Alles hybrid

Guten Tag! Hallo! Wie geht's? Sind Sie auch hybrid? Nein? Schade, das ist nämlich ganz wichtig, heutzutage. Nicht nur bei den Autos. Wenn die hybrid sind, dann bedeutet das: wenn der E-Antrieb nicht mehr funktioniert, schaltet das kluge Fahrzeug um und wird wieder zum Verbrenner. Wenn ein Mensch hybrid ist, dann ist er zum Beispiel eine Mischung aus Mensch und Affe oder irgendein sonstiges großes Tier. So gesehen sind die meisten unserer Politiker hybrid. Und sie machen eine hybride Politik. Das beste Beispiel dafür ist zurzeit der Krieg. Bei ihrer Presseshow vor zwei Tagen haben Innenminister Dobrindt und Außenminister Wadephuhl alles erklärt. So gut hätte das der Kanzler, der nicht dabei war, gar nicht gekonnt. Der redet ja, wie man weiß, oft so hybrides oder besser: krudes Zeug daher. Der hätte vielleicht gesagt, wir befinden uns nicht in einem hybriden Krieg, sondern in einem irgendwie anderen Krieg. 

Sowas passiert den beiden aufgetretenen Ministern nicht. Wadephul sagte, man befinde sich nicht im Krieg mit Russland, sei "aber Kriegsziel".  Dobrindt drückte das ganz anders aus: "Wir befinden uns nicht im Krieg, aber wir sind tägliches Ziel hybrider Kriegsführung“. Das sei doch nun alles bekannt. Die Russen seien so dumm gewesen, Material zu benutzen, das nur sie besäßen. Und sonst noch irgendwelche Kleinigkeiten. Beweise dafür?  Gibt es nicht. Wozu auch Beweise.

Und dann kamen, bei dieser mit Spannung erwarteten Pressekonferenz, auch die Antworten auf die schon so lange gestellten Fragen: ob und was die Regierung denn da zu sagen und zu tun gedächte. Herr Merz antwortete immer wieder mit dem inzwischen historischen Satz, die dahinter steckten, wahrscheinlich die Russen, und wer dahinter stecke, die "werden dafür bezahlen". Wie darf ich mir das vorstellen? Dass bei einem der noch nicht absehbaren Treffen Putin sein Portemonnaie zückt und sagt: Na gut, Friedrich, wieviel darf's denn sein? Nein, vom bezahlen war nicht mehr die Rede. Es sind viel härtere Strafmaßnahmen. Zwei Häuser, eines in Bonn, eines in Berlin werden geschlossen. Der russisches Botschafter wurde einbestellt. Außerdem soll der Druck auf die russische Schattenflotte verstärkt werden. 

Sorry, das sind doch keine Strafmaßnahmen, Herr Merz und Co. Das ist ein Du-du-du mit erhobenem, wackelndem Zeigefinger! So ungefähr hat das auch der Grüne Notz ausgedrückt. Also wenn mich jemand fragen würde, ich würde da viel stärker draufhauen. Zum Beispiel...
Entschuldigt mich bitte. Ich brauche einfach eine kleine Pause.


Da bin ich wieder. Ich bin entsetzt. Ich habe Angst. So bin ich überhaupt noch nie gewesen! Aber jetzt... Ich hab ja gerade vorhin meine Arbeit an diesem NICHTS unterbrochen, um mir einen Cappuccino mit Brioche zu machen. Ja, das passiert mehrfach an Tag. Jedenfalls, als ich dann zurückkam und auf meinen Schreibtisch schaute, war meine Mouse weg. Ich bin gaaaanz sicher, dass ich sie neben meinen Laptop gelegt habe. Von dem schönen Text auf meinem Laptop ist die Hälfte weg, einfach weg. Ich habe verschiedene Hilfeprogramme im Internet durch probiert. Die haben zuerst geschrieben: Sie haben ihren Text verloren? Aber das ist doch kein Problem, das kriegen wir ganz schnell und einfach wieder hin. Nach fünfdreiviertel Stunden hab ich es aufgesteckt. Ich hab dann überall in meinem Zimmer gesucht. Vergeblich. Dafür hab ich unter meinem Bett einen Feuerwerkskörper entdeckt. Direkt daneben eine Schachtel Streichhölzer. Und dann fiel mir auch noch ein, dass vor drei Wochen jemand die Luft aus beiden Reifen meines Fahrrades abgelassen hatte. Wenn ich das nicht zufällig entdeckt hätte, wäre ich höchstwahrscheinlich abgestürzt und hätte mich schwer verletzt. Eine ganz verdammt hybride Aggressionsschweinerei!

Ich setzte mich auf meinen Sessel und grübelte. Das ist doch alles kein Zufall, verdammt nochmal. Und mir war auch ganz schnell klar, wer da dahinter steckt. Richtig: der Russ!! Nein, umbringen wollten die mich nicht; nur verunsichern. Dass ich nicht mehr so leichtsinnig pazifistisch daherrede und -schreibe. Dafür werden die bezahlen! Ab sofort werde ich kein Boeuf Stroganoff mit Kartoffelpüree mehr essen. Oder Blinys mit Garnelensalat. Ich werde auch Solschenizyn nicht nochmal lesen. Wodka trinke ich ja schon lange nicht mehr. Außerdem werde ich die russische Schattenflotte ganz heftig beobachten. Und ich werde verlangen, dass ich meine Mouse wieder kriege, und eine neue Luftpumpe. 
Und das härteste: ich werde mich von meinen bisherigen Ansichten ganz schnell trennen, und mich diesen beiden Rechten (hier links) anschließen. Ich finde, die strahlen so viel Zuversicht aus. Genau das, was wir jetzt brauchen. Da will ich doch mal sehen, wie der Russ darauf reagiert. 



Sobald ich das genau weiß, werde ich wieder Nichts schreiben. Wahrscheinlich zu dem Ergebnis der Wahlen in Sachsen-Anhalt.

