserve - der hat einfach Recht. Und er hat das auch sehr verständlich formuliert, so dass es auch jeder Deutsche und der dümmste Ausländer kapieren kann. Ja! Ganz plastisch: "Wir sind nicht Burka", hat er gesagt. Genau: wir sind Krawatte und Hosenanzug, wir sind Dirndl und Lederhose und Schiesser-Unterhemden feinripp. Und neben vielen anderen guten Eigenschaften, auf die wir stolz sind, sind uns die vom Innenminister erfundenen Leitwerte am Allerwertesten. Jawoll!

_______________________________________
Falls jetzt jemand meint, er bräuchte mal ein bisschen Erholung: hier sind Sie immer richtig.

NICHTS zum Lachen

Nachvollziehbar

Wer gerne lacht, hat es nicht leicht in diesen Zeiten. So arg viel Gründe dafür gibt es nicht zu berichten, vielleicht noch von Martin Schulz: der befindet sich ja im Landeanflug auf den Kanzlerhangar, verliert dabei - wie üblich bei einem Landeanflug - ständig an Höhe, die letzte Positionsmeldung zeigt ihn bei 29 %. Wo Schulz landen will, sitzt noch immer Angela Merkel, die nicht an Abflug denkt. Ihr droht von Schulz und auch sonst keine Gefahr, so lange sie ihre überzeugende neue Stereotyp-Antwort gibt: "Das ist nachvollziehbar". Trumps Raketenangriffe auf Syrien oder Afghanistan: nachvollziehbar. Das Ergebnis beim Referendum für den Putativsultan Erdogan ist nachvollziehbar. Vermutlich auch das Wahlergebnis von Marine Le Pen. Eine wunderbare Vokabel! Irgendwie sind selbst die Terror-Attacken des IS und seiner wahnsinnigen Freiwilligen nachvollziehbar. Das sagt Angela Merkel natürlich nicht. Für mich ist das nachvollziehbar.


Treu bleiben

Allgemein hoher Wertschätzung erfreuen sich Menschen, die treu bleiben, vor allem auch sich selber. Ein solcher Mensch - sogar ein Mann, doch, ja! - ist Donald Trump. Er bleibt, was er offensichtlich schon immer gewesen ist: unberechenbar. Seine Haltung zur NATO, zur Kriegsbeteiligung in Syrien, seine Einschätzung von Putin, Merkel, selbst zu Stephen Bannon: alles unberechenbar. Das ist einer hohen Wertschätzung wert. Das macht ihn interessant. Das ist spannend.
Wird er einen neuen Weltkrieg anzetteln? Wird er allen US-Bürgern die Ausreise verbieten, weil sie mit den dabei ausgegebenen Dollars lieber America great again machen sollen? Wird er sich von Melanie scheiden lassen und Meryl Streep mit Heiratsangeboten nerven, im Wahn, auf diese Art eine seiner schärfsten Gegnerinnen mundtot machen zu können? Nichts ist unvorstellbar. (NICHTS dagegen ist nicht unvorstellbar). Trump bleibt Trump und damit sich treu. Das müssen wir nicht nur akzeptieren, das müssen wir wertschätzen. Auch wenn wir dann irgendwann in Luftschutzbunkern sitzen. Weil der US-Präsident, gerade mal wieder eine Schokoladentorte verschlingend, sämtliche seiner Mutterbomben nach Lust und Laune auf irgendwelche Länder hat schmeißen lassen. Wozu Angela Merkel sagt... äh, nein, lassen wir das. 
(Kleine Anmerkung: manche Menschen werden sich sogar immer noch treuer, Wolfgang Schäuble zum Beispiel, Winfried Kretschmann, Joschka Fischer, Otto Georg Schily usw.)

Noch ein paar Sätze zur Wahl in Frankreich...

