Regierungsbildung: schon wieder NICHTS zu erwarten

Als ich dieser Tage einen nicht ganz unbedeutenden Sozialdemokraten im Geiste fragte, was er als Ergebnis der aktuellen und aufreibenden Debatte in seiner so unglaublich alten Partei um eine Regierungsbildung erwarte, antwortete er fröhlich: NICHTS. Das war mir natürlich sofort Freude und Auftrag zugleich.So geht es mir doch auch! Obgleich ich kein - noch nicht mal ein unbedeutendes - Mitglied der SPD bin noch jemals war. Gottseidank! Ich begann also sofort damit, über NICHTS nachzudenken. Und hier das Ergebnis.
Der arme, arme Herr Schulz! Was hat der es jetzt gerade mal wieder schwer! Diese Verantwortung für Deutschland und die Geschichte! Und die Angst. Die Angst, dass er plötzlich arbeits- und einflusslos werden könnte. Ja doch, wir alle kennen diesen mahnenden alten Volksspruch: Bist du erst mal weg von Brüssel / geht's nicht mehr zurück, du Düssel. Und nicht nur die Geschichte und der Steinmeier und die CDU/CSU bedrängen ihn, auch die Presse haut ihm ins Kreuz (BILD) oder auf die Schulter (SZ): jetzt laste das Schicksal der BRD, ja ganz Europas und damit ja auch der ganzen Welt auf ihm! Und er sei doch so ein vernünftiger aufrechter, einsichtiger Mensch, der sich nicht durch ein paar Jusos oder missgünstige Konkurrenten in der Partei irritieren lasse(n dürfe, auf keinen Fall, hörst du???!) Also wird er jetzt wohl doch noch zustimmen zu dem Grokodil; das dann, bei der nächsten Wahl die SPD auf 14,3 % hochjubeln wird. Und die Partei macht das mit! Dabei hätte sie die Chance gehabt, ein bisschen anders zu handeln, ich hab es doch vorgeschlagen (in dem Teil zum Thema SPD nach dem Erdbebendesaster über Jamaika). Aber wem NICHTS egal ist, der hat eben auch weiterhin NICHTS zu erwarten. Immerhin (ich bleibe bei meinen Vermutungen) haben wir armes Volk dann schon zu Weihnachten 2018 eine neue Regierung, und das heißt, die Koalitionsverhandlungen nach den Sondierungen (beendet zu Pfingsten 2018) sind schneller zu einem guten Ende gelangt als erwartet. Mich beschäftigt nur die Frage: was wird Martin Schulz dann sein? Vorsitzender der SPD-Ortsgruppe Würselen?
Noch eine Anmerkung zur FDP: arm, arm auch der Christian Lindner! Ganz ehrlich: ich bin auf einmal in der verzweifelten Situation, ihn und sein Parteichen verteidigen zu müssen gegen die niederträchtigen Angriffe von allen Seiten! Und der Spott! Sein bereits im Aphorismen-Archiv gespeicherter Satz "Es ist besser nicht zu regieren als falsch zu regieren" wird ihm immer wieder um die hübschen Ohren gehauen! Dabei hatte er ursprünglich geplant zu sagen: "Es ist besser, nicht zu denken, als falsch zu denken". Und nach den zermürbenden Sondierungsgesprächen war er so müde, dass es ihm zunächst rausrutschte: "Es ist besser, sich nicht zu rasieren als sich falsch zu rasieren". Außerdem diese völlig falsche Behauptung, es gebe ein neues Gedicht von Jan Böhmermann mit u.a. den Strophen:

In seiner Stube da hängt ein Holz,
Damit hat er gedroschen.
Schau ich mir diesen Flegel an,
So denk ich an mein Christian.

In unserm Stalle, da steht 'ne Kuh,
Die hat er oft gemolken.
Schau ich mir dieses Rindvieh an,
So denk ich an mein Christian.

Nein!! Kein neuer Böhmermann - es handelt sich um ein beliebtes Volkslied aus dem 19. Jahrhundert

All das und noch viel mehr treibt nicht nur Angela Merkel um - mich auch, mich auch!! Und es tut mir Leid, Herr Schäuble: das ist keine Bewährungsprobe, das ist eine Staatskrise! Aber hallo! Und ich sage GutennNabent (wie Claus Kleber im Heute-Journal), ich sage Gute Nacht (wie z.B. Johannes Brahms).