Siegmundsieg

41:26. 38:24. 42:22. Nein, das sind nicht die Ergebnisse von Basketballspielen der vorletzten EM. Nein, das sind auch nicht die Angaben über die Verhältnisse von Tralalolin-forte und Milucid im Blut. Richtig: das sind die Ergebnisse verschiedener Meinungsumfragen zu den Wahlen in Sachsen-Anhalt. Sie zeigen das Verhältnis der Stimmen für die AfD und die CDU. Die letzten beiden Zahlen sind vom 28.August 2026. Niemand mehr bezweifelt, dass die "gesichert rechtsextremistische Partei" mit Grund auf Sieg(mund) gesetzt hat. Statt dem biederen, ein bisschen unbeholfen wirkenden CDU-Schulze also dampft jetzt der flottquirlige Uli in allen Gassen und das Volk ruft Hosianna. Gruppe von Zuschauern im Stadion jubelt

Das zu verhindern gab es offenbar kein Mittel. Nicht die zahllosen Artikel in, ich weiß nicht, wie vielen Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen, nicht die zunehmende Flut von Radiosendungen. Im Fernsehen gab es immer wieder Talkshows zum Thema. Kluge Leute und Dummschwätzer präsentierten ihre Ideen. Moderatoren und Moderatorinnen ermunterten dazu. Juraprofessoren mit Lehrstühlen als erhabenen Sitzgelegenheiten erklärten beleidigt, man habe eben nicht auf sie gehört. Sie hätten ja rechtzeitig unwiderlegbar das Verbot dieser Partei gefordert. Ebenso qualifizierte Kollegen widerlegten diese Idee weitschweifend. Kabarettisten und Liedermacherinnen nahmen Nummern in ihren Programmen auf, mit zynischem Spott und bitterer Satire. Alle waren gegen die AfD. (Ich auch).
Co-leader of the far-right Alternative for Germany party Alice Weidel acknowledges applaud by the delegates after delivering a speech at the party...
Und die Politiker der anderen Parteien? Die kritisierten die AfD  ebenfalls, aber mit Vorsicht, man weiß ja nie. Außerdem waren sie mit anderen Dingen beschäftigt. Sich gegenseitig zu attackieren mit Spott wie "Eierarsch" oder FDP Holds Annual Three Kings Gathering"Flachzangen". Auf weitere Schöpfungen, kombiniert mit  aus  Werkzeugkisten 
dürfen wir gespannt sein. "Nervensäge" gibt es ja schon, aber wie wäre es mit "Gummihammer"? Oder "Schraubenblödel" oder "Stumpfnagel" oder "Raspelflasche" oder "Dünnbrettbohrer". Die gegenseitigen Beschimpfungen gehören inzwischen zum Arsenal vieler Abgeordneten; früher musste Herbert Wehner das alleine erledigen. „Strolch“, „Quatschkopf“, „Dreckschleuder“, „Schleimer“, „einstudierter Pharisäer“ – immer wieder: Ordnungsruf für Wehner vom Parlamentspräsidenten. Auch dieser bekam, als er einmal ein „Lümmel“ von Wehner rügte, sofort sein Fett weg: „Schönen Dank, Herr Präsident, dass Sie aufgewacht sind.“ Der antwortete: „Ich rüge diese Bemerkung ebenfalls.“ So kam Wehner auf 77 Ordnungsrufe.¹

Etwas Gutes hat der nächste Sonntag aber doch. Die Fernsehsender können wieder zu ihrem Sommerprogramm zurückkehren und dieses bis mindestens Anfang November präsentieren. Also endlose Wiederholungen. Krimis von morgens bis nachts. Ich wusste gar nicht, wie viele Städte und Dörfer solche Serien haben, mit Sokos, Spusis, Einbrechern, Pathologen, Polizeikommissarinnen, Mördern und Vergewaltigern. Gespannt warte ich auf weitere Serien. "Soko Zugspitze". Oder "Gangsterhort Westrhauderfehn". Auch in den Talkshows wird ausführlich debattiert, warum alles so kam und wie man es hätte verhindern können und vor allem: Was machen wir denn jetzt? Das einzige, was den meisten dann einfällt: Halt an, Sachsen-Anhalt! So geht das nicht!

Aber das Programm am nächsten Sonntag auf allen möglichen Kanälen ist viel spannender als diese traurigen Quotenhäscher auf den Bildschirmen. Das wird ein Hochgenuss. Darauf freu ich mich schon. Was da herauskommen wird, hätte natürlich niemand voraussehen können. Und die Partei-Vorsitzenden von SPD, der karrieregeile Klingbeil, und der König der Umfrageergebnisse, Merz, kamen fünf Minuten vor Schließung der Wahllokale. Es hat sich trotzdem gelohnt. Für die AfD.

¹Herbert Wehner, SPD-Politiker der frühen Jahre in der BRD. Wer mehr über ihn erfahren will (es lohnt sich): https://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Wehner

Zeitenwende

Und wieder mal fällt es mir auf, dass mir seit ewig nichts mehr einfällt. So ein Einfall ist ja immer ein Zufall. Es hängt von irgendeinem Vorfall ab. Von einem völkerrechtswidrigen Überfall zum Beispiel von Putin oder Trump, oder einem Fall wie z.B. von diesem... diesem Jens Spahn, der endlich, endlich zurückgetreten wurde. Wie gesagt, das ist alles von Fall zu Fall verschieden, aber mir ist immer etwas eingefallen. Je nach der Bedeutung des Falles etwas Lustiges, etwas Trauriges, etwas Ironisches oder Satirisches oder Albernes, irgend etwas jedenfalls, das bei dem einen Leser oder einer anderen Leserin einen Lachanfall ausgelöst hat.