Bei der heraufziehenden Stichwahl kommt auf jeden Fall ein Ergebnis heraus, das noch auf Jahre hinaus seine Auswirkungen nicht nur auf Frankreich, sondern auch auf Europa und damit logischerweise auf die BRD haben wird. Siegen wird entweder die Rechts-Anwältin Le Pen. Hierzu findet sich eine begeisternde Nachricht in la Repubblica vom 27. April. Vor 15, 20 Jahren sei der Front National noch ein Schreckgespenst gewesen und verteufelt worden. So wie sich übrigens auch die arme, arme AfD selbstbemitleidet. Heute aber sei das vorbei. Der FN sei nicht mehr teuflisch, er sei entdiabolisiert. Das weckt düstere Vorahnungen. Vielleicht wird die Le-Pen-Truppe ja schon bald vergöttert. Und fährt himmlische Wahlergebnisse ein. Und das wiederum führt zu mehr Hoffnungen bei den Sekten in anderen Teilen Europas, die ähnlichen veralteten Glaubensbekenntnissen anhängen. 
Oder es gewinnt der massenbewegende Emmanuel Macron. Der ist, was kaum jemand weiß (wahrscheinlich sogar er selber nicht), ein heimlicher Marxist. Von Karl Marx stammt unter so vielen anderen auch das Zitat: "Jeder Schritt echter Bewegung ist wichtiger als ein Dutzend Programme".
Der Urnengang bleibt also spannend. Die Doppelbedeutung des Wortes Urne ist inzwischen ebenso alt, albern und nervtötend wie das Establishment in so vielen Staaten, von den USA bis Österreich. Davon profitieren überall Populisten. In der durchaus nicht ganz unberechtigten Hoffnung, selbst als neues, natürlich ganz anderes Establishment gewählt zu werden. Wie z.B. in Ungarn der Herr Orban. In Polen Beata Szydlo. In den USA der Herr Trump. In Frankreich also Le Pen oder Macron, Der ja mit seiner Parole "En Marche" bereits mächtig "auf dem Vormarsch" ist, um den enfants de la Patrie den endgültigen Jour de gloire zu bescheren. Wie? Nobody knows.

...und im Herbst in der BRD

In Deutschland über alles, im deutschen Vaterland also, in welchem es nach wie vor in der Nationalhymne nur Väter und Brüder gibt, an Müttern und Schwestern dagegen mangelt, hat der Marsch ja leider einiges von seinem einstigen Wert verloren, so dass sogar die AfD wahrscheinlich nicht versuchen dürfte, den Erfolg von Macron zu kopieren, indem sie als Slogan kreiert "Marsch, marsch!!". Was denen wohl noch so alles einfällt für die Wahlen im vielleicht wieder mal heißen Herbst? "Wir machen Deutschland wieder groß"? Und auch den anderen Parteien? Dem Bündnis90/Die Grünen zum Beispiel, die vielleicht gar nicht mehr im Bundestag landen? Und dann mit Freddy Quinn wehmütig klagen "Schön war die Zeit, so schön"? Und was ist, wenn die CDU/CSU jubelt, die 48 % hätten sie wirklich verdient, nachdem der als Kanzlerkandidat eingewechselte Horst Seehofer das Steuer übernommen hatte?
Sieht aus, als hätte Bert Brecht es gerade eben geschrieben und nicht 1938: Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten...

NICHTS zum Lachen also. Oder vielleicht gerade deshalb und erst recht?

Aprilscherze

April: bekanntlich der Monat der Scherze. "In den meisten europäischen Ländern sowie in Nordamerika" hat das Tradition (Wikipedia weiß alles).
Richtig, es betrifft nur den 1. April. Bisher. In unseren modernen Zeiten ist die Sache komplizierter geworden. Neuerdings werden Falschmeldungen, erfundene Berichte, aufregende "Informationen", Lügen etc. jeden Tag verbreitet. Wir werden ständig in den April geschickt. "Fake-News" wird diese (angeblich neue) Erfindung genannt, eine der vielen vielen Verdienste des Herrn Trump. Das hat Auswirkungen auf die Informationen überhaupt: sie sind ständig und alle einem Anfangsverdacht ausgesetzt - wahr oder nicht wahr?
In diesem ersten Viertel des April 2017 gibt es bereits eine Menge solcher Falschmeldungen. Liebe Leserinnen und Leser, wir laden Sie ein zu einem lustigen Quiz. Motto: NICHTS für schwache Nerven! Lesen Sie und entscheiden Sie dann: was ist wahr, was ist nicht wahr.