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Gestern, am 25. November, war der "Internationale Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen". Im Jahr 2016 wurden laut BKA in Deutschland 149 Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet, 208 überlebten einen Mordversuch. In eindringlichen Worten sprachen zu diesem Thema Bundeskanzlerin Angela Merkel... äh, nein! ...Bundespräsident Steinmeier... nein, Verzeihung, es war der französische Staatspräsident Emmanuel Macron...
Ceterum censeo Machismum esse delendum. (frei nach Cato dem Älteren) Auf gut deutsch: Ich denke übrigens, dass der Machismus endlich zerstört werden muss.

Eine gute Entscheidung

Anmerkung: Diesen Beitrag habe ich geschrieben kurz vor Mitternacht am 19. November 2017. Ich lege Wert auf die Feststellung, dass sich die FDP meine Überlegungen zu Herzen genommen und kurz danach die Sondierungsgespräche dahingeschmissen hat...
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Irgendwie hat mich das nicht mehr interessiert, was in Berlin so in den letzten vier Wochen abgegangen ist. Kam NICHTS raus, wie schon so oft. Ich hab mich dann endlich mal wieder im Kreis meine Freundinnen und Freunde umgesehen. Zum Beispiel war ich neugierig, wie sich die Beziehung zwischen Anna und Bello weiterentwickelt hat. Die hatten sich vor vier Monaten kennengelernt. Sie waren sich am Anfang eigentlich nicht sympathisch, in zu vielen Punkten gab es unterschiedliche Ansichten. Aber die Situation war schon sehr schwierig, für beide (ich will jetzt nicht sagen, warum; aber beide hatten das Gefühl, sie könnten nicht einfach ihrer eigenen Wege gehen). Also rief ich Bello an: wie es denn so gehe und stehe.
Ja, sagte Bello, das ist nicht so einfach zu sagen. Weißt du, wir wollen beide schon gern... also zumindest ich... äh, also ich will jetzt nicht so ins Detail gehen... aber, äh, da gibt es Dinge, zum Beispiel hat Anna immer noch diesen... diesen, naja, du kennst ihn nicht, aber für mich... schwierig, schwierig. Aber wir reden noch miteinander, und wir wollen beide...
Schwierig, schwierig, stimmte ich Bello zu, und traf mich mit Anna in einem Café. Wie sie das so einschätze. Also ich hab gehört, sagte sie, dass du mit Bello geredet hast, und es stimmt, was er gesagt hat. Weißt du, wir sondieren noch. Ja, schon richtig, das geht jetzt schon in den fünften Monat, ich hab schon viele Zugeständnisse gemacht, zum Beispiel in der Frage, ob man vor der Dingsda schon... du kannst dir denken, was... Und ich bin ihm da gerade vor ein paar Tagen ganz weit entgegen gekommen, ich habe gesagt: naja, ein Mal vielleicht... und da hat er gesagt, für ihn ist das ganz ganz wichtig...
Ich hab das natürlich voll verstanden. Vor so einer wichtigen, auf Jahre hinaus andauernden Verbindung muss man einfach Sondierungen aufnehmen, klar! Erst dann kann man doch in die Kohabitationsverhandlungen gehen. Wenn man erst mal... also wenn man ein Mal... Sie können sich denken, was ich meine, dahinter kann man doch nicht zurück, da sind doch dann Fakten geschaffen!
Während ich noch so vor mich hin gegrübelt habe, fiepte mein Handy. Es war Anna. Sie war sehr cool. Wir haben, sagte sie, eben die Sondierungen abgebrochen. Es gibt keine Kohabitation. Ja und nun? fragte ich, einigermaßen ratlos. Naja, sagte Anna, nun werden wir uns eben neue Partner suchen. Aber ist das nicht furchtbar kompliziert? meinte ich. Ja schon, antwortete sie. Aber doch besser, als wenn wir - verstehst du? Das wär doch furchtbar gewesen, wenn es nicht funktioniert hätte! Wir hätten uns doch im Freundeskreis nicht mehr sehen lassen dürfen! Ihr hättet uns doch mit dem Arsch nicht mehr angeschaut!
Anna war schon immer gelegentlich recht hart in ihrer Ausdrucksweise. Aber ich musste ihr Recht geben. Und ich bin sehr froh, dass wir alle jetzt sowohl Anna als auch Bello weiterhin ganz fröhlich und ungezwungen mit dem Arsch anschauen können.
Und jetzt mache ich den Fernseher an. Nein! Nein!!! Keine Nachrichtensendung! Mir ist einfach irgendwie so nach Rosamunde Pilcher.


