Armes Deutschland

Nun haben wir endlich wieder eine Bundesregierung. Und was für eine! Da gibt es unendlich viel zu tippen, auszustrahlen oder stammzutischlern. Mir fällt dazu wieder mal NICHTS ein. Zum Beispiel: der neue Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich gerade zum Thema Armut in Deutschland geäußert. Da kennt er sich aus. Mit Hartz IV, so meint er, hat "jeder das, was er zum Leben braucht". Und weiter: "Hartz IV bedeutet nicht Armut, sondern ist die Antwort unserer Solidargemeinschaft auf Armut", so der CDU-Politiker. "Wir haben eines der besten Sozialsysteme der Welt." Die gesetzliche Grundsicherung werde genau bemessen und regelmäßig angepasst. "Mehr wäre immer besser", räumt Spahn ein. "Aber wir dürfen nicht vergessen, dass andere über ihre Steuern diese Leistungen bezahlen."

Eben! Du und ich, wir zahlen diesen ganzen Hartz IV-Empfängerinnen und - Empfängern schließlich 416 Euro pro Monat. Und das ist bloß der Regelbedarf! Neben dem Regelbedarf werden nach § 22 Absatz 1 SGB II die tatsächlichen Kosten der Unterkunft und Heizung anerkannt, soweit sie angemessen sind. Das ist doch total toll, oder? Der Herr Spahn hat mit seinen 15.311 Euro pro Monat auch das, was er zum Leben braucht. 

Man darf bei alledem auch nie vergessen, dass wir in einem Land voller Demokratie leben, in dem jeder das werden kann, was er will. Wie schon Anatol France es formulierte: "...unter der majestätischen Gleichheit des Gesetzes, das Reichen wie Armen verbietet, unter Brücken zu schlafen, auf den Straßen zu betteln und Brot zu stehlen." Man muss sich allerdings schon ein bisschen Mühe geben. Wie der Herr Spahn, eben. Dann könnte jeder Hartz IV-Bezieher schließlich auch Bundesgesundheitsminister werden. Und dann bekämen er oder sie ebenfalls monatlich 15.311 Euro von uns Steuerzahlern. 

Also kurz gesagt, er hat völlig Recht, der neue Herr Bundesgesundheitsminister. Dass Hartz IV eben nicht Armut bedeutet. Weil wir eines der besten Sozialsysteme der Welt haben. Hochqualifiziert, der Mann! Kein Wunder, dass er bereits als möglicher Bundeskanzler im Gespräch ist. Wenn Angela Merkel das mal nicht mehr ist. Also nach 2025 vermutlich. Und kassiert ab dann 18.820 Euro, pro Monat, von unserer Solidargemeinschaft. Damit auszukommen ist dann endlich auch kein Problem mehr, selbst für den Herrn Spahn. Weil ja mehr immer besser ist.

Ach, und noch etwas: der Bund muss ja auch sparen. Denn die bei Bund und Ländern im Haushaltsjahr 2017 eingegangenen Steuereinnahmen betrugen bloß 674,6 Milliarden Euro. Warum? Nun, durch die Abgastricks der Autohersteller verlieren EU-Staaten laut einer Studie Steuereinnahmen in Milliardenhöhe. Allein Deutschland sind demnach 2016 bei der KfZ-Steuer knapp 1,2 Milliarden Euro entgangen. Berichtet tagesschau.de heute, am 10. März 2018 (nebenbei: "Abgastricks" ist eine böswillige, polemische Verzerrung der vernünftigen Steuerersparnisse angesichts der traurigen Finanzlage der Autohersteller!). Die Zahl der Menschen, die Hartz IV-Gelder empfangen haben, betrug 2017 insgesamt 4.363.102. Da kann sich doch jeder ausrechnen, dass für die Arbeitslosen einfach nicht mehr drin ist, wie der Herr Spahn das so richtig festgestellt hat. Auch wenn mehr immer besser wäre.

Armes Deutschland! Aber echt!
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Ceterum censeo Machismum esse delendum. (frei nach Cato dem Älteren) Auf gut deutsch: Ich denke übrigens, dass der Machismus endlich vernichtet werden muss.

Ist ja mal echt spannend! Oder nicht?