Beispiel 1:
Angela Merkel trifft Silvio Berlusconi beim Kongress der Europäischen Volkspartei auf Malta. Der "Cavaliere", ganz Kavalier, schüttelt seiner Duz-Freundin begeistert die Hand (anders als der Rüpel Trump neulich). Sie soll ihm helfen, sagt er zu ihr, seine Wiederauferstehung in der italienischen Politik zu schaffen, z.B. dadurch, dass sie ihn dabei unterstützt, einen Wahlsieg des Komikopopulisten Beppe Grillo mit seiner Movimento-5-Stelle-Chaotentruppe zu verhindern. Angela Merkel hat dies zugesagt, wenn Silvio ihr umgekehrt hülfe, einen Wahlsieg des SPD-Kandidaten Martin Schulz zu verhindern. Das wäre nämlich eine Katastrophe, nicht nur für sie selbst, sondern auch für das Großkapital und damit für die gesamte deutsche Wirtschaft. Meint sie.

Beispiel 2:
Unsere dynamische Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bringt nicht nur die zum Teil saumäßig verschlampten Heeresteile zu Wasser, zu Lande und in der Luft wieder auf Vorderfrau; sie schafft auch eine neue Waffengattung: das Cyber-Kommando. In Zukunft wird die Sicherheit der Bundesrepublik nicht mehr bloß "auch am Hindukusch verteidigt" (Ex-Verteidigungsminister Peter Struck), wo unsere Jungs höchstvorsorglich kreuz und quer in der Gegend rumballern, oder in Syrien, wo andere Jungs logistisch helfen, auch wenn sie ebenfalls nicht so genau wissen, wem eigentlich; nein, bald mischen sich auch Nerds mit 8-Tage-Bart und Rissen in den Jeans sogar im Netz ein, weltweit. Der russische Geheimdienst und die NSA der USA sind alarmiert, in einem Cyberkrieg hätten sie gegen die deutschen Superhirne schlechte Karten. Für alle, die an Einzelheiten brennend interessiert sind, hier die Website zum Aufrufen und mitfiebern:
http://www.proamerikanisch-antirussische_spassjunkiekids-in-uniform.de

Beispiel 3:
Die unter Beispiel 2 genannten Helden haben seit heute, 7. April 2017, auch schon die erfreuliche Chance, sich zu bewähren. Endlich wieder ein richtiger Kriegsbeginn! Trump erfüllt ein weiteres seiner Wahlkampf-Verbre... äh, nein, sorry: Wahlkampf-Versprechen. Als Western-Stratege spielt er uns ein neues Lied vom Tod; Musik dazu: das weltweit konzertierende Sympathieorchester berühmter Medienmusiker wiederholt immer aufs Neue den Titelsong "Hoch uns're westlichen Werte". Mit Pauken und Trompeten und Schlagzeug werden den (leider noch nicht so ganz richtig bekannten) Aggressoren die Flötentöne beigebracht. Ein hübsches kleines Zustimmungs-Solo trällert auch dazu unser Neo-Außenminister Gabriel (zur Erinnerung: der war schon in seinem früheren Leben ein sehr beleibter... äh, äh: beliebter Schlagersänger).
Durch NICHTS bewiesen ist die Meldung, dass Ex-Präsident George Dabbeljuh Bush seinen Nachfolger Trump angerufen und ihm gratuliert hat zu seinem mutigen Schritt. Nur bitte, habe er hinzugefügt, lass die Pfoten vom Irak da unten! Das ist mein Ding! Da hab ich einen widerlichen Diktator erledigt und einem armen, geknechteten Volk einen dauerhaften Frieden gebracht. Schau erst mal, Donald, ob du so etwas Tolles in Syrien hinkriegst, dann sprechen wir uns wieder, okay?
Angela Merkel hat übrigens im Fernsehen den Angriff Trumps ebenfalls unterstützt, weil für den Giftgas-Angriff vor ein paar Tagen allein Präsident Assad verantwortlich sei. Auf die nicht gestellte Frage eines ARD-Journalisten, ob sie dafür Beweise habe, schwieg sie und machte ihr bekanntes Gesicht, welches ausdrückt: Das habe ich im Gefühl, und mein Gefühl hat mich noch nie enttäuscht.

Also, liebe Leserinnen und Leser, jetzt sind Sie dran. Strengen Sie sich ein bisschen an! Was ist wahr? Was ist postfaktisch? Was gehört ins Fakebuch? Was twittern die morschen Knochen? 
Schreiben Sie uns! Die Auflösung kommt wie im richtigen Leben bald (oder nie)!