Gestern Nacht nun, bei einem klimawechselig wilden Gewittersturm und prasselndem Regen über Köln, wachte ich auf, um halb vier rum. Und hatte ganz plötzlich eine Idee, zu welchem Thema ich etwas schreiben könnte.  Eine ganze Zeit lang lag ich wach und dachte bereits über Formulierungen nach, wusste, über wen ich mich besonders lustig machen oder wem ich mit dem Satirehämmerchen eins überziehen konnte. Ich war begeistert. Dann wurde ich wieder müde. Erst dachte ich noch daran, ein paar Stichworte aufzuschreiben, vor allem das Thema, aber dann versicherte ich mir, das wüsste ich alles morgen früh garantiert noch.

Ja, denkste. Nichts mehr fiel mir ein, als ich nach dem Frühstück den Laptop aufklappte und eine neue Seite aufschlug. Nichts, außer den sich häufenden Situationen, in denen ich etwas vergessen habe. Das übliche  Beispiel: ich gehe in die Küche, um mir einen Espresso zu machen, und als ich vor dem Herd stehe, weiß ich nicht mehr, warum ich jetzt hier bin. Oder mir fällt der Name des Schauspielers in der Hauptrolle eines meiner Lieblingsfilme ("Spiel mir das Lied vom Tod") nicht ein. Schlimmer: ich hab den Termin bei meinem Kardiologen vergessen. Und vorgesehen war eine wichtige Untersuchung meines Herzens, und den nächsten Termin kriege ich garantiert erst in zweieinhalb Monaten.

Jaja, schon gut! Wem immer ich das erzähle, auch Leuten um die fünfzig rum oder noch jünger, stets kommt die Antwort: Reg dich ab, Ekkes, mir geht es genau so. Das ist doch ganz normal, wenn man alt wird! Das ist zwar beschissen, aber das ist nun mal so, da kannste nix machen dagegen. Ein guter Freund, der anonym bleiben will, hat mir erklärt, das sei auch der Grund für die Politik von dem Trump. Der wisse heute nicht mehr, was er gestern gemacht und gesagt habe. Deswegen mache er oder sage das Gegenteil. Und sei es noch so was Dummes oder Albernes, das er wiederum ja morgen schon vergessen hat. Letztes Beispiel der Irankrieg. Schrecklich! hab ich gedacht. Wenn der katastrophale Zustand der Welt von einem Irren abhängt. Oder einem schwerst Kranken.
Noch was zum Thema Trump: In den "Blätter für deutsche und internationale Politik" (5/2026, S.53 ff.) war wieder ein besonders interessanter Artikel zu lesen. Zwei nordamerikanische Professoren erklären Trumps Politik mit dem einzigen oder zumindest einem ganz wichtigen Ziel: Geld zu scheffeln für sich und seine Familie und seine Kumpane. Als "Zeitalter der Kleptokratie" beschreiben sie die Politik, die Trump betreibt. Und nicht nur er.

Ein wunderschönes Ereignis hat mir vor kurzem besonders viel Freude gemacht, ich hab es eingangs schon erwähnt: dass die ganzen Spahn-Ferkeleien des peinlichen Kunstvaters die längst fällige Konsequenz hatten. Da hätte der Kanzler sich doch ebenfalls gleich zurücktreten können, bei diesen Zustimmungswerten. Er hat sich ja mächtig geirrt mit seiner großspurigen Selbst-Beweihräucherung, dass er die AFD halbieren könne, sobald er Kanzler wäre. Jetzt ist er Kanzler, und die AfD hat sich verdoppelt und wird als stärkste Partei in den Landtag von Sachsen-Anhalt einziehen. Der einzige Trost ist, dass es bei der AFD keinen Hitler gibt. Sonst könnte wirklich eintreten, was immer mal wieder gemurmelt wird, hinter mehr oder weniger vorgehaltenen Hand. Dass nämlich die gegenwärtige Situation der Lage in den dreißiger Jahren gleicht, in denen die Nazis zur Macht kamen.

Was mich mehr und mehr beeindruckt: wie unsere Gesellschaft kriegstüchtig wird. Nicht zuletzt durch ganz viele auch als seriös eingeschätzte Zeitungen, die diese Stimmung mit Artikeln und Kommentaren verstärken. Oder mit diesen Werbespots vor der Tagesschau, in denen das schöne Leben als Soldat(in) farbenfroh geschildert wird. Bis ungefähr in zwei Jahren wären wir so weit, meint der immerfröhlich so darauf losmarschierende Pistorius. Wie weit? Dass wir von Russland angegriffen würden? Und dass es doch vielleicht besser wäre, aus Präventivpanik vorher selbst anzugreifen? Dazu aber reicht die gegenwärtige deutsche Soldatenmenge nicht. Da muss einfach mehr passieren. 

(ein schönes Beispiel, das ich soeben in der ZdF-Sendung heute sehen durfte (25.8.26, 19 Uhr): der VW-Konzern denkt ja darüber nach, das heißt natürlich die Leitungsebene des Konzerns überlegt u.a., ob man vielleicht 100 000 Mitarbeiter/innen entlassen muss. Ja, und dann? Wohin mit denen!? Der Wirtschaftsfachmann des Senders spricht es in der Sendung aus: die könnten vielleicht in der Rüstungsindustrie gebraucht werden. Ja klar! Und es dauert bestimmt nicht lange, dann hat der Pistorius eine weitere gute Idee...)