 

Kaum auszuhalten, diese Spannung! Fast wie in einem der guten alten Folgen von "Derrick"! Da ging's doch noch zur Sache: "Harry, hol schon mal den Wagen!" Heute - bzw. am nächsten Sonntag, dem 4. März - heißt es: "Angela Nahles, hol schon mal die Mehrheit der SPD-Basis für die Große Koalition". Weil wenn nicht, löst das die größte Katastrophe der BRD (GröKaBRD) aus! Nämlich Neuwahlen. Mit dem Ergebnis: absolute Mehrheit für Angela Merkel, weitere 5 christliche Ministerinnen und ein ebensolcher Minister (die Kanzlerin wird trickreich Robert Koch einbinden, als Verkehrsminister), und die SPD landet bei 8,9 %. Von den übrigen Parteien gar nicht erst zu reden. Grauenhaft!

Das ist aber noch nicht alles: 
In Italien sind am 4. März die Neuwahlen. Derzeit ist noch nicht abzusehen, wer stärkste Partei wird. Am ehesten das Movimento 5 Stelle. Vielleicht auch das Centrodestra, mit so erleuchteten Figuren wie Berlusconi (doch, doch, den gibt es noch schon wieder) und Matteo Salvini von der Lega Nord. Der PD krebst irgendwo um 22 % rum (vielleicht aus Solidarität mit der SPD?). Und dann gibt es noch das Rudel weiterer Parteien mit z. B. so schönen Namen wie LEU (Liberi e Uguali: Freie und Gleiche). Aber was passiert denn, wenn es keine Mehrheit gibt? Und sich keine Koalition findet? Dann putscht Berlusconi, na sicher, es ist wirklich seine allerletzte Chance. Derzeit darf er selber ja kein politisches Amt bekleiden. wegen der Verurteilung durch Strafgericht. Ja und dann? Was wird dann sein in Europa? Wenn Berlusconi zusammen mit seiner wiedergewonnenen Freundin Angela Merkel (alles vergessen, die ganzen blöden Witzchen und deftigen Beleidigungen der Kanzlerin), nur weil er ihr versprochen hat, den Populisten Beppe Grillo an der Übernahme der Macht zu hindern - wenn die beiden dann die totale Macht in Europa haben? (diesen Grillokomiker, der ja übrigens auch, aus dem gleichen Grund wie der Cavaliere, in kein politisches Amt geraten darf). Dann bricht die EU doch endgültig auseinander, es kommt zu Dexit und Italexit und Frexit - Himmel, steh uns bei!!

Wie gesagt also: alles kaum auszuhalten vor Spannung. 
Oder auch nicht: weil die SPD-Basis natürlich dem Koalitionsvertrag zustimmt, mit ziemlicher Mehrheit. Weil dann 7 Männer und eine Frau der Partei ein Ministeramt kriegen. So begnadete Herren wie etwa Olaf Scholz, ein Roter, der sich voll positiv für das Schwarze Loch ausgesprochen hat (Neiiin! das ist nicht die Beschreibung eines CSU-Kollegen von Scholz, das ist ein Finanzbegriff, der eine ziemlich blöde Maßnahme betrifft, allerdings). Und die nächsten vier Jahre sind also eine gemütliche Fortsetzung der letzten vier Jahre, mit ebenso vielen nicht eingehaltenen Versprechungen (siehe unten Angela-Merkel-Zitat), vor allem solchen der SPD, was dann bei den nächsten Wahlen noch mehr von ihren Wählerinnen und Wähler zur AfD zieht. Also nochmal: keine Spannung, machen wir uns auf einen geruhsamen, vielleicht sogar langweiligen Sonntag gefasst.

Auch übrigens, was die Wahlen in Italien betrifft. Es wird keine klare Mehrheit geben. Die Verhandlungen zu irgendeiner Koalition werden noch viel länger dauern als in Deutschland, das in einem weiteren Bereich Modell für dort sein wird, also wochenlange Sondierungen, dann der plötzliche Abbruch derselben durch eine lindnerale Minipartei, neue Sondierungen und und und - na, das brauche ich nicht näher zu beschreiben. 

Schönen 4. März also, allerseits! 

Und zur weiteren Erheiterung noch ein paar lustige Zitate. 