PS: Übrigens, auch weiterhin gilt: NICHTS ist umsonst. Es kostet trotzdem, ziemlich viel Zeit zum Beispiel.

Haben Sie NICHTS vermisst?

Ohne NICHTS fehlt manchem Zeitgenossen etwas. Und das nun drei Wochen lang! Damit ist jetzt aber Schluss. Es ist natürlich fast jeden Tag etwas passiert, das hier gewürdigt worden wäre. Ein kleiner Auszug nachträglich, sozusagen ein DAYSBOOK:

Die bleibende Frage (wie lange eigentlich noch?), ob und wie man Trump bekämpfen kann, möglicherweise sogar aus dem Amt entfernen, beschäftigt viele Menschen, Antworten gibt es auch. Hier ein weiteres Beispiel: die Amerikanerin Lorrain Daston, Direktorin am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin schlägt vor, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung am 7. März:
"Mit Gelächter. Es ist Zeit, die Waffen der Aufklärung zu verwenden, und das waren keine Waffen der Empörung. Philosophen wie Voltaire haben verstanden, dass Empörung ermüdet. Wir brauchen Gelächter, Satire, Spott... Der beste Weg, die Legitimität eines Herrschers zu untergraben, ist, ihn lächerlich aussehen zu lassen. Es gab nie ein besseres Ziel als Donald Trump."
Da wir gerade bei ihm sind, eine weitere Frage blieb bisher ohne überzeugende Antwort: warum der Komiker im Weißen Haus in der Pressekonferenz die Bitte der Fotografen - wiederholt von Frau Merkel, die dazu erstaunlicherweise bereit gewesen wäre - nicht erfüllt hat, nämlich für ein paar nette Erinnerungsfotos einen weiteren Händedruck vorzuführen. 
Hier endlich die bisher nur uns bekannte Wahrheit: bei dem vorangegangenen Händedruck hatte unsere Kanzlerin so fest zugedrückt, dass Trump kurz, aber laut aufgejault hat. Das wollte er natürlich vermeiden, noch dazu vor den Augen der Weltpresse. Man hat ihm seine schmerzhafte Erinnerung in dieser Szene angesehen.

Noch etwas von Angela Merkel. Bei ihrer Befragung vor dem Ausschuss zur Aufklärung der VW-Diesel-Abgas-Betrugs-Affäre sagte sie aus, davon habe sie keine Ahnung gehabt. Wovon die ehemalige Bundesumweltministerin (von 1994 bis 1998) sonst noch keine Ahnung hatte, wurde nicht gefragt. War auch nicht nötig. Allgemein bekannt (wenn auch wahrscheinlich wie so vieles in der Politik leider vergessen) ist ja auch so, dass sie 2013 die geplanten schärferen Abgasregelungen in Europa verhindert hat. Und dass sie dadurch ihrer Partei eine Spende von BMW in Höhe von 690 000 Euro verschaffte. Befragt, wofür sie diese nette Zuwendung erhalten habe, sagt sie sicherlich ebenfalls: "Für NICHTS". Wir sind begeistert! Allerdings warten wir immer noch auf den Eingang des Geldes. Uns würden ja schon 69.000 € reichen. Also weit weniger als zum Beispiel der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft als Nebeneinkünfte bezieht, nämlich - wie die SZ am 9.3. auf Seite 1 berichtet - 77.721,13 Euro. Jährlich.
Ach übrigens: am 23. 3. hat der Bundestag das (überarbeitete) Mautgesetz verabschiedet. Mit den Stimmen der SPD. Die sich vor Bauchschmerzen gekrümmt hat dabei, nach eigenen Bekundungen. Ob ihr das Ertragen dieser Schmerzen erleichtert wurde durch eine Spende und vom wem und in welcher Höhe ist bisher nicht bekannt. Vielleicht ging das auch ohne und wurde ersetzt durch den Schulz-Hype. Der macht in der SPD alles möglich, sogar mehrmals postsozialistische 100 % bei Abstimmungen.