Was tun? Ich wirke unverständlich gelassen angesichts all dieser Entwicklungen? Mag sein. Obwohl ich Trump und seine Bande noch gar nicht erwähnt habe. Der finanzgeile und irrationale (und viel davon echt irre) US-Präsident kann die kommenden Midterm-Wahlen noch immer gewinnen. Die zunehmenden Oppositionszeichen sind zwar erfreulich und geben ein bisschen Hoffnung, dass etwas anderes rauskommt. Und dann? Greift der Psychopath zum Militär? Oder ergrabschen seine Nachfolger die Macht, Vance und Hegseth und Rubio und Kennedy und all die anderen gesichert Rechtsradikalen? Weil man in diesem Job so einfach reich werden kann. Muss  nicht gleich sein wie bei dem Musk, dessen Vermögen um Millionen zunimmt. Täglich. Richtig: der Mann arbeitet ja auch von morgens bis spät in die Nacht. Anders als so viele Menschen bei uns im Lande, die einfach faul in der Sonne auf der Grundsicherung herumliegen. Darunter auch noch so viele Migranten! Welche unser Kanzler Fritze Merz völlig zu Recht beschimpft, wo er doch selbst mit gutem Beispiel vorangeht. Geschätzte 12 Millionen hat auch er sich mit mühevoller und schweißtreibender Arbeit verdient. Bitte? Ja klar, ich bin ja bloß neidisch.

Sodele, jetzedle. Mit diesem Aufschrei oder verlegenen Flüstern wird, so hat man mir vor vielen Jahren erzählt, in Schwaben der Orgasmus begrüßt. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Was ich weiß: dass auch ich jetzt so langsam zu einem Schluss kommen muss. Statt wie so viele andere politische Comedissidenten herumzublödeln und damit die Zeit zu vertun; statt so richtig auf die Kacke zu hauen und den Zuschauern um die Ohren zu schlagen wie kürzlich DIE ANSTALT; statt die vielen verschiedenen Demos und Ostermärsche durch meine Anwesenheit durchschlagkräftig zu machen; statt klare und enthüllende Texte zu verfassen, unter Einbeziehung der vielen, ja doch bekannten Fakten und Gefahren in dieser Welt; statt dessen... tja, was stattdessen? Was soll ich machen, was kann ich machen? Genau: Nichts. Das mach ich ja auch schon, hier ist so eines. Und ein Lied, das ich vor etwa anderthalb Jahren geschrieben habe. Und auf den Shitstorm warten, der mir demnächst ins Gesicht haut.
Frei sein

Tausend Jahre Größenwahn. Am Ende totes Land.
Ein Schwur: nie mehr Faschismus, nie mehr Krieg.
80 Jahre später Hakenkreuze an der Wand,
die AFD bei Wahlen Sieg um Sieg.
Immer neue Kriege Geld und Gier und Geiz und Hass
in der Welt und in der Bundesrepublik.
Ich bin ratlos, was ich tun kann, seit es wieder einmal heißt:
Wir müssen tüchtig werden für den Krieg.

Frei sein heißt auch gar nichts tun, wenn all mein Tun nichts bringt.
Nichts tun ist nichts wert, doch es befreit
Leben ganz im hier und jetzt, solange es noch geht
Wer weiß, wie schnell regiert auch hier Gewalt
und diese ganze Verlogenheit.

Ob in München oder Stuttgart, ob in Frankfurt oder Köln
es ging rund, und manchmal auch im Kreis.
50 Jahre Kampf im Traum von einer bess'ren Welt.
Spott und Mitleid oft genug der Preis.
Endlich Abschied von der Illusion und mich besonnen
auf den hohen Wert rebellischer Geduld.
Und ich gehe von der Bühne und ich gehe durch den Vorhang 
und ich fühl mich frei von Scham und frei von Schuld.

Frei sein heißt auch gar nichts tun, wenn all mein Tun nichts bringt.   Nichts tun ist nichts wert, doch es befreit 
Leben ganz im hier und jetzt, solange es noch geht 
Wer weiß, wie schnell regiert auch hier Gewalt 
und diese ganze Verlogenheit.

(Musik von Kris Kristofferson "Me and Bobby McGee")

Wessen Krieg?

Das ist nicht unser Krieg. Sagt Merz, sagt Klingbeil, sagt Pistorius. Wir lernen: Das ist nicht mein Krieg. Das ist nicht dein Krieg. Das ist nicht sein/ihr Krieg. Das ist nicht unser Krieg. Das ist nicht euer Krieg. Das ist nicht ihr Krieg.

Schon gut, schon gut. Aber wessen Krieg ist es denn dann? Klar: es ist der Krieg von Trump. Es ist der Krieg von Netanjahu. Die beiden haben ihn angefangen. Und versprochen, er sei in ein paar Tagen zu Ende. Wenn die Ziele erreicht seien: Befreiung des Iran von seiner Regierung. Die Öffnung der Hormus-Straße. Die Auslöschung der Hisbollah. Das war vor acht Wochen. Alle Ziele wurden vollständig erreicht. Bekanntlich. Außer der Auslöschung eine ganzen Zivilisation. Trump hatte damit gemeint, der Iran läge südlich von Kenia.

Wie schön! Bravo und Glückwunsch, ihr beiden völkerrechtslosen Kriegshelden. Und wie geht's jetzt weiter? Bitte? Wieso verhandeln? Es gibt doch nichts mehr zu verhandeln. Außer vielleicht, wie man die beiden Großmäuler von Washington und Jerusalem vor ein internationales Gericht bringt und dann für nicht zu wenige Jahre in ein Gefängnis.

Die weitere Frage: was ist denn unser Krieg? Und wann findet er statt? Und woher kommt er, wer erklärt wem denselben? Wieder der Gröpraz? Der etwas braucht, um von den Epstein-Verbrechen abzulenken, und seine Verwicklung darin? Und von Netanjahu, der was braucht, um zuhause nicht vor Gericht zu landen?

Ja, ich weiß, ich weiß: auch wir müssen tüchtig werden für den Krieg. Das wissen wir schon seit einem Jahrhundert. Zur Verteidigung natürlich, nur zur Verteidigung. Gegen den immer gleichen Feind: Russland. Und wenn die Herren im Weißen Haus und der Knesset uns helfen, indem sie sagen: ja, dieser euer Krieg ist auch unser Krieg. Weil sie nicht gerade beschäftigt sind damit, Milliarden an Geld und Bomben und Drohnen auf irgendein neues Ziel zu schmeißen. 