Der erste Platz gebührt, wieder mal, dem GröPaZ (größter Präsident aller Zeiten) Donald Trump. Thema: der Amoklauf mit 17 Toten in Parkland in der vergangenen Woche:
„Wenn es einen Lehrer gegeben hätte, der sich mit Feuerwaffen ausgekannt hätte, dann hätte das sehr gut dazu führen können, den Angriff sehr schnell zu beenden“, sagte Trump. Lehrer sollten die Waffen versteckt tragen.
Auf dem zweiten Platz treffen wir unsere immer noch hochverehrte derzeit gerade noch vorübergehende Bundeskanzlerin Angela Merkel an: 
"Man kann sich nicht darauf verlassen, dass das, was vor den Wahlen gesagt wird, auch wirklich nach den Wahlen gilt, und wir müssen damit rechnen, dass sich das in verschiedenen Weisen sich wiederholen kann."

Nicht fehlen darf auch hier Silvio Berlusconi. Höchst nachdenkenswert, was er im Endspurt des Wahlkampfs in Italien meinte:
"Senza Hitler e Mussolini niente pericoli. Il fascismo è morto e sepolto, storicizzato. Sono tutti morti. C'è invece questo movimento dell'antifascismo ... che è pericoloso". (Ohne Hitler und Mussolini besteht keine Gefahr. Der Faschismus ist tot und begraben, er ist Geschichte. Es ist vielmehr dieser Antifaschismus, der gefährlich ist)

Das einzige, was überübermorgen echt total negativ ist: die andauernde Kaltfrontkatastrophe, eine weitere eindeutige Folge des Klimawandels, den bekanntlich ganz viele Regierungen entweder völlig bestreiten oder zumindest im Grunde nichts dagegen tun - auch die deutsche Regierung zum Beispiel.

Zum guten Schluss, wie immer:
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Ceterum censeo Machismum esse delendum. (frei nach Cato dem Älteren) Auf gut deutsch: Ich denke übrigens, dass der Machismus endlich vernichtet werden muss.

Kassandra

Das Jahr 2018 hatten wir mit den erfreulichen Ankündigungen begonnen, was wir heuer so alles erwarten dürfen. Und schon sind einige Prophezeihungen eingetroffen:

Donald Trump hat wieder mal NICHTS gelesen und NICHTS auch kapiert. Er ist zwar nicht in Athen, wohl aber in Davos einmarschiert und hat einen Handelskrieg angekündigt: "Mit neuen Zöllen und markigen Ankündigungen seines Handelsministers schürt US-Präsident Donald Trump Verunsicherung in Partnerländern. Die Wirtschaftsführer hoffen auf ein europäisches Gegengewicht." Schreibt die Wirtschaftswoche.
Wir sollten uns da keine Sorgen machen! Die Basler Zeitung sagt uns warum: die Sicherheitsvorkehrungen beim Trump-Besuch in Davos waren auch eine Gelegenheit, unsere europäische militärische Stärke zu zeigen. In Davos sah das so aus: "Im Einsatz steht auch die Schweizer Luftwaffe. Sie operiert wegen der Grenzlage zusammen mit der österreichischen Luftwaffe. Bundesrat Guy Parmelin ist im Falle einer konkreten Bedrohung und als letztes Mittel als Verteidigungsminister damit beauftragt, einen Piloten zu ermächtigen, das Feuer gegen ein feindliches Luftfahrzeug zu eröffnen. Er hat deshalb in Begleitung zweier Offiziere dieser Tage einen Übermittlungskoffer bei sich. In hoher Bereitschaft sind auch die Luftwaffen in Italien und Deutschland. Jederzeit eingesetzt werden können auch Überwachungs- und Kampfflugzeuge der United States Air Force. Sie haben die letzten Tage im süddeutschen Raum den Schutz ihres Präsidenten geübt – parallel zu den Sicherheitsbestrebungen der Schweiz."
Na dann...

Angela Merkel bleibt sich treu auch in den endlosen Verhandlungen (Sondierungen, Koalitionsgesprächen, Meinungsaustauschen) zur Bildung der GroKo. Es wird gesagt, sie habe gesagt, es sei noch nicht gesagt, dass am Ende nicht doch eine KleiKo oder eine MindReg herauskomme. 

Der Nachhilfeunterricht bei Gerhard Schröder hat bei Martin Schulz schon überraschend schnell zu ersten Erfolgen geführt. Bekanntlich hatte der Kleikaz (kleinster Kanzler aller Zeiten, all diese Abkürzungen sind eine Sympathieerklärung an die deutsche Mainstream-Presse), Schröder also hatte seine Partei von 40,9 % in den Bundestagswahlen 1998 auf 38,5 % im Jahr 2002 und schließlich auf 34,2 % im Jahr 2005 geführt. Die jüngsten Umfragewerte sehen die SPD unter Schulzens Führung "inzwichen leiter" (Originalton Würselen) bei 18 %, nach 25,7 % 2013 und 20,5 % im letzten Herbst.