Ein Gedenken - äh, nein, nein! Für ein Gedenken ist es viel zu früh! Ein Gedanke, will ich sagen, zum "Schulz-Effekt". Die Wiederbelebung der im Umfragenkoma liegenden SPD, künstlich ernährt und nur mit größter Anstrengung vorm Abhimmeln bewahrt, scheint zu gelingen. Allerdings befindet sie sich jetzt in einem Zustand von manischer Depression. Aktuell ist es gerade, dank Sankt Martin, die Phase welche beschrieben wird als "euphorisch, aufgedreht, hyperaktiv und die eigenen Fähigkeiten überschätzend" (so unter m.netdoktor.de/Krankheiten). Ob bereits das Ergebnis der Wahlen im Saarland zur anderen Phase der (heute so bezeichneten) Bipolaren Störung führt, zur Depression und Niedergeschlagenheit, müssen wir abwarten. Ebenso ob dann eine neue Dosis Schulz-forte 100,0 % noch einmal heilend wirkt.

Apropos Wahlen. Die allgemeine, verhalten jubelnde Erleichterung über das Ergebnis für die AfD an der Saar ist möglicherweise so eine Art Ejaculatio praecox. Das Gleiche gilt auch im Hinblick auf die Wahlen in den Niederlanden. Die aber haben immerhin dazu geführt, dass die rechten Populisten nur (nur??) auf Platz 2 gelandet sind. Und dass wir nun zwei weitere holländische Namen kennen: Rutte und Wilders. Vorher waren es ja nur Johannes Heesters und Rudi Carrell. Es liegen aber noch einige Urnengänge vor uns, nicht nur in Schleswig-Holstein, NRW und im Bund, z.B. auch schon bald in Frankreich.
Gerade wird gemeldet: Rechtsruck in Bulgarien. Tja.

Noch zwei totale Überraschungen zum Schluss (für heute).
Erstens: das Gutachten der ECHA, die europäische Chemikalienagentur, welches Glyphosat als unglaublich harmlos einstuft, wurde von der betroffenen Industrie finanziert. Wer hätte das gedacht!
Und zweitens: in einem traurigen und Mitleid erregenden Bericht auf tagesschau.de führt ein Jürgen Döschner aus, dass es "nicht gut" steht um die Kernenergie - obwohl seit Fukushima doch schon endlose sechs Jahre , vergangen sind! Sie, die Kernenergie, sei "weltweit im Rückgang", ein "Atomexperte" Schneider spricht von "Hiobsbotschaften", von "fallenden Aktienkursen" und dass es eine "tödlich Konkurrenz" gebe.
Wir sind erschüttert! Also echt! Wenn die Bundesregierung nicht ganz schnell ebenso fürsorglich reagiert wie in der schrecklichen Bankenkrise damals, dann müssen wir unbedingt zu einer privaten Spenden-Aktion aufrufen! Als Motto unser Vorschlag:

"NICHTS rettet die armen Atomkraftbetreiber! Machen auch Sie dabei mit!"

NICHTS zu erwarten…

...kann auch mal Spaß machen und ganz erholsam sein. Keine unerfüllbaren Hoffnungen vor sich zu sehen, keine unvermeidlichen Katastrophen. Ganz oft befinden wir uns ja in einer "lose-lose"-Situation ("win-win" ist leider viel seltener), das heißt: was auch kommt, kann uns einfach nicht gefallen. Hillary oder Trump; CDU/CSU oder SPD/Grüne; Sein oder Nichtsein.

Hier aber ist das anders. Bis Anfang April gibt es kein NICHTS. Mag sein, dass in der Welt etwas passiert, das normalerweise eine Reaktion nach sich ziehen würde. Empört; wütend; satirisch; ironisch; spöttisch. Oder deprimiert und mit hilflosem Achselzucken. Zum Beispiel: wenn die SPD (ja, sorry, die schon wieder) bereits viel schneller als zu erwarten vom Schulz-Höhenrausch wieder auf ihr vorher mit großer Mühe erarbeitetes Sonntagsfragenergebnis von 20,2 % käme; Oder wenn Trump (ja, der schon wieder, sorry) überraschenderweise gerade einen neuen gewonnenen Krieg verloren hätte. Oder wenn die Fertigstellung des Berliner Flughafens sich erstaunlicherweise nicht gerade mal wieder um 11 Jahre verzögern würde.