Nein, verdammt nochmal! Ich bin kein Antisemit! Ich bin nur gegen eine Regierung, die Gaza dem Boden gleich gemacht hat und immer noch dort herumbombt. Nein, verdammt nochmal, ich habe den Holocaust nicht vergessen!! Und ich bin gegen einen Mann, der mit einem gigantischen Monument auf ewig dafür geehrt werden will, dass er die demokratische USA in einen autoritären Staat verwandelt. Mit sich als geisteskrankem Diktator. 

Nein, ein Krieg mit Russland, auch das wäre nicht mein Krieg. Auch das wäre nicht dein Krieg, denke ich. Und Herr Bundeskanzler,  Herr Vizekanzler, Herr Kriegsertüchtigungsminister sagt es bitte auch, so laut und klar wie gerade eben: Auch das wäre nicht unser Krieg. Wie es der Schwur nach 1945 knapp und klar formulierte: Nie mehr Faschismus - nie wieder Krieg!

PS: Unter den ständig neuen Informationen, die die klare Sicht auf die Realität oft aussehen lassen wie der Himmel voller Saharastaub, gibt es eine, die schön hierher passt. Unser Herr Bundeskanzler hat mehrfach erklärt, einen eventuellen Beitrag zu leisten, wenn der Schutz der Hormusstraße militärisch gesichert werden muss. Eine Frage: wird dieser Krieg dann nicht auch unser Krieg?



Tüchtig für den Krieg

Jede neue Trumpidiotie weckt neue Ängste. Zuletzt dieser völkerrechtswidrige Angriff auf den Iran. Einer der Gründe dafür, wenn nicht sogar der wichtigste, ist die Geldgier des gegenwärtigen Führers der USA. Dieses Kriegsverbrechen bringt wieder ein paar Milliarden auf seine Konten. Für ein paar Bestechungen oder Beschwichtigungszahlungen ist zwar jetzt schon genug drauf. Aber um das heimliche Ziel des US-Gröpraz zu erreichen, fehlt noch ein bisschen was. Er will unbedingt den derzeit reichsten Menschen der Welt, Egon Musk, überholen. Da braucht es halt noch einige Kriege und Machtergreifungen oder was sonst auch immer in anderen Ländern. Nicht nur in den Öl- oder Energiereichen. Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist. Zum Beispiel, bei einem hypothetischen Angriff auf Luxemburg 50 Millionen. Mir würde das schon zwei Monate zum Leben reichen. So richtigen Reichen reicht das ja nicht. 

Mich hat dieser Irankrieg total erschreckt. Wohin flüchte ich denn, wenn Sirenen verkünden, dass der "Ami" kommt oder was wir Deutschen seit ewigen Zeiten fürchten, "der Russ"? Wo finde ich Schutz? Wie in der Ukraine in einer unterirdischen U-Bahn-Haltstelle? Die nächste ist 6 km entfernt. Google MAPS rechnet bis da hin zu Fuß 1 Stunde und 23 Minuten. Mit dem Auto immer noch eine Viertelstunde. Und die Bundesregierung geht heutzutage im Falle von Raketen- und Drohnenangriffen mit deutlich verkürzten Vorwarnzeiten aus. Ich sag mir: vergisses!  

Dann habe ich mich gefragt, was unsere Regierung mal wieder (sich) leistet. Getreu der Pistorius-Aufforderung: "Wir müssen kriegstüchtig werden." Die Regierung tut was. Nicht nur diese Manöver der Bundeswehr, jetzt ausgedehnt auf das ganze Jahr. Nicht nur ständig neue Milliarden im Etat dafür bereit zu stellen. Dafür den Sozialbereich kürzen. Nicht nur im Verlegen von deutschen Soldaten in andere Staaten. Aktuell ist die Bundeswehr ja schon in 10 Einsätzen aktiv, zum Beispiel im Kosovo, im Südsudan, in der West-Sahara und im Mittelmeer etc.. Klar, "Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt." Ex-Verteidigungsminister Struck wusste das schon vor einem guten Vierteljahrhundert. 

Aber auch wir alle müssen lernen. Sehr wohl, Herr Kriegsertüchtigungsminister! Dafür werden uns ja auch schon Kurse angeboten, selbst vom Roten Kreuz. Ich finde im Internet: Die Diskussion um die „Kriegstüchtigkeit“ der Gesellschaft umfasst auch die Frage, inwieweit zivile Strukturen, einschließlich des Gesundheitssystems und Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz, auf Krisen- oder Kriegsszenarien vorbereitet sein müssen. An anderer Stelle: "Kriegstaugliche" Kurse gibt es in verschiedenen Bereichen, von der militärischen Spezialausbildung (z.B. Gebirgskampf) über zivile Krisenvorsorge-Trainings (HEAT, Survival-Kurse für Journalisten/ Privatpersonen) bis hin zu medizinischen Fortbildungen für den Ernstfall (Massenanfall von Verletzten) und Friedensarbeit-Trainings, die alle auf das Überleben, den Umgang mit Gefahren in Krisengebieten und die Stärkung der Resilienz abzielen, um in extremen Situationen handlungsfähig zu sein, Vorbereitung auf Massenanfälle von Verletzten (MANV) und Entscheidungsfindung im  
Kriegsfall. 