Auch in so einer Situation aber gilt, meine ich:
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Ceterum censeo Machismum esse delendum. (frei nach Cato dem Älteren) Auf gut deutsch: Ich denke übrigens, dass der Machismus endlich zerstört werden muss.

Ja mei – Jamaika

JAmaika - NEINmaika - DOCHmaika - NIEmaika - spannender (für die meisten Medien jedenfalls) könnte es kaum sein. Die schwarzgrüngelbe letzte Regierungsbildungsmöglichkeit: Kommt sie? Kommt sie nicht? Das Publikum zeigt sich zunehmend ablehnender. Oder ist es einfach Desinteresse? Oder Langeweile? Dabei gibt es doch täglich neue, an- und aufregende Fotos von dem inzwischen schon legendär zu werden drohenden "Verhandlungsbalkon". Und der Super-Grüne (NEIN! Nicht Suppen-Grüne!) Kretschmann sendet schon die zu erwartenden Signale für ein Einknicken seiner Partei aus: "Jeder Preis ist geringer als Neuwahlen". Und explodiert auch nochmal. Kubickis einziges Hemd ist durchgeschwitzt. Cem Özdemir redet von "Verlängerung". Danach gibt es logischerweise des Elf-Meter-Schießen. Und das Ende? Wer spielt die Katastrophenrolle von Italien - ausscheiden nach der Play-Off-Runde? Angela Merkel? Zum ersten Mal seit 60 Jahren nicht mehr dabei? Oder machen die Grünen den Sartre: Das Spiel ist aus? Oder finden sich weinende freie Demokraten bei Wolfgang Borchert wieder: Draußen vor der Tür?

NEINmaika also. Und dann? Es gibt ja auch noch die Minderheiten-Regierung. Da bieten sich verschiedene Möglichkeiten: CDU und Grüne. CSU und FDP. CDU und FDP. Am wahrscheinlichsten aber: Neuwahlen. Diesmal dann mehr als 92 Millionen Euro? Und weniger Wahlbeteiligung? Und die AfD bei 18 %? Und die Grünen nicht mehr über 5 %?

Ja mei. Jamaika. Schaumermal. Dann sehmasscho. 

Eines aber bleibt:
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Ceterum censeo Machismum esse delendum. (frei nach Cato dem Älteren) Auf gut deutsch: Ich denke übrigens, dass der Machismus endlich zerstört werden muss.