Angesichts solcher Aussichten - und sie sind willkürlich herausgefischt aus dem Riesenteich der Möglichkeiten - kann es doch wie gesagt ganz erholsam sein, für ein paar Wochen einfach mal auf NICHTS warten zu müssen. Und wem das unmöglich zu sein scheint, der kann ja mal wieder so ein bisschen für sich dahingoethen. Wie? Also bitte! Da gibt es doch ganz viel Material in des Dichters Angebot. Natürlich nicht seine berühmte und so anrührend vertonte Vergewaltigungs-Hymne ("Sah ein Knab' ein Röslein stehn..."), sondern mit dem Gedichtelchen "Gefunden". Sie wissen doch:

"Ich ging im Walde so für mich hin
und NICHTS zu suchen, das war mein Sinn."

Mit dem wunderschönen Versprechen, was dem NICHTS bei richtiger Behandlung bevorsteht:

"...nun zweigt es immer und blüht so fort."

Ach ja!

Experten…

Wenn eine Nachricht - Menschen mit aktuellen Updates im Hirn reden nur noch von "News" - besonderes Gewicht haben soll, wird sie abgefedert durch die Hinzuziehung eines Experten. Zum Glück für alle, die im News-Biz ("business"!) tätig sind, gibt es Experten für nahezu jedes Thema, von der besorgniserregenden Erschöpfung des gegenwärtigen zweithöchsten Papstberaters bis zu den äußerst interessanten Entwicklungen auf dem Gebiet der Stallhasenernährung.

Gut. Aber manchem Zeitgenossen - und vielen Zeitgenossinnen - kommt gewiss irgendwann die Frage: wie wird man Experte? So wie jemand Raucher wird? Oder Verfassungsrichter? Oder - ganz aktuell - "Gefährder"? Drängende Fragen, die auf weiterhin vorhandenes Interesse an Vergangenheit, Gegenwart und vor allem Zukunft hindeuten. Hier der Versuch einer Antwort. Einer kurzen Antwort, nicht aber dieser oft gehörten, simplen Antwort: Na, ein Experte ist halt ein Experte, ganz einfach.

Schon gleich hier sei's gesagt: um Experte oder Expertin zu werden, braucht es kein abgeschlossenes Hochschulstudium mit anschließender Promotion und Ernennung zum Professor; auch wenn das natürlich sehr hilfreich ist. Nein, normalerweise genügt es zu sagen: ich habe irgendwie Spaß an dem Thema, ich habe schon 17 Artikel im Internet und zwei Bücher dazu gelesen, und ich habe sieben Mal für eine News-Gewichtung in Print, Sound oder Video als Experte zur Verfügung gestanden. Manchmal genügt es sogar zu erklären: ich weiß gar nicht, was Sie wollen, ich bin Experte, aber hallo, na klar, und wie! Machen Sie sich doch auch mal das Vergnügen, einen soeben vorgestellten Experten in eines dieser drei Kästchen einzuordnen.

Eine News gewinnt, wie gesagt, gewaltig durch die Worte eines Experten. Sie wird nicht nur im Detail bestätigt, sondern ausgeweitet und quasi unangreifbar gemacht. Besonders wenn der Mensch, aus dem die Worte strömen ganz ruhig und gelassen redet und auch noch aussieht wie der Pfarrer in Ihrer Kirche oder ein Angeklagter vor Gericht, die beide ja bekanntlich immer nur die Wahrheit und nichts als de Wahrheit sagen.

Nein! Was fällt Ihnen ein! (An diesem "Sie" und "Ihre" ist übrigens zu erkennen - was ich gar nicht verberge, weil es eh unschwer erkennbar ist - dass ich aus dem Mittelalter stamme; heute ist "du", "ihr", "euch" usw. angesagt bei modernen jungen Menschen). Also: was fällt Ihnen ein! Die Aussage eines Experten anzuzweifeln, zu hinterfragen, gar nachzuprüfen (d.h. "nachzuchecken") ist unverschämt. Es stellt nicht nur den Experten ganz schlecht dar; auch der oder die ihn Befragende hat auf einmal den Scheffel auf dem Licht, welches leuchten zu lassen er/sie sich vorgenommen hatte!