Und schließlich auch was Neues von Joachim Löw: es ist zwar nicht Italiens Nationalmannschaft, die ihn gern engagieren würde, sondern es ist Florentino Perez, der Löw gern als Trainer für Real Madrid sehen will, als Nachfolger von Zinedine Zidane.

Also ich finde, diese Vorhersage-Ergebnisse können sich sehen lassen. Sie sind jedenfalls weit zuverlässiger als die üblichen Wettervorhersagen.

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Zu einem weiteren aktuellen Thema. Die Diskussion über die Versuche der EUGT (Die EUGT ist eine von VW, Daimler und BMW finanzierte Lobby-Initiative)
mit Dieselabgasen an Affen (und auch an Menschen) ist ja nun erwartungsgemäß wieder beendet (länger als eine Woche hält sich so ein Thema bekanntlich nicht in den Hauptnachrichten). Die Reaktion der Unternehmen ist deshalb auch leider ein bisschen untergegangen: Der gesamte Aufsichtsrat von Daimler, die Chefs von VW und deren wegen des angeblichen Diesel-Skandals beurlaubte Vorgänger sowie 28 Aktionäre von BMW haben sich bereit erklärt, an einem einstündigen Test mit Stickstoffoxyd teilzunehmen. Der Test soll auf einem Golfplatz in der Lüneburger Heide stattfinden.

Bleibt nur noch:
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Von der Schwierigkeit einer Meinungsbildung

Manchmal werde ich gefragt, wie es denn zu so einem Text kommt wie zum Beispiel diesem hier. Das ist nicht ganz einfach zu beantworten. Aber ich will mal versuchen, das zu erklären. Dabei kann ich nicht verschweigen, dass ich mit großem Interesse festgestellt habe, wie gerade in jüngster Zeit diese meine Methode um sich greift und das auch noch in Kreisen, von denen ich mir das nie hätte vorstellen können. Welche Kreise? Nein, das werde ich auf keinen Fall preisgeben, wo käme ich denn da hin!

Also. Es fängt damit an, dass ich eine Idee habe und eine Meinung formulieren will. Dabei gehe ich davon aus, dass dies von großem allgemeinem Interesse ist, weshalb ich es über alle (mir zugänglichen) Medien verbreiten will. Diese Meinungsbildung ist gar nicht so einfach, wie manche das meinen, aber hallo! Schon diese Sondierungsphase! Echt schwierig der Versuch einer Klärung, ob eine Fortsetzung der Überlegungen überhaupt sinnvoll ist. Mein eines Ego meint: aber ja, das ist ganz wichtig! Mein zweites Ego meint: eigentlich nicht, aber naja, ich sag's mal so: wir haben doch eine Verantwortung, das Volk erwartet das von uns. Es zieht sich nun alles furchtbar in die Länge, meine Selbstgespräche (zwischen den beiden Egos) finden und finden kein Ende - obwohl: oft kommt es dann vor, dass eines meiner Egos den Lindner macht (wie man das inzwischen so heiter formuliert), also die Klamotten hinschmeißt und sage: leckt mich doch am...oder so ähnlich. Damit ist aber der Meinungsbildungsprozess noch nicht zu Ende, oh nein! Da ist ja noch ein Alter Ego, das dritte also. Das hat zwar ganz am Anfang, schon vor Beginn der Sondierungen, gesagt, wir sind da nicht dabei, mach doch deine Meinungsbildung mit wem du willst, wir gehen in die Gegenposition, auch wenn das bekanntlich Mist ist.

Jetzt aber, wo die Geschichte zwischen Ego 1 und Ego 2 gescheitert ist, sagt das Ego 3: Naja, gut, irgendwie, wir haben ja auch eine Riesenverantwortung, es geht schließlich um eine Meinungsbildung und um sehr viel Geld (nicht zuletzt auch ganz persönlich). Und schon gibt es wieder Sondierungen. Die ziehen sich ebenfalls dahin und daher, aber dann, schon nach wenigen Wochen beschließen wir (mein 1. und mein 3. Ego), dass wir jetzt versuchen, noch näher zusammenzukommen und in die Kohabitations-Gespräche hineintreten. Da wird dann alles nochmals durchgekaut, was bei den Sondierungen gesagt wurde. Das Volk fängt an sich zu langweilen oder herumzunölen, ob es denn endlich bald eine neue Meinung gibt. Da fällt plötzlich dem Ego 3 ein, dass da doch noch einige Punkte nicht geklärt sind, aber Ego 1 wird ganz sauer und sagt, da wird nichts geändert, aber auch gar nichts!