Kein Fest für NICHTS

Des hedd ned soi misse, hat meine Mutter so oft gesagt. Das wäre nicht nötig gewesen. Sie sagte das z.B., wenn ich eine "5" nach Hause brachte in Latein. Oder wenn die Frau ihres Bruders, genau: meine ungeliebte, weil aus Chile importierte Tante, schon wieder zu viel Geld für ein Paar neuer Schuhe verschwendet hatte.
Wenn ich sage: des hedd ned soi misse, rede ich von dem heute stattfindenden Oktoberfest der EKiD, der evangelischen Kirche in Deutschland. Und wenn ich jetzt so ein bisschen auf dem Protestantismus herumhacke, dann nicht, weil ich selber ein getaufter, konfirmierter und teiltheologiestudierter Ex-Protestant bin. Sondern weil ich als getaufter, konfirmierter und teiltheologiestudierter Ex-Protestant weiß, warum ich darauf herumhacke.
Bitte? Ich soll doch in drei Teufels Namen nicht die Gefühle aller frommen Christen verletzen (Protestanten sind ja nur im Hauptwaschgang gekochte und endgeschleuderte Katholiken)? Warum nicht? Vor ein paar Jahren hat mir mein leider schon lange gestorbener Freund Peter Maiwald in einem Bericht über die Trauerfeier für Hanns Dieter Hüsch geschrieben, dass da desöfteren "einige seiner atheistischen Gefühle" verletzt wurden. Nicht nur seinen, auch meinen diesbezüglichen Gefühlen passiert das bis heute noch oft. Und ebenso vielen tausend anderen Menschen. Und nicht nur die Gefühle, auch die Überzeugungen und so manches ganz normale Verhalten werden von Christen massiv attackiert. Nein! Natürlich gibt es auch Christen, die vernünftige, friedliche, menschenfreundliche und fortschrittliche Überzeugungen haben und ihre Ansichten auch deutlich vernehmbar äußern. Papst Franziskus z.B., gerade jetzt wieder, wenn er sich um Vermittlung in diesem höchst gefährlichen Konflikt zwischen den Trump-USA und dem Kim Jong-un von Nordkorea bemüht. Aber vielleicht ist das so nicht weil, sondern obwohl er der ranghöchste Katholik ist.
Konkrete Beispiele für meine Gefühlsverletzungen durch Christen? Gerne. Nur ein paar von ziemlich vielen. Die Ansichten und Vorschriften zur Sexualität. Der Machismus, seit Jahrhunderten praktiziert (und nur geringfügig gelegentlich hinterfragt oder durch Frauen wie Bischöfin Käßmann scheinbar überwunden - mehr darüber gibt es in einer Menge seriöser Artikel und Bücher). Der Antisemitismus. Womit wir wieder bei Luther wären und der 500-Jahr-Feier des Anschlags seiner Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg und damit auf die Ablasspraxis der katholischen Kirche jener Tage. Und so arg lange ist es nicht her, dass in seiner Denk-Nachfolge als Antisemit die Deutschen Christen im 3. Reich sehr schön aktiv waren.
Genug für jetzt. Dieser Text ist ja keine philosophische oder theo- oder sonstwie logische Abhandlung. Richtig: er ist das Ergebnis einer allzu langen persönlichen Leidensgeschichte, die heute noch ihre Spätfolgen hat, z.B. indem ich mich ständig ent"schuld"ige, selbst für ein plötzliches, meiner Befürchtung nach zu lautes Nießen. Weshalb mir - leider - manchmal die gewünschte und vernünftige Gelassenheit und Gleichgültigkeit fehlt, wenn ich ein solches Spektakel mitkriege wie das gerade in Wittenberg. Mit der Bundeskanzlerin als Festrednerin. Na gut, die schafft auch das.
Immerhin: in diesem Jahr ist der 31. Oktober ein gesetzlicher Feiertag in der ganzen Bundesrepublik. Dieser Beweis der strikten Trennung von Kirche und Staat führt mich zu der hoffnungsfrohen Erwartung, dass es bald noch eine ganze Reihe weiterer gesetzlicher Feiertage gibt, bundesweit. Nicht nur für die 26,5 % evangelischer Christen und die 28,5 % Katholiken. Sondern auch für die 55 % der anders orientierten Bundesbürger.
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Und siehe da - auch hier passt es:
Ceterum censeo Machismum esse delendum. (frei nach Cato dem Älteren) Auf gut deutsch: Ich denke übrigens, dass der Machismus endlich zerstört werden muss.

Wow!

Ich wusste gar nicht, dass man in der SPD NICHTS liest, und dass NICHTS eine ganz wichtige Rolle gespielt hat, auf dem neuen Weg der Partei nach oben (also prozentual gesehen). Ich habe mich gefragt, warum das so ist, dass sie in Niedersachsen so erfolgreich wurde und fand schnell die Antwort: Weil... Weil..., äh...

Na ist ja auch egal. Jedenfalls ist wieder Bewegung aufgekommen in der deutschen Politik. Martin Schulz verkündet jetzt mit neuer, wiederum ganz heftiger Zuversicherheit, dass er am Tag der Bundestagswahlen 2025 um 18 Uhr rufen wird, er sei Bundeskanzler. Ganz schnell wieder 5 cm nach links bewegt sich die tagesschau.de. Der Herr Steinmeier findet für seine nächste Rede noch bewegendere Worte als am Tag der deutschen Heimatfilme. Was sich aber vor allem und ganz unglaublich bewegt, das sind die Delegationen der drei - genauer: vier - Parteien auf dem Marsch in die "einzig denkbare" Koalition. Welche als "Jamaika" zu bezeichnen die Medien nicht müde werden, weil sie das so lustig und gleichzeitig so praktisch finden. Bis die neue Regierung zusammengerauft worden ist, kann ja noch ewig dauern, vielleicht bis zum 1. Advent oder dem 2. Weihnachtsfeiertag oder zu Pfingsten 2018.

Was allerdings kein Mensch - außer mir - weiß, das ist das wirkliche und so fröhlich stimmende Resultat, nämlich: die Verhandlungen der erwähnten Delegationen werden trotz dem überaus herzlichen Beginn natürlich scheitern (woran ist ja egal, Gründe gibt es genug). Seehofer wird das mit etwa 17 mal Hecheln bedauern und die Schuld den Grünen geben; die reichen sie weiter an die FDP und von da landet sie bei der CDU, die sie dann nicht mehr weiterschieben kann, sondern schmerzgepeinigt bei sich selbst sucht. Und findet sie bei - Angela Merkel! Die Kanzlerin ist, ohne es zu merkeln (bzw. zuzugeben) bereits angeschlagen und begeht erneut den Fehler, in aller Heiterkeit zu tun, als ob nichts wäre. Das Unvorstellbare wird Realität: die Intrige unter Führung von Jens Spahn führt zur Abwahl der Kanzlerin, sie wird mit dem Trost verabschiedet, als Nachfolgerin von Steinmeier Bundespräsidentin zu werden (nach dessen zweiter Amtszeit).

Als die SPD das alles mitkriegt, geht auch bei ihr das übliche solidarische und allein von Sachüberlegungen getragene Hauen und Stechen los. Die vielen Freunde und 3 oder 4 Freundinnen, die Martin Schulz sich mit seiner so erfolgreichen Arbeit gemacht hat, stimmen darin überein, dass er zwar Parteivorsitzender bleiben soll (Zustimmung 53,53 %), aber nicht mehr Kanzlerkandidat (101,8 %).
Die nunmehr erneut aufgenommenen Koalitionsverhandlungen, jetzt zwischen CDU/CSU und SPD führen schon zu Halloween 2018 zu einem epochalen Ergebnis: ab nun gilt das "altrömische Prinzip" des Konsulats, d.h. es gibt fortan zwei Kanzler. Also einer von der Union (die schlägt Dobrindt vor) und einer von der SPD (sie nominiert Steinbrück; Nahles ging leider nicht, Konsul konnte ja auch keine Frau werden).

Deshalb mein Kommentar: Wow! Mehr noch: Wow!Wow!

Da wir - mental - gerade im alten Rom waren, passt es diesmal besonders gut:
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Ceterum censeo Machismum esse delendum. (frei nach Cato dem Älteren) Auf gut deutsch: Ich denke übrigens, dass der Machismus endlich zerstört werden muss.

Auch ich… (#MeToo)

…gebe zu, dass ich in meinem langen Leben – mit zunehmendem Alter weniger, aber in der Summe allzu oft – Frauen gegenüber ein Macho-Verhalten gezeigt habe, leider nicht nur verbal. Dafür gibt es keine Entschuldigung. Ich kann nur eine Art Wiedergutmachung versuchen, indem ich mich öffentlich dazu bekenne, und meine (Un-)Artgenossen dazu aufrufe, dies auch zu tun. Der aktuelle Fall Weinstein hat zu einem Dammbruch geführt. Es berichten nicht nur unzählige Frauen jeden Alters und aller Gesellschaftsschichten, was sie immer wieder erlebt haben und noch immer ständig neu erleben, von angeblich „harmlosen“ Anzüglichkeiten bis hin zu brutalen Vergewaltigungen. Es melden sich immerhin auch Männer zu Wort, leider in peinlich überschaubarer Zahl, mit dem Eingeständnis entsprechender Verhaltensweisen. Es trompeten aber – in viel, viel größerer Zahl und mit dummdreisten und rotzfrechen Kommentaren – schwanzstolze Testosteronprotze idiotische Rechtfertigungen durch die Medien.