Das bisher Gesagte gilt seit kurzem auch für die wunderbare Neuentwicklung auf dem Gebiet des Nachrichtenwesens, die "Fake-News" und die "alternativen Fakten". Sogar noch mehr! Solche Informationen werden sozusagen geheiligt oder geheilt und somit zu richtigen News oder Fakten. Menschen, die nicht viel Zeit und Ahnung davon haben, können solche Aussagen gar nicht nachchecken. Und sie glauben sie umso bereitwilliger, je sympathischer ihnen ist, wer sie äußert. Aber auch Gutwilligen kommen wohl schon mal Zweifel: ist dieses Islamterroristen-Attentat von Bowling Green vielleicht doch passiert? Die Expertin Kellyanne Conway ist schließlich so expertiös wie nur was, eine gut aussehende Frau, die erste Beraterin des mächtigsten Mannes der Welt. Ebenso vertrauenswürdig wie Steve Bannon - den kennen Sie ja bestimmt schon.

Eine bemerkenswerte Spezialform der Experten sind die Poly-Experten. Also Menschen, die in mehreren Bereichen Experten sind. Nur ein Beispiel zur Verdeutlichung: ein Experte für Wirtschaftsfragen, welcher ganz schnell auch Experte für die Außenpolitik ist. Und ein Kanzler/eine Kanzlerin ist sowieso qua Job Experte/in für alle Bereiche der Politik.

Ebenfalls bemerkenswert ist die massive Zunahme der Experten, also deren Zahl natürlich. Experten gab es immer. Inzwischen aber - wie schon am Beginn dieser Überlegungen festgestellt - gibt es sie nicht nur für alle Bereiche und Themen. Es gibt für jeden Bereich und jedes Thema gleich mehrere Experten. Das ist ganz wichtig. Alle, die einen Experten als Unterstützung beiziehen wollen, brauchen schließlich einen, der in ihrem Sinn aussagt, politisch, weltanschaulich, kulturell usw. usw.

Manchmal geht der Plan, die eigene, womöglich ein bisschen wackelige Aussage zu stützen, auch schief. Hier zum Abschluss ein Beispiel. Auch ich bin ja Experte. Und ich wurde eines schönen Tages von einem sehr bekannten Öffentlich-Rechtlichen zu einem Interview gebeten.

ÖR: (nach der üblichen Anmoderation) Herr Frank, Sie sind - und deswegen haben wir (wir!!) Sie hierher gebeten - Sie sind Experte. Wofür?

Ich: Für NICHTS.

ÖR: Genau. Ein äußerst interessantes und wichtiges Gebiet, weil... (er stutzt) äh, äh, was haben Sie eben gesagt?

Ich: NICHTS.

ÖR: (lacht gezwungen) Haha, ja, eben. Ein bisschen Spaß muss sein! Sonst ist unser Job doch allzu dröge, hahaha! - (wieder ernst) Nun also: worin haben Sie sich zum Experten geformt?

Ich: In NICHTS.

ÖR: (übergeht das) Herr Frank, Sie haben gerade jüngst einige bemerkenswerte Artikel verfasst, für eine Internet-Publikation, genauer: für... für...

Ich: Für NICHTS.

ÖR: (resigniert) Na meinetwegen. Im Vorgespräch haben Sie mir gesagt, das habe Sie zunehmend interessiert, dieses Gebiet, dieses Thema, und Sie würden bzw. Sie seien fest entschlossen, da weiter zu forschen, für... wie gesagt, für...

Ich: NICHTS. Aber das ist doch auch für mich ganz interessant! Darf ich mal Sie etwas fragen?

ÖR: Bitte.

Ich: Was bekomme ich eigentlich für meinen ganzen Aufwand? Die Vorbereitung für dieses Interview, die Anreise, meine kenntnisreichen Aussagen als Experte in meinem Spezialgebiet? Also: was kommt da raus für mich?

ÖR: (empört) Na hörnsiemal! Wo denken Sie denn hin!? Wir Öffentlich-Rechtlichen müssen sehr sehr sparsam sein. Was da rauskommt? Nichts natürlich! Nichts!

Das Interview wurde übrigens nicht gesendet. Bedauerlicherweise.

NICHTS gegen Trump

Ich habe NICHTS gegen Trump. Das ist wenig, ich weiß. Aber haben denn die anderen mehr, die sich derzeit an Trump abarbeiten? In Deutschland vorwiegend mit A: er ist ein A...loch, sie fühlen sich verA...t, er geht ihnen am A... vorbei, er kann sie mal am A... (literarisch Versierte sagen "im" A.... Goethe!). Ach übrigens, Donald, falls du das hier lesen solltest (du kannst doch lesen, oder?), eine kleine Information: wir Deutschen werden meist von hinten ordinär, ihr da drüben von vorne, bei euch würde man also zu dir sagen: f... off, f... yourself oder auch nur mehrfach f... - f...