Sehen Sie, liebe Leserinnen und Leser, und jetzt sind wir an einem Punkt, wo ich selber nicht mehr weiß, wie das alles weitergehen soll. Habe ich mir nun bald eine Meinung gebildet? Kann ich vor Sie hintreten und sagen: dies sehe ich so und das völlig anders oder zumindest nicht ganz so, wie Sie das sehen oder vielleicht gern hätten. Aber weil ich es unverantwortlich finde, Sie noch weitere Wochen oder Monate so hängen zu lassen, ohne meine Meinung dargelegt zu haben, ist mir das jetzt egal, wie Sie das sehen, und entweder ich schmeiß das alles weg, was bisher gelaufen ist und frage Sie und mich, ob ich nicht vielleicht ein ganz anderes Thema wählen soll, für eine Meinungsbildung; oder eines meiner Egos sagt: ist zwar Quatsch, aber jetzt sag ich, was ich denke, und das ist dann meine Meinung, und wenn ihr sagt, das sei doch eine Minderheitenmeinung, dann sag ich, na und, wollt ihr vielleicht - äh, ja, was wollt ihr denn eigentlich? 

Verstehen Sie jetzt, wie kompliziert das ist, dieses Herstellen eines Textes? Was viele doch für eine ganz einfache Sache halten. Irrtum! Hier dieser Text ist ja das beste Beispiel dafür. Meinen Sie denn, das sei eine Meinung? Und wenn, von wem? Meinem Ego 1 oder meinem Alter Ego (der natürlich genau so alt ist wie der andere)? Egal. ich mach für hier und heute einfach Schluss. Tschö, bis zum nächsten Mal!

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Wer sich NICHTS wünscht, darf sich freuen…

Warum? Über das, was wir in 2018 so alles erwarten dürfen:

Twitterweltmeister Donald Trump wird den KukluxKlan-Chef zum neuen Justizminister ernennen. Der Europäischen Union wird er twittern, er finde sie zum Kotzen und wenn sie sich nicht seinen Anweisungen entsprechend verhalte, werde er in der Hauptstadt der EU, Nairobi, einmarschieren.
Eine Stunde später twittert er, er habe sich geirrt, er habe natürlich Athen gemeint.

Angela Merkel wird ihre erfolgreiche Arbeit mit der bewährten Vermeidung eigener politischer Planungen und Vorschläge fortsetzen. Wer in Wirklichkeit die Richtlinien der Politik bestimmt, ist allgemein bekannt, bleibt aber weiterhin geheim.

Martin Schulz wird Nachhilfeunterricht bei dem letzten SPD-Kanzler nehmen, welcher die Partei so genial und von Grund auf reformiert hat, Gerhard Schröder.

Christian Lindner gründet - angeregt und begeistert von seinem Vorbild Emmanuel Macron die Bewegung "Deutschland marschiert". (Eine Melodie dafür gibt es schon)

Wladimir Putin organisiert mit seinem Geheimdienst, dass bei den Wahlen zum Bayerischen Landtag Markus Söder 74,8 % einfährt; damit will "der Russ" Trump verwirren und Angela Merkel schwächen. Die deutsche Mainstream-Presse wird mal wieder toben.

BILD (noch immer "Zeitung" genannt), entschuldigt sich bei der APO und den 68ern, die inzwischen zur Vernunft gekommen seien, z.B. Horst Mahler, Otto Schily oder Jürgen Elsässer.

Ein bekannter Schriftsteller, ein beliebter Politiker und ein bedeutender Politologe werden mit wissenschaftlicher und unwiderlegbarer Akribie beweisen, dass der Feminismus widernatürlich und gottlos ist, und somit als radikalanarchistisch strafrechtlich verfolgt werden müsste.

Nach dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft geht Joachim Löw nach Italien und trainiert dort die Nationalmannschaft, die sich damit den Sieg bei der nächsten Weltmeisterschaft erträumt. Chef des DFB wird Uli Hoeness. Franz Beckenbauer wird Moderator der für ihn geschaffenen Show "Lass die Sau(dis) raus!"