Es ist zu wenig, dazu NICHTS zu machen. Dem, was ich hier sage, öffentlich zuzustimmen, wäre das Mindeste.

Die Wahlergebnisse…äh, ähm…

Ach du Schreck! Diese Bundestagswahlergebnisse! Nein, so ganz unerwartet ja nicht, aber trotzdem. Wochenlang habe ich Antworten gesucht - das Ergebnis: NICHTS. Meine Fragen sind geblieben. Wird die Bundesrepublik Deutschland jetzt auf einmal normal? Also europäisch, meine ich. Nähern wir uns z.B. italienischen Zuständen? Soll heißen: die Christdemokraten ausgeknockt (Horrovision der CDU: die Democrazia Christiana hatte mal 38,3 %, das war 1979, 1987 waren es noch 34 % und 1994 schließlich 11,07 %...); die kommunistische Partei (schon seit längerem irgendwie ziemlich sozialdemokratisch) existiert heute nur noch auf den Festen der Unità, also der italienischen UZ. Alles drängt zur Mitte, Centrodestra, Centrosinistra. In der Bundesrepublik ja auch: Mitte rechts, Mitte links, Mitte Mitte. Im Gedrängel nur noch schwer zu unterscheiden, wer wofür eigentlich steht, CDU, SPD, Grüne. Vielleicht noch die neue FDP, die transneoliberale Lindnerblütentruppe. Bitte? Die LINKE? Die schielt doch auch  verstohlen hin zur Mitte, schillerflüsternd: sie sei, man gewähre ihr die Bitte, im Bunde bei den Wahlen die dritte. 
Logische Folge: das naive Polit-Navi befiehlt: Nach rechts abbiegen. Dort ist sie ja schon, die europäische Internationale der Nationalisten, der FN, die Lega Nord, die 5Stelle, die Partij voor de Vrijheid, halb Ungarn, halb Polen und jetzt kommt auch die AfD dazu... Und die CSU.

Aber Ernst beiseite! Zu den Antworten auf die zeitlose Lenin-Frage WAS TUN gehört auch der Hinweis auf die tiefere Bedeutung, welche die Satire, der Scherz und die Ironie haben, in unseren Zeiten. In den USA haben den Emmy-Award 2017 gerade die Sendungen und Schauspielerinnen, Schauspieler und TV-Serien gekriegt, die Politik oder PolitikerInnen aufs Korn nehmen, nicht zuletzt diesen Donald Trump. Das Medienunternehmen Univision hat schon 2016 die US-Satire-Zeitschrift "The Onion" gekauft, weil ihr Chef gemeint hat, Satire werde immer wichtiger auf der politischen Ebene, "allein die Ironie erregt noch Aufmerksamkeit, z. B. bei dem Weg der Kandidaten zum Weißen Haus". Und die Böhmermann-Story hat das auch für die BRD zutage gebracht (wobei man über Stil und Geschmack der Satire streiten kann).

Wie wäre es z.B. mit einer Modenschau im Fernsehen, mit dem Sketch "Des Gaulands neue Kleider". Gut, ein Kaiser ist der Alexander nicht. Aber ihn nackt auf dem Schirm zu sehen, hilft vielleicht mehr als viele Worte gegen ihn als Zugpferd der AfD. Oder: wenn Alice Weidel in jeder Talkshow von den Moderierenden vor jedem Beitrag gefragt wird: "Wollten Sie nicht gerade wieder gehen?" Ein Beispiel, wie sowas funktionieren kann, hat gerade die HeuteShow geliefert: der AfD-Verbalnazi Höcke ist inzwischen als "Bernd" ein Runninggag in den Medien geworden.

Doch! Sowas kann funktionieren! Ein weiteres Beispiel: mein Lied "Du lässt dich gehn, ach SPD..." habe ich 1972 geschrieben und unverdrossen gesungen. Und siehe die Bundestagswahlergebnisse 2017...! Gut, sicher: nicht ich allein hab das bewirkt. Aber immerhin.

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Ceterum censeo Machismum esse delendum. (frei nach Cato dem Älteren) Auf gut deutsch: Ich denke übrigens, dass der Machismus endlich zerstört werden muss.
(Wie schön: ich stelle fest, dass die Zustimmung ständig zunimmt; selbst von Männern)

 

Der WAHL-OH-Schreck

Immer noch, so flüstern, schreien, lachen, prusten, jammern und kichern PolitikerInnen, MeinungsforscherInnen und Medienschaffende, dass es ganz viele Menschen in dieser letzten Woche vor den Bundestagswahlen noch nicht wissen, was sie wählen werden, sollen, können oder müssen. Hier in aller Eile ein hilfreicher Beitrag. Wir haben das IIFFM (Ihr Institut für forsche Meinungen) dafür bezahlt, uns zu helfen. Das Ergebnis:
Auf die folgenden, vom IIFFM erarbeiteten 10 Suggestiv-Fragen können Sie nur mit JA oder NEIN antworten. Wenn Sie eine Frage nicht beantworten, wird das als JA oder als NEIN gewertet, ja nachdem wie es denen in den Kram passt, die die Antworten auswerten. Das Ergebnis wird - das hat das IIFFM zur Bedingung gemacht - nach Schließung der Wahlurnen am kommenden Sonntag, 24. September 2017 um 18 Uhr veröffentlicht, sobald Martin Schulz gesagt hat, dass er die Wahl zum Bundeskanzler wie von ihm und sonst niemandem vorhergesagt, gewonnen hätte, wenn mehr Menschen ihn statt Fahrradketten gewählt hätten. 
Das System WAHL-Oh-Schreck ist patentiert und wird von allen übrigen Meinungsmacherinstituten neidvoll zur Kenntnis genommen.

1. Wussten Sie, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel von jedem Thema, zu dem sie in einer der zahllosen Wahlsendungen befragt wurde, umgetrieben wird (so wörtlich immer wieder)?
2. Wissen Sie, ob Martin Schulz auf seiner gigantischen Wahltournee durch die BRD auch in Weilheim an der Teck war und wenn ja, warum?
3. Wussten Sie schon, dass Christian Lindner sich seit dem Abitur nicht mehr rasiert hat?
4. Wissen Sie, dass Sarah Wagenknecht angeblich nicht weiß, dass der Spruch, wonach die Linke nicht wissen soll, was die Rechte tut, aus der Bibel stammt?
5. Wussten Sie, dass Cem Özdemir rot wird, wenn man ihn fragt, ob er es gut findet, dass ein ehemaliger Linksradikaler wie Winnie Kretschmann im Wahlkampf die Grünen unterstützt, auch wenn er nicht gerade blau ist?
6. Wussten Sie, dass die Abkürzung AfD ursprünglich "Aus für Demokratie" bedeutete, und die heute verbreitete Bedeutung einem Versprecher ihres Mitgliedes Bernd Höcke zu verdanken ist?
7. Wissen Sie, dass IAA der Brunftschrei von ausgewachsenen Eseln ist?
8. Finden Sie - mal ganz ehrlich! - die Bundestagswahlen spannender als die tägliche Sendung "Kirche in WDR 3"?
9. Wissen Sie, dass der russische Militärgeheimdienst am fehlenden Breitbandzugang in weiten Teilen der BRD ebenso verzweifelt wie zahllose deutsche mittelständische Unternehmer, sodass die Beeinflussung der Bundestagswahlen nur der NSA möglich ist, die über breite Bande zu den deutschen Medien verfügt?
10. Wussten Sie, dass wir die Liste dieser Fragen fortsetzen könnten, bis wir - wie die ARD im Wahl-O-Mat - 38 Themen erfasst hätten?

Damit Sie jetzt endlich wissen, wen Sie wählen müssen:

Wenn Sie 8 - 10mal JA angekreuzigt haben, sind Sie ein Jasager, von welchen wir eigentlich längst genug haben, aber echt!
Wenn Sie die Hälfte aller Fragen mit NEIN beantwortet haben, haben Sie die andere Hälfte mit JA beantwortet.
Wenn Sie alle Fragen mit NEIN beantwortet haben, haben Sie zu viel Wolfgang Borchert gelesen und völlig missverstanden. Auch das werden auch Sie noch mal bereuen.

Nicht vergessen:
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