Aber zurück zu den Abarbeitern an Trump, in der Welt, in Europa, in Deutschland. Trump treibt jeden Tag ein anderes Rind durch die Stadt, schreibt ein junger Journalist. Hat irgendwas nicht richtig mitgekriegt in der Schule. Naja, unsere Schulen... Die italienische Zeitung La Repubblica verkündet auf ihrer Titelseite am 6. Februar in großer Schrift als Aufmacher: ...io come Trump (ich bin wie Trump) hat sie gesagt, die Marine Le Pen. In der Sendung Hart aber fair (ARD) ist die Rede von einem Psychopathen. Der SPIEGEL druckt auf seinem Titelblatt Trump mit einem blutigen Messer in der einen Hand, den abgehackten Kopf der Freiheitsstatue von New York in der anderen. Aber es gibt auch andere Varianten: Seehofer hat Verständnis für Trump. Gabriel, der peinliche Plötzlichaußenminister, hat Verständnis. Des lieben Friedens wegen: Ap"peace"mentpolitik, um den Wilden da drüben friedlich zu stimmen. Chamberlain lässt grüßen. Auch deutsche Medien werden ängstlich, sie wollen zeigen, dass es das andere Amerika, das tolle, schon auch noch gibt: die Super-ARD-tagesschau.de macht am letzten Montag auf mit Superbildern und Superberichten über das Weltereignis Super-Bowl. T-Online berichtet augenzwinkernd von einem Mann, der nach Hause kommt und seine Frau im Bett vorfindet, mit einem Priester; der dann hastig davonrennt, splitterfasernackt. Total lustig, oder? Na also! Geht doch! Warum immer nur Trump?  
Aber nein: Hunderte von Publizistinnen, Philosophinnen, Moderatorinnen, Kabarettistinnen, Politikerinnen, allesamt Expertinnen (ebenso wie ihre noch zahlreicheren Exemplare in der männlichen Form), alle schreiben sie über Trump, reden, spotten, schreien, lachen, könnten nur noch kotzen, schütteln die Köpfe, hätten nie gedacht, raunen, flüstern, glauben es einfach immer noch nicht, fordern unbedingt und nachdrücklich und sofort - ja, was eigentlich?

In diesem ganzen Wörtertsunami noch immer keine brauchbare Antwort auf die Frage, wie man mit Trump nun verfahren soll. Am besten natürlich wäre, ihn aus dem Weißen Haus zu entfernen. Dafür gibt es bekanntlich zwei mögliche Methoden. Die eine ist das impeachment, die Amtsenthebung, in der US-Verfassung vorgesehen. Ist verdammt kompliziert. Bisher wurde noch kein einziger Präsident der USA auf diese Art aus dem Amt entfernt. Auch Nixon und Clinton nicht, gegen die das Verfahren immerhin schon mal eingeleitet worden war.

Die zweite Methode ist um vieles einfacher und auch viel amerikanischer. Der Colt, richtig! Trump würde das sicherlich verstehen und billigen. Wenn er nach Durchführung dieser Maßnahme nicht außerstande wäre, noch irgendetwas zu verstehen oder zu billigen. Um das klar zu sagen: ich lehne diese Methode ab. Ich kann ja nicht einmal einer Schmeißfliege etwas zu Leide tun. Beides keine Fake-News übrigens!

Fazit: auch ich habe mir, wie die ganze Welt, den Kopf zermartert darüber, welches Verfahren  in dieser verfahrenen Situation angemessen und Erfolg versprechend wäre. Ich habe keine andere Antwort gefunden als:

Ich habe NICHTS gegen Trump. Aber immerhin das. Was ich mir wünsche: dass auf ein ähnliches Interesse und notwendige Kritik stoßen würde, was sonst noch und ohne Trump überall auf der Welt passiert. Und was mindestens ebenso schlimm ist wie das, was der gestörte Störer in Washington so alles anrichtet.

Also: mehr als genug für NICHTS und wieder NICHTS.