Achtung: wichtiger Hinweis!

NICHTS hat ein Verfallsdatum wie ein Covid-Test. Heute negativ, kann schon morgen positiv sein. Obwohl: NICHTS ist immer positiv.
________________________________________________

Aktuelle Wintermärchenrealität
Im traurigen Monat Dezember ist's
die Stimmung wird passend trüber,
die Blätter berichten vom wechselnden Wind
und ich würd so gerne nach Deutschland hinüber 
fahren. 

Daraus wird nun NICHTS. Die Bundesrepublik ist ein Corona-Risiko-Flickenteppich, föderalistisch gestaltet von egozentrierten Politikern. Auch Politikerinnen sind darunter. Mit Weihnachtsplätzchen auf den Augen haben sie erneut einen Lockdown light erschaffen. Eher ist es ein Lack-Down: der Glanz ihrer unverdrossen behaupteten Bewältigung der Pandemie blättert ab. So gut wie den Deutschen, sagen sie unverdrossen immer wieder, geht es doch weltweit keinem Volk! Bitte? Vietnam? 1321 Fälle! 35 Tote – insgesamt? Und in Südkorea, oder Hongkong sieht es ganz ähnlich aus. Na und? Asien. Auch noch Süd-Ost-Asien! Als Vorbild! Wo kämen wir denn da hin!?

Fragen

Schwierig genug für uns, da hin zukommen, wo wir hin wollen. Befinden wir uns gerade in einem Risikogebiet – oder ist dort eines, wohin wir unterwegs sind? Wo tragen die Schüler*innen Masken? In welcher Klasse? Oder sind sie in der Heimschule? Obwohl der Vater im Heimbüro ist, und die Mutter deswegen im Nervenzusammenbruch (Nervous Breakdown sagt man heute). 

Kein Grund für Ängste

Auch unsere Regierungen wissen das. Das meiste zumindest. Aber wir sind ein Volk von individualistigen Menschen. Und deshalb kann man nicht einfach überall dasselbe anordnen. Der eine will ein Heiligabendmitternachtsmessen mit seiner Amateur-Elf, eine andere hat 5 Kinder unter 14 Jahren, die nach wissenschaftlicher Vermutung zu klein sind, um Covid zu bekommen und die Großeltern damit anzustecken. Und warum beginnt der Hausarrest erst bzw. schon um 22 Uhr? Meine Stammkneipe macht normalerweise um 23.50 zu, und weil ich zurzeit überhaupt nicht dort hingehe, ist mir auch 16.45 recht, als verordnetes Schließen. Wenn die Kanzlerin das will. 

Aber all das gilt sowieso nur bis kurz nach Silvester (dieses ohne öffentliche Knallerei, umso lauter wird’s eben privat). Wenn bis dahin die magische Zahl Rt+(x-y)q2 nicht erheblich hinunter gegangen ist, geht nicht nur alles weiter wie gerade jetzt. Dann lassen sich die unter der Verantwortung ächzenden Zuständigen garantiert was richtig Neues einfallen. Von gewöhnlich ziemlich gut unterbelichteten Greisen ist zu erfahren, was das sein könnte:

Alltags-Ganzgesichtsmasken mit Plexiglas-Schlitzen für die Augen (auch im Ehebett Pflicht – wird kontrolliert);
Hygiene: mindestens 5 mal die Hände, zwei mal die Füße waschen (nicht am Tag, pro Woche)
Abstand jetzt 5,35 m (auch im Ehebett Pflicht – wird kontrolliert);Familien mit mehr als zwei Kindern vorübergehende Trennung: Mutter mit der einen Hälfte der Kinder zu ihren Eltern, der Vater mit den anderen zu seinen.
Ansammlungen von mehr als 10 Personen... ach ja, das hatten wir schon.
Gottesdienste mit verschärftem Singeverbot... nein, das hatten wir auch schon
Ausnahmen für alle diese Maßnahmen nur bei Angabe hochtriftiger Gründe (z.B.: keine Lust dazu), bestätigt vom Hausarzt.

Und alles gilt bis zum Ende der Pandemie... äh, nein! Bis Ende Januar. Und danach bis Ende Februar und danach...