All dem wird NICHTS hinzuzufügen sein. Außer dem:
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Seltsam. Weiter NICHTS.

Seltsam. Wirklich seltsam. Fast drei Wochen, seit dem 26. November, habe ich keinen einzigen Anfall von Aufregung, Empörung oder Lachen gehabt wie sonst doch ständig. Weder durch das, was in der großen weiten Welt passiert ist, noch im sich selbst für den wichtigsten Teil haltenden Europa, noch im wichtigsten Teil von Europa (also Deutschland), noch im wichtigsten Teil der Bundesrepublik (also... äh, da zögere ich so ein bisschen: CDU? CSU? SPD? GRÜNE? LINKE; FDP? AFD? Die Bundesliga? Bayern München? BILD? Eine andere Ausgabe der Mainstream-Presse? Der rechtzeitige Wintereinbruch?

Dabei gäbe es, bei normaler satirischer Betrachtung, an allen der genannten Orte genug Gründe zu Aufregung, Empörung oder Lachsalven, ich weiß, ich weiß! Aber anderseits weiß ich auch, dass solche Emotionaleruptionen nicht immer sein müssen. Es gibt andere, zumindest zeitlich näher liegende, Dinge zu tun, als etwa den Kapitalismus (in welcher seiner Erscheinungsformen auch immer: Spät-, Trans- Hoch- Turbo-) seinem Zusammenbruch näher zu bringen. Da ist zum Beispiel der letzte Termin zur Zahlung der letzten diesjährigen Müllsteuerrate. Oder die Sicherung der Gartengießwasserschläuche vor dem ersten Nachtfrost. Oder wie jedes Jahr sich Weihnachtsgeschenke auszudenken, auszusuchen und rechtzeitig auszusenden. Oder die alle zehn Jahre fällige Darmspiegelung hinter sich zu bringen. Hinzu kommt, dass ich mich gerade mal wieder ein bisschen hilflos fühle beim Anpacken der allgemein anerkannten angeblich aktuellsten Themen. Ich sehe es doch: den Widerling Trump an seinen immer neuen immer gleich wahnsinnigen, weltkriegriskierenden Aktionen zu hindern, das kann nicht mal die wichtigste Frau Deutschlands und mächtigste Frau der Welt (laut TIME), Angela Merkel; diese Angela Merkel zu bremsen bei ihrer peinlich offenen klimaschädlichen Päppelung der deutschen Autoindustrie, das schafft nicht mal der immerhin gegenwärtig elfwichtigste deutsche Mann, Martin Schulz (bitte? wer die anderen zehn sind? Das, liebe Leserinnen und Leser erzähle ich euch in einer anderen Deutschland-Gute-Nacht-Geschichte!); diesem bewundernswerten Martin Schulz (bitte? wieso bewundernswert? Ähm... das weiß ich jetzt gerade auch nicht so genau) sein Rumgeeiere in der Frage der neuen Regierungsrumeierei auszureden, gelingt nicht mal den Jusos; und wenn demnächst die stolzen Supermärkte und überhaupt alle Geschäfte an den Sonn- und Festtagen, ja: auch an Weihnachten ihre Geschäfte machen dürfen, kann das nicht mal der Papst verhindern. Und wie soll ich denn zum Beispiel den so betreten zurückgetretenen Ex-VW-Chef Winterkorn davon abhalten können, dass er jetzt eine Rente von 30 Millionen pro Jahr einsackt? Niemand kann das, auch NICHTS nicht, und wer es könnte, der will es nicht.

Allerdings können auch diese ganzen Figuren nicht alles. Selbst der eben zuletzt erwähnte Martin Winterkorn würde mich nicht daran hindern können, dass ich ihn als widerliches, kriminelles, geldgeiles Arschloch bezeichnen kann. Also könnte, wenn ich wollte. Leider trifft mich in diesem Zusammenhang (mal wieder) die Bibel, diesmal mit Römerbrief 7, 18: Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Schade eigentlich.

Aber wie eben aufgezählt: wenn all die oben genannten Figuren das, was sie könnten und müssten, nicht fertigbringen - wie soll ich das denn leisten? Was bleibt mir dann also? Nun: weiter NICHTS.

Leider. Oder vielleicht auch: immerhin?