Außerdem hilft ein ZdF-Artikel vom 17.01.2026. Die Autorin fragt, als hätte sie meine Sorgen geahnt: Wo Schutz suchen im Ernstfall?  Und klärt mich auf: Bunker!! Ja prima! Aber: Deutschland hat zu wenig Bunker. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (https://www.bbk.bund.de) macht sich mächtig Sorgen. Es gab ja mal Bunker, jeder weiß, in welchen Zeiten und wofür. Rund 2.000 Stück waren es. Aber immer mehr wurden stillgelegt. Weil man dachte, ach, die brauchen wir doch nicht mehr. Ja, denkste! Aktuell verzeichnet die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) noch 579 öffentliche Schutzräume mit etwa 478.000 Plätzen. Für mehr als 80 Millionen Deutsche. Voll einsatzfähig ist laut BImA aber kein einziger. Das Innere des Zivilschutzbunkers aus den Sechsiger Jahren in HalleSaaleUnd man weiß, wie lange es dauert, von der Zeit der Planung bis zur Fertigstellung. Und wieviel weniger dann fertig ist. Dazu als Beispiel: 400.000 Wohnungen sollten 2004 gebaut werden. 252.000 wurden fertig. Übrigens, auch das wusste ich nicht: man kann auch privat einen Bunker bauen. Nicht nur in den USA, wo Superreiche das schon haben oder planen: Mark Zuckerberg (der hat als Ort Hawaii ausgesucht), Peter Thiel, Sam Altman, Jeff Bezos. Kosten pro Prunkstück: um die 3,5 Millionen €. Ja, gewiss, zu teuer. Aber wenn jemand hierzulande gerade mal so 40.000 € auf seinem Konto rumliegen hat: dafür gibt's schon private Bunker. Und spezialisierte Unternehmen haben sich auf den Bunkerbau eingerichtet. Wie zum Beispiel in http://schutzraum-zentrum.de. Da findet man tolle Angebote! Und da reicht ja nicht ein großes Loch im Boden. Ein Bunker soll schon was hermachen. Ulrike Mohrs (CDU), die im Deutschen Städtetag dem Ausschuss für Katastrophenschutz vorsitzt,  fordert, dass klar festgelegt werden muss, welche Kriterien die Räume erfüllen müssen, damit die Kommunen mit dem Bau loslegen können. "Da muss es darum gehen, dass entsprechend Feldbetten vorhanden sind, Sitzgelegenheiten vorhanden sind, ist ggf. eine Toilette vorhanden, was muss an Vorräten da sein, um dann auch den Schutzraumcharakter zu erfüllen". Eine Toilette für Männer und eine für Frauen doch bitte! 

Man sieht: wir Deutschen müssen lernen, dass unsere weltbekannte Tüchtigkeit (auch wieder) auf dem Gebiet der Kriegführung gelten muss. Das haben noch nicht alle so recht verstanden. Leider. Ich hoffe, ich konnte ein bisschen dazu beitragen. 

 

Nichts war weg.

Hurra, Halleluja! Nichts war verschwunden, jetzt ist nichts wieder da! Mehr als sechs Monate mussten wir alle, Männer und Frauen, Jungs und Mädchen, Linke und Rechte und vor allem ich auf nichts verzichten. Warum? Ein technisches Problem. Sagt sich so leicht. Und beantwortet alle weiteren Fragen.  Wie derzeit nicht nur bei der Deutschen Bahn, sondern auch bei der Kölner S-Bahn. "Der nächste Zug der Linie 6 hat 60 Minuten Verspätung... Der nächste Zug der Linie 11 fällt aus... Der übernächste Zug fährt nur bis Hansaring...Nehmen Sie doch einfach ein Taxi". Schuld ist jedes Mal ein technisches Problem. 

Auch für das Verschwinden von Nichts gab es garantiert ein technisches Problem. Wie oft habe ich in diesen Monaten daran gedacht, schade, darüber könnte ich doch jetzt ganz schön was schreiben: was der Trump da wieder geliefert hat, oder wie sich der Merz blamiert hat, oder was für ein unsympathisches Dickerchen der Klingbeil geworden ist... oder was der Jens Spahn schon immer war... oder überhaupt noch nie... oder was der Lindner fälschlicherweise zu sein glaubt. Wundervolle Themen, um etwas darüber zu schreiben. Aber nichts war weg.

Aber jetzt habe ich mein nichts wieder. Und zu was für einem schönen Zeitpunkt. Pünktlich zu einer Zeitenwende. Die letzte hatten wir 2022 im Februar in der Rede von dem zumindest historisch begabten Bundeskanzler Olaf Scholz. Nach dem Überfall von Russland auf die Ukraine. Jetzt 2026, nach dem Überfall der USA auf Venezuela hat... Nein, Bundeskanzler Merz hat nicht von einer Zeitenwende geredet. Der sieht wahrscheinlich gar keine Zeitenwende. Der denkt noch, ob er warten soll, bis Trump seine ICE nach Deutschland schickt, um in den Großstädten Demonstrationen gegen die AfD aufzulösen und ihre Organisatoren nach New York zu bringen, vor Gericht. Aber auch dann wird Merz wieder sagen, das sei äußerst komplex, er wolle erst mal mit Trump telefonieren, aber bisher sei er nicht durchgekommen, es werde immer gleich aufgehängt. Das ist übrigens nicht der einzige Komplex von Merz.

Dann rede eben ich von einer Zeitenwende. Was heißt das überhaupt, Zeitenwende? Das Internet antwortet: Zeitenwende beschreibt einen fundamentalen Wandel oder den Beginn einer neuen Ära in der Geschichte, der tiefgreifende Veränderungen bewirkt. Genau. Nicht nur Putins Verbrechen durch den Überfall auf die Ukraine, auch was Donald Trump uns alle paar Tage beschert, ist ein fundamentaler Wandel der Politik der USA. Weg von der Demokratie, die seit 250 Jahren bestand, hin zu einer Autokratie, weiter zu einer Diktatur. Ganz offen und öffentlich, die einzelnen Schritte tanzt Trump der Welt vor. Und Europa tanzt mit. Da will keiner aus der Reihe tanzen. Viele Kommentatoren und Leitartikler sehen das und sind, naja, nicht gleich begeistert, aber doch überzeugt. Weil das eben wieder mal alternativlos sei, so wie das ja Kanzlerin Merkel oft für einzelne Schritte ihrer Politik erklärt hat. Allenfalls wenn ein ICE-Gangster in Minneapolis eine junge Frau abknallt und Trump ihm dafür den Titel "Held" verleiht; oder wenn Trump den Staatschef von Venezuela von seinem Militär kidnappen lässt und dabei rund 100 Menschen gekillt werden; oder wenn er seine gierigen Wurstgeldfinger nach Grönland ausstreckt, und dabei mit Krieg droht - dann gibt es schon mal den einen oder anderen gedruckten oder gesendeten Aufschrei. Aber nur ein paar Tage lang. Weil dann Trump ja schon die nächste Schweinerei liefert. Wo man schnell wieder überlegen muss, ob man aufschreien muss oder ob das vielleicht auch wieder komplex ist.