Gut so, liebe Kanzlerin, lieber Herr Söder e tutti quanti

Das beruhigt. Das akzeptiert unser Volk, nicht gerade gerne, aber doch im ungebrochenen Vertrauen auf die Weisheit unserer Regierenden. Dass die bisherigen Maßnahmen gerade richtig sind, glauben 50 % der für das ZDF-Politbarometer befragten Bürger*innen. Es waren mal über 80 %. Na gut, was soll's – auch die SPD hatte mal mehr als 16 %. Und was passiert, wenn dieser Trend sich fortsetzt und auch das genannte Vertrauen bei 16 % landet? Also bitte! Keine Panik! Die Kanzlerin und die Ministerpräsident*innen der Bundesländer tun schließlich, was sie können. Was kann man denn mehr erwarten? Das Parlament soll das beschließen? Also, man kann Demokratie auch übertreiben...!

Bitte? Neiinnn!!! Kommen Sie mir jetzt bloß nicht schon wieder mit Vietnam!! Verdammt nochmal! Sind wir vielleicht Ost-Asiaten?? 

Und deshalb:

Im traurigen Monat März wird es sein,
den ich doch so sonnenfroh wähne,
und den ich doch gar nicht genießen kann,
noch immer in Selbst-Quarantäne... 

PS1: 

Gerade war zu erfahren, dass der Herr Schäuble den Mitarbeiter*innen der Bundestagsabgeordneten eine Sonderzahlung zu Weihnachten aufdrängen will: zwischen 200 und 600 €. Grund: "zusätzliche Belastung durch die Corona-Krise". Herr Schäuble! Ich habe auch solche zusätzliche Belastungen!

Außerdem: die bedauernswerten Parlamentarier*innen! Die wissen doch vorn und hinten nicht, wohin mit den 10.083,47 € monatlich. Und was sie bisher noch erhalten, reicht auch nicht für eine angemessene Bezahlung der MitarbeiterInnen.

Zitat aus der Homepage des Deutschen Bundestages:
Abgeordnete können ihre Mandatsaufgaben nicht allein bewältigen. Deshalb stehen ihnen derzeit (Stand 01.03.2020) für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sie bei der Erledigung ihrer parlamentarischen Arbeit unterstützen, monatlich 22.436,- Euro zur Verfügung. 

PS2:

Die genannten Regierungen sind auch stets bemüht, zu erwartende Schäden der deutschen Bürger*innen abzumildern und die deutsche Wirtschaft zu stützen und schützen. Die Verteilung der Gelder erfolgt nach eingehender Abwägung und vollster Gerechtigkeit bei den Summen. So erhält beispielsweise die Deutsche Lufthansa 9 Milliarden € (weitere sind vorgesehen). 
Eine selbständige Kabarettistin erhält 0 €, weil in ihrem Antrag zwei Tippfehler waren.

…und weiter NICHTS

Ich habe ja kürzlich erzählt, dass ich jetzt aufhöre, NICHTS zu machen. Aber das war falsch, ganz falsch! Das haben mir auch all jene gesagt, die meinen Entschluss bedauert haben. Ich revidiere denselben also hiermit. Weil ich, als ich aufgehört habe, NICHTS zu machen, ja trotzdem alles mögliche gemacht habe. Damit will ich aufhören. Damit muss ich aufhören. Und will wieder NICHTS machen, so oft ich dazu komme. Damit ich in fernen Jahren beim Rückblick auf mein Leben sagen kann: jaja, die 20er Jahre! Spannende Zeiten! Damals bin ich ein Held geworden. Ein besonderer Held. Ein richtiger deutscher Held. So wie Anton Lehmann. Kennen Sie nicht? Aber doch! Sie haben es doch sicher auch gesehen, diesen ersten Spot aus einer endlosen Serie. Falls nicht: klicken Sie mal hier

Toll!! Einfach toll!

Ich bin begeistert! Science Fiction! Von dieser Bundesregierung! Da sitzt ein Mann im Bild, in welchem Jahr es sein soll, wird leider nicht gesagt, vielleicht 2077 ?, und er erzählt von der fernen Vergangenheit, dem Jahr 2020. Dass er als Student zum Helden wurde. Weil er nichts getan hat. Nichts! Gar nichts! Absolut gar nichts!! Faul, sagt er, faul wie die Waschbären seien sie damals gewesen. Sind Waschbären eigentlich faul? Na egal.

Jetzt! Jetzt haben sie den richtigen Weg gefunden. Die Helden der Publicity der Bundesregierung. Angela Merkel soll zu Tränen gerührt gewesen sein, als sie diesen Start-Spot sah. Eine Minute und 35 Sekunden. Klar, das wird auch all jene berühren, die bisher noch immer demonstrieren. Mit den Masken als Augen- und Ohrenschutz, gegen Faktenviren und Info-Aerosole. Die Kreuz- und Querdenker. Die Bill-Gates-Opfer. All die anderen verschworenen Theoretiker. Sogar die Rechtsradikalen werden innehalten und sich fragen: Ist das nicht richtig, was da gesagt wird? Dass wir zu Helden werden, wenn wir aufhören zu protestieren? Und so werden jetzt in aller Kürze sich alle Deutschen den so urdeutschen Wunsch erfüllen: Held*innen zu werden.