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Ach ja, da ist noch etwas, das mir bleibt:
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Regierungsbildung: schon wieder NICHTS zu erwarten

Als ich dieser Tage einen nicht ganz unbedeutenden Sozialdemokraten im Geiste fragte, was er als Ergebnis der aktuellen und aufreibenden Debatte in seiner so unglaublich alten Partei um eine Regierungsbildung erwarte, antwortete er fröhlich: NICHTS. Das war mir natürlich sofort Freude und Auftrag zugleich.So geht es mir doch auch! Obgleich ich kein - noch nicht mal ein unbedeutendes - Mitglied der SPD bin noch jemals war. Gottseidank! Ich begann also sofort damit, über NICHTS nachzudenken. Und hier das Ergebnis.
Der arme, arme Herr Schulz! Was hat der es jetzt gerade mal wieder schwer! Diese Verantwortung für Deutschland und die Geschichte! Und die Angst. Die Angst, dass er plötzlich arbeits- und einflusslos werden könnte. Ja doch, wir alle kennen diesen mahnenden alten Volksspruch: Bist du erst mal weg von Brüssel / geht's nicht mehr zurück, du Düssel. Und nicht nur die Geschichte und der Steinmeier und die CDU/CSU bedrängen ihn, auch die Presse haut ihm ins Kreuz (BILD) oder auf die Schulter (SZ): jetzt laste das Schicksal der BRD, ja ganz Europas und damit ja auch der ganzen Welt auf ihm! Und er sei doch so ein vernünftiger aufrechter, einsichtiger Mensch, der sich nicht durch ein paar Jusos oder missgünstige Konkurrenten in der Partei irritieren lasse(n dürfe, auf keinen Fall, hörst du???!) Also wird er jetzt wohl doch noch zustimmen zu dem Grokodil; das dann, bei der nächsten Wahl die SPD auf 14,3 % hochjubeln wird. Und die Partei macht das mit! Dabei hätte sie die Chance gehabt, ein bisschen anders zu handeln, ich hab es doch vorgeschlagen (in dem Teil zum Thema SPD nach dem Erdbebendesaster über Jamaika). Aber wem NICHTS egal ist, der hat eben auch weiterhin NICHTS zu erwarten. Immerhin (ich bleibe bei meinen Vermutungen) haben wir armes Volk dann schon zu Weihnachten 2018 eine neue Regierung, und das heißt, die Koalitionsverhandlungen nach den Sondierungen (beendet zu Pfingsten 2018) sind schneller zu einem guten Ende gelangt als erwartet. Mich beschäftigt nur die Frage: was wird Martin Schulz dann sein? Vorsitzender der SPD-Ortsgruppe Würselen?
Noch eine Anmerkung zur FDP: arm, arm auch der Christian Lindner! Ganz ehrlich: ich bin auf einmal in der verzweifelten Situation, ihn und sein Parteichen verteidigen zu müssen gegen die niederträchtigen Angriffe von allen Seiten! Und der Spott! Sein bereits im Aphorismen-Archiv gespeicherter Satz "Es ist besser nicht zu regieren als falsch zu regieren" wird ihm immer wieder um die hübschen Ohren gehauen! Dabei hatte er ursprünglich geplant zu sagen: "Es ist besser, nicht zu denken, als falsch zu denken". Und nach den zermürbenden Sondierungsgesprächen war er so müde, dass es ihm zunächst rausrutschte: "Es ist besser, sich nicht zu rasieren als sich falsch zu rasieren". Außerdem diese völlig falsche Behauptung, es gebe ein neues Gedicht von Jan Böhmermann mit u.a. den Strophen:

In seiner Stube da hängt ein Holz,
Damit hat er gedroschen.
Schau ich mir diesen Flegel an,
So denk ich an mein Christian.

In unserm Stalle, da steht 'ne Kuh,
Die hat er oft gemolken.
Schau ich mir dieses Rindvieh an,
So denk ich an mein Christian.

Nein!! Kein neuer Böhmermann - es handelt sich um ein beliebtes Volkslied aus dem 19. Jahrhundert

All das und noch viel mehr treibt nicht nur Angela Merkel um - mich auch, mich auch!! Und es tut mir Leid, Herr Schäuble: das ist keine Bewährungsprobe, das ist eine Staatskrise! Aber hallo! Und ich sage GutennNabent (wie Claus Kleber im Heute-Journal), ich sage Gute Nacht (wie z.B. Johannes Brahms).

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Gestern, am 25. November, war der "Internationale Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen". Im Jahr 2016 wurden laut BKA in Deutschland 149 Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet, 208 überlebten einen Mordversuch. In eindringlichen Worten sprachen zu diesem Thema Bundeskanzlerin Angela Merkel... äh, nein! ...Bundespräsident Steinmeier... nein, Verzeihung, es war der französische Staatspräsident Emmanuel Macron...
Ceterum censeo Machismum esse delendum. (frei nach Cato dem Älteren) Auf gut deutsch: Ich denke übrigens, dass der Machismus endlich zerstört werden muss.

Eine gute Entscheidung

Anmerkung: Diesen Beitrag habe ich geschrieben kurz vor Mitternacht am 19. November 2017. Ich lege Wert auf die Feststellung, dass sich die FDP meine Überlegungen zu Herzen genommen und kurz danach die Sondierungsgespräche dahingeschmissen hat...
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Irgendwie hat mich das nicht mehr interessiert, was in Berlin so in den letzten vier Wochen abgegangen ist. Kam NICHTS raus, wie schon so oft. Ich hab mich dann endlich mal wieder im Kreis meine Freundinnen und Freunde umgesehen. Zum Beispiel war ich neugierig, wie sich die Beziehung zwischen Anna und Bello weiterentwickelt hat. Die hatten sich vor vier Monaten kennengelernt. Sie waren sich am Anfang eigentlich nicht sympathisch, in zu vielen Punkten gab es unterschiedliche Ansichten. Aber die Situation war schon sehr schwierig, für beide (ich will jetzt nicht sagen, warum; aber beide hatten das Gefühl, sie könnten nicht einfach ihrer eigenen Wege gehen). Also rief ich Bello an: wie es denn so gehe und stehe.
Ja, sagte Bello, das ist nicht so einfach zu sagen. Weißt du, wir wollen beide schon gern... also zumindest ich... äh, also ich will jetzt nicht so ins Detail gehen... aber, äh, da gibt es Dinge, zum Beispiel hat Anna immer noch diesen... diesen, naja, du kennst ihn nicht, aber für mich... schwierig, schwierig. Aber wir reden noch miteinander, und wir wollen beide...
Schwierig, schwierig, stimmte ich Bello zu, und traf mich mit Anna in einem Café. Wie sie das so einschätze. Also ich hab gehört, sagte sie, dass du mit Bello geredet hast, und es stimmt, was er gesagt hat. Weißt du, wir sondieren noch. Ja, schon richtig, das geht jetzt schon in den fünften Monat, ich hab schon viele Zugeständnisse gemacht, zum Beispiel in der Frage, ob man vor der Dingsda schon... du kannst dir denken, was... Und ich bin ihm da gerade vor ein paar Tagen ganz weit entgegen gekommen, ich habe gesagt: naja, ein Mal vielleicht... und da hat er gesagt, für ihn ist das ganz ganz wichtig...
Ich hab das natürlich voll verstanden. Vor so einer wichtigen, auf Jahre hinaus andauernden Verbindung muss man einfach Sondierungen aufnehmen, klar! Erst dann kann man doch in die Kohabitationsverhandlungen gehen. Wenn man erst mal... also wenn man ein Mal... Sie können sich denken, was ich meine, dahinter kann man doch nicht zurück, da sind doch dann Fakten geschaffen!
Während ich noch so vor mich hin gegrübelt habe, fiepte mein Handy. Es war Anna. Sie war sehr cool. Wir haben, sagte sie, eben die Sondierungen abgebrochen. Es gibt keine Kohabitation. Ja und nun? fragte ich, einigermaßen ratlos. Naja, sagte Anna, nun werden wir uns eben neue Partner suchen. Aber ist das nicht furchtbar kompliziert? meinte ich. Ja schon, antwortete sie. Aber doch besser, als wenn wir - verstehst du? Das wär doch furchtbar gewesen, wenn es nicht funktioniert hätte! Wir hätten uns doch im Freundeskreis nicht mehr sehen lassen dürfen! Ihr hättet uns doch mit dem Arsch nicht mehr angeschaut!
Anna war schon immer gelegentlich recht hart in ihrer Ausdrucksweise. Aber ich musste ihr Recht geben. Und ich bin sehr froh, dass wir alle jetzt sowohl Anna als auch Bello weiterhin ganz fröhlich und ungezwungen mit dem Arsch anschauen können.
Und jetzt mache ich den Fernseher an. Nein! Nein!!! Keine Nachrichtensendung! Mir ist einfach irgendwie so nach Rosamunde Pilcher.


Auch in so einer Situation aber gilt, meine ich:
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