Apropos Zeitenwende. Wir haben in der BRD auch eine. Wenn mir jemand in den sechziger oder siebziger Jahren vorausgesagt hätte, was heute ganz real ist, ich hätte gesagt: ja, gut, beziehungsweise verdammt schlecht, die NPD hat es zwischen 1966 und 1969 in 11 Landtage geschafft. In Baden-Württemberg 1968 sogar mit 9,8 %. Aber in den Bundestag kam sie nie, vor der Neuvereinigung. Auch andere rechtsradikale Parteien nicht, die Republikaner zum Beispiel. Und heute? Mit 20,8 % zieht die AfD in den Bundestag ein. Die AfD ist die größte Opposition. In den letzten Wochen haben sich die CDU/CSU und die AfD im Wechsel auf dem ersten Platz in den Umfragen abgelöst. Diese AfD - offenbar muss immer hinzugefügt werden, "die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft wird"; so kann der Autor oder die Autorin immer erklären, sie selbst hätten ja nur zitiert und nicht ihre eigene Meinung zum Ausdruck gebracht - dass diese AfD also bei der nächsten Bundestagswahl an die Regierung gerät, kann man nicht mit Sicherheit ausschließen. Wenn das keine Zeitenwende ist...
                                  ***

Zum Abschluss für heute noch etwas eher lustiges: so ähnlich wie zurzeit hatten wir auch 1978 eine Wirtschaftsflaute. Und auch damals versicherte die Bundesregierung (das Kabinett Helmut Schmidt), sie tue alles, um ganz schnell für den Aufschwung zu sorgen. In meinem Bühnenprogramm hatte ich damals ein Lied dazu, der Text:

Ob er aber über kurz oder lang,  
ob er aber über lang oder kurz,
aber überhaupt ned kommt is ned gewiss.

Die Musik dazu hatte ich mir ausgeliehen von dem schönen bayerischen Liadl "Oba aba üba Ommerammergau, oba üba Unterammergau, oba aba überhaupt net kimmt, is ned gewiss". 
Mit meinem Text hören kann man das auch heute noch. Auf meiner LP "Du lässt dich gehn, ach...", damals lange Zeit mein Spitzenreiter und beim Publikum. Bei ebay ist sie noch mehrfach zu kriegen. Da sind auch andere schöne Lieder drauf, zum Beispiel "Mensch Mädchen". Oder "Artikel 12 GG".

 

2024 – welch erfreulicher Beginn mit Nichts und wieder Nichts

 Ein Hoch auf das Nichts

MEINUNG Von Christoph Schwennicke  BILD 26.12.2023 – 11:30 UhrLesedauer: 3 Min.

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Danke, danke, tausend Dank, Christoph! Besser hätte  das 2024 nicht beginnen können für mich. Lange Jahre hab ich darauf warten müssen. Endlich findet sich einer, der mich und meinen Blog NICHTS versteht. Und das ausgerechnet in BILD. Und wo BILD Recht hat, hat BILD recht. Doch! Echt! Ich erinnere mich da z.B. an einen weiteren Artikel, das war im Jahr 19..  äh, mit der Überschrift… äh, Moment! und dem Inhalt… weiß ich leider auch nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass die Story vielleicht nicht völlig gelogen war.

Das macht Mut. Das motiviert zum Weitermachen. In einer Zeit, wo selbst Fußballer für sich und eine wohlriechende Seife gegen Fußpilz werben, braucht es hochqualifizierte Werbeagenturen, um auf dem Markt  nicht völlig unterzugehen. Großartig innovativ zum Beispiel der Clip, der eine Dame auf dem Klo sitzend präsentiert. Kennen Sie bestimmt. Das muss man doch sofort nachmachen! Auch für NICHTS muss also geworben werden. Von mir natürlich. Bisher hab ich nur eine sparsame Adressenliste. Aber jetzt, mit diesem Hoch auf meinen Blog, hab ich gewonnen. Von den Millionen BILD-Lesern werde ich doch bestimmt 70 oder 83 neu dazugewonnen haben. Das reicht doch für den Anfang!

Bitte? Reicht nicht? Wieso denn nicht? Ach so, bei den Zählmarken für die Verwertungsgesellschaft VGWORT fehlen noch Buchstaben. 517 „Zeichenanzahlen“. Sonst wird der Text nicht verwertet, ich weiß, ich weiß. Deshalb muss ich immer schwafeln. Wie Kanzler Scholz vor Mikrofonen. Anders geht das nicht.  Deshalb bemühe ich so viele Sonderzeichen wie nur irgend möglich. Nicht nur Ausrufezeichen oder die ganzen Satzzeichen überhaupt. Sondern auch  !“§$%&/()=? Oder @€. Oder Zahlen. Oder vielleicht auch Noten. Oder Börsen- und Mediziner-Hyroglyphen. Ob das schon reicht? Ich schau mal nach.

JAAA! Es reicht! Also dann schnell Schluss, ehe noch was anderes erfunden wird, was das Veröffentlichen von Texten komplizierter macht. Zum Beispiel die notwendige Genehmigung einer neuen Satire-Bewertungs-und-Freigebungs-Bundesbehörde mit Sitz Balderschwang.

Bis zum nächsten NICHTS also auf wiederlesen. Mit neuer Freude und Begeisterung. Und nochmal danke, Christoph! Ein Hoch zurück!

Was Satire darf

In diesen Zeiten, da außer dem Überfall von Putin auf die Ukraine, dem neuen Krieg im Nahen Osten, der ungeklärten europäischen Migrationspolitik, der weiterhin schwächelnden deutschen Wirtschaft, dem katastrophalen Zustand der Deutschen Bahn, dem Gesundheits – und dem Bildungswesen und dem Fußball ein weiteres Thema die Diskussion bestimmt, dessen Wichtigkeit nur wenigen bewusst ist: was Satire darf. Was nur wenige wissen übrigens, ist, wie viele deutsche SatirikerInnen es gibt. Ein Aufruf im Internet unter „Politische Satiriker lässt “ staunen. Auch darüber, wer alles darunter fällt: Trump, Netanjahu, Baerbock und Kubicki. Die Bildreihe hier rechts gibt nur einen klitzekleinen Auszug wieder, es sind insgesamt 17 weiterer mit solchen Bilderreihen. Da reizt es mich irgendwie, in dieser Debatte auch meinen Senf dazu zu geben.

Was Satire ist und darf ist seit langer langer Zeit eine immer neu gestellte und neu beantwortete Frage. Auch wenn sie im Grund genommen immer auf die gleiche Antwort hinausstolpert, die Tucholsky mit „alles“ beantwortet hat. Das aber ist falsch. Satire darf eben nicht alles. Gerade schäumt wieder die Diskussion auf mit bösen Beiträgen von all jenen, die mit diesem alles nicht leben zu können behaupten, sondern im Gegenteil erklären, dass Satire eben nicht alles darf. Und dass es ja eine linke Satire gibt, eine rechte und weiß der Geier was noch für eine. Außerdem gibt es gerade Zoff zu diesen Themen unter den SatirikerInnen selbst.

Ehe ich mich nun traue, den vorhandenen Erkenntnissen dieser Kunstform (als die sie immerhin zumeist anerkannt wird) eine weitere kluge Analyse aufzuzwingen, möchte ich einfach einen Vorschlag machen, der dann dem ganzen Streit ein Ende bescheren würde. Es geht um nichts anderes als das, was in „dissemm unsrem Lannde“ (Helmut Kohl) immer als Lösung angeboten wird, wenn sonst nichts mehr hilft: um ein Gesetz. Hier ein paar erste Vorschläge dazu, wie das aussehen könnte.

Satire unter Berücksichtigung des Grundgesetzes und der Wertung der verschiedenen gesellschaftlichen Strömungen in der Bundesrepublik sowie der Kirchen (SBGWvegeStBRDKi)

§ 1. Definition

Satire ist alles, was seit Jahrhunderten als solche begriffen und angewendet wird, jedoch in unserer Zeit einer neuen Definition bedarf. Satire ist nicht alles, was als solche bezeichnet wird. Da hierin außerdem meist eine gewisse Ironie liegt, wurde ein neuer Begriff solcher Personen gefunden, die ggflls Satire mit Ironie vereinen.

§ 2. Solche Personen werden ab jetzt als Satironiker bezeichnet. Ein Ausbildungsweg mit Diplom-Abschluss wid derzeit noch entwickelt. Ohne diesen Nachweis ist keiner bzw. keine bzw. keines zur Verfassung einer sogenannten angeblichen Satire berechtigt. Zuwiderhandlungen werden mit dem Verriss ihrer Text in allen öffentlichen Medien belegt. Die sozialen Medien müssen diese Texte als asozial behandeln.

§ 3. Satironiker befassen sich mit der Beschreibung und Kritik an Personen, Zuständen politischer, gesellschaftlicher, religiöser, wirtschaftlicher, sportlicher, sexueller, philosophischer oder überhaupt ganz allgemeiner Natur. Reine Unverschämtheiten oder Beleidigungen gelten nicht als Satire. Die Bewertung eines entsprechenden Textes obliegt einer noch zu schaffenden Satiredefinitionsstelle in den jeweiligen Bundesländern. Gegen deren Entscheidung kann beim Bundesdefinitionsgericht Berufung eingelegt werden.

§ 4. Satironiker haben bei der Verfassung ihrer Texte folgende Fragen zu berücksichtigen:

a. Was ist Satire?

b. Was darf Satire? Was darf Satire nicht? Warum nicht?

c. Wem nützt Satire? Wem schadet sie?.

d: Welche Haltung hat die jeweilige Satire?

e. Will die Satire das Empfinden betroffener Personen, Organisationen, Parteien, Vereinen oder Verbänden verletzen, hat sie sich eine Genehmigung bzw. beglaubte Billigung einzuholen und dem Text als Anhang beizufügen.

§ 5. Verstößt die Satire gegen dieses bzw. gegen irgendein sonstiges Gesetz wird sie sofort aus dem jeweiligen Verkehr gezogen, d.h. weder gedruckt noch gesendet noch gemailt, noch geXt, noch gepostet noch potgecasted oder sonstwie der Öffentlichkeit zugemutet. In besonders schweren Fällen werden der jeweilige Autor bzw. die betreffende Autorin oder wer sonst auch immer mit Geldstrafen belegt.

§ 6. Einzelheiten regeln die noch in Arbeit befindlichen Anhänge (ANHä) bzw. Durchführungsverordnungen (DFVO).

Ich bin sicher, dass zum Erlass eines solchen Gesetzes die Einigung von Bund und Ländern längst nicht so lange dauern wird wie die gerade stattgehabte Sitzung von Bund und Ländern mit dem Ziel einer Neuregelung des Migrationswesens, besonders der Asylfrage. Auch beim SBGWvegeStBRDKi wird zum Abschluss von Bundeskanzler Olaf Scholz die Feststellung nicht vermieden werden können, dass es sich hier um einen „historischen Moment“ gehandelt habe, an welchen er sich immer gerne und unaufgefordert erinnern können werde, trotz seines inzwischen bekannten und anerkannten schweren und unheilbaren Gedächtnisverlustes.