Heldengerechtigkeit

Irgendwie war das auch ungerecht. Dass nur die Ärzt*innen und Pfleger*innen und Krankenschwester*innen als Held*innen gefeiert wurden. Weil sie so viel gearbeitet haben und geleistet haben und gelitten haben. Das konnten wir anderen doch gar nicht bieten. Bis vor kurzem. Bis eben der Anton Lehmann kam. Auf Youtube geschickt von der Bundesregierung. Mit der Botschaft: Nichts tun! Gar nichts. Überhaupt nichts!

Die Begeisterung war sofort international. Die italienische Tageszeitung La Repubblica schrieb von dem „genialen deutschen Anti-Covid- Spot“. Und überschlug sich fast vor Bewunderung, als der zweite und dritte Spot dazukamen, mit Antons Frau Luisa Lehmann und dem hochdekorierten Tobi Schneider. Auch sie waren Held*innen geworden. Auch sie durch Nichtstun, gar nichts, überhaupt nichts. Waschbären eben. Eine endlose Reihe von Waschbären.

Wie es weitergeht

Ich weiß, ich darf das eigentlich nicht verraten, aber sei’s drum: zurzeit wird ein neuer Spot gedreht. Ist ein bisschen aufwendiger, weil da alle Regierungschef*innen drin sein müssen, von der Kanzlerin über Scholz und Altmaier zu Söder und seinen ganzen Kolleg*innen. Alle werden sie da sitzen oder dort liegen, vor einem Computer oder einer Dose mit kalten Ravioli, und werden davon schwärmen, dass auch sie jetzt nichts tun, gar nichts, überhaupt nichts. Eine Ausnahme nur: der Herr Kretschmann. Wie ich zu hören gehabt vermute, macht er da nicht mit. Er will immer noch seine linksradikale Vergangenheit auf- bzw. abarbeiten. Weshalb er auf die ständigen Kirchenbesuche mit Beichtstuhlgang nicht verzichten können will. Aber er ist ja auch so schon ein Held. Und seine Kollegen sind überglücklich. Weil sie dauernd so viel getan haben und einfach keine Held*innen wurden. Aber jetzt…!

Meine Konsequenzen

Und was mache ich jetzt? Schon seit meinem 11. Lebensjahr sehne ich mich danach, ein Held zu werden. Wie Old Shatterhand. Oder Winnetou. Oder Siegfried. Oder mindestens wie Meister Eder. Alles mögliche hab ich versucht, nie hab ich es geschafft. Und jetzt, nach Jahrzehnten erfahre ich, dass ich es ja geschafft habe, ein Held zu werden, ohne es zu wissen! Indem ich seit drei Jahren NICHTS mache. Einfach NICHTS. Da kann ich doch nicht aufhören. Auch wenn es mir manchmal schwerfällt. Aber ich muss doch meinen Mit-Deutschen zeigen, wie Covid besiegt wird. Wie es uns die Lehmanns zeigen und der faule Tobi Schneider und all die anderen.

Und hiermit biete ich mich der Bundesregierung an für einen Spot, wer weiß, vielleicht den 71. dieser genialen Serie. Da wird dann gezeigt, wie ich lässig auf dem Sofa rumlümmele und ein weiteres Mal NICHTS mache. Und dann schaut Covid zur Tür rein, sieht mich und erschrickt zu Tode und rennt weg, davon, wohin weiß ich nicht, aber jedenfalls weit weg und für immer. Für immer! Einfach aus Angst vor uns Waschbären!

Ein letztes NICHTS

Am Ende? Ein NICHTS. Damit höre ich auf. Mit NICHTS. Angefangen habe ich genau so: mit NICHTS. Im Januar 2017.

Gründe für den Anfang? Habe ich auf der Startseite genannt. Gründe für das Ende? Gibt es. Tun aber NICHTS zur Sache.

Immerhin: NICHTS bleibt. Zigfach NICHTS. Dreieinhalb Jahre NICHTS. Wenn jemand nochmal nachschauen will: im Archiv von NICHTS ist Alles drin.

Ein Gruß und Dank an alle, die bisher mitgemacht haben!

___________________________________________________________

PS: Weil ich ab und zu gefragt worden bin: es gibt auch noch meinen ersten „Quasi-Blog“ zu sehen. Unter http://www.der-transdemokrat.de/

Alles offen

Heraus, ihr Lieben, heraus ins Freie! Der Hausarrest ist beendet. Alles ist offen! Bitte? – Ja, gut, es ist nicht alles wieder normal. Aber wir wissen es doch, sie haben es uns doch oft genug gesagt: wir haben eine neue Normalität. Alles neu macht der Mai. Und die Bundeskanzlerin. Genauer: die Ministerpräsidenten. Die wissen es ja besser. Trotzdem darf man sie nicht Besserwisser nennen, da wären sie beleidigt.

Jetzt bin auch ich ganz offen und sage: ich blick da nicht mehr durch. Also in München sind die Biergärten wieder offen. Oder war das in Sachsen? Die Autohäuser sind offen und neuerdings auch die Kirchen. Klar: damit müssen wir jetzt ganz schnell die Wirtschaft wieder in Gang bringen. Deswegen haben sie auch die Frisiersalons wieder aufgemacht. Aber wieso die Buchläden? Ist das ein Fall der neuen Normalität? Aber in der alten Normalität waren die doch auch zur gleichen Zeit offen (die Friseurbetriebe nicht, die hatten montags zu). Was ist denn nun neu-normal?

Ja, richtig: der Abstand zum Beispiel. Früher war für deutsche Menschen der Anstand ganz wichtig. Niemandem zu nahe treten. Gib die Hand!, hab ich schon als kleines Kind gelernt, und mach einen Diener. Heute müssen wir auf Abstand achten. Im Ergebnis nicht viel anders. Nur genau geregelt. In Zentimetern: mal 150, mal 200, da ist unser Augenmaß gefordert. Das fällt Männern offenbar schwerer als Frauen. An der Kasse im Supermarkt sind Männer meist in so tiefen Gedanken versunken, dass sie erst geweckt werden müssen von der vor ihnen wartenden Frau. Dann sind sie aber ganz höflich und sagen: Ach, wirklich, Abstand? Gut dass Sie mich daran erinnern! Und bleiben stehen.

Besonderes wird gefordert von besonderen Männern: die beiden obersten Ligen im deutschen Fußball sind auch bald wieder offen. Für Geisterspiele. Ist aber auch was Schönes: im Fernsehen kann man viel klarer sehen, in Großaufnahme, und es wird wiederholt, in Zeitlupe: wie die Sturmspitze von Mannschaft A mit dem Ball auf das gegnerische Tor zurennt. Und wie dann der Verteidiger von Mannschaft B verhindern will, dass der andere nun aufs Tor schießt und vielleicht sogar hinein. Und was macht er, der Verteidiger? Er nähert sich schnell dem Stürmer bis auf anderthalb Meter. Und ruft etwas (das hören wir aber nicht, im Fernsehen). Darauf stoppt der Stürmer und antwortet was. Und dann tänzeln die beiden im Abstand von einmeterfünfzig so lange umeinanderherum, bis der Stürmer zu dem Verteidiger sagt: Ach leck mich doch, das ist mir echt zu blöd! Und den Ball liegen lässt. Den dann der Verteidiger mit wunderbarem Absatzkick seinem Torhüter zuspielt. Der leider gerade nicht aufgepasst hat. Und so führt Mannschaft A mit 1 : 0. So schöne Szenen werden wir dann oft sehen. Mit Höflichkeit, Besonnenheit und Abstand viel schöner als früher. Wo alles noch normal war. Neue Normalität ist dagegen, dass die beiden eben beobachteten Profikicker beim Test Corona-positiv sind, weiß der Geier warum. Weshalb beide Mannschaften in Quarantäne kommen und nicht auf einen der vorderen Plätze in der Liga. Da tobt der wahre Fan. Und ab kriegen es Frau und Kinder im Home. Weil die Kitas nicht offen sind. Die bringen ja auch nicht so viel. Wirtschaftlich betrachtet. Vielleicht könnte man da mit Werbung was machen? „Dank der Kita sorgenfrei – Coca Cola stets dabei“ oder sowas?

Auch neu in der neuen Normalität: Demos. Gab es früher auch schon, ich weiß. Aber während der Corona-Untersuchungshaft gab es keine. Streng verboten. Bei einer Demo kommt man sich ja so nahe, das kann nicht gut gehen. Da latschen zehntausend Gesunde zu einer Demo, einer davon hat Corona, und wenn sie dann zurück sind, die Demonstranten, dann sind 7988 infiziert und alle müssen in Quarantäne!

Das alles hat gut geklappt in den letzten Wochen, weil die Deutschen so diszipliniert sind, dass sie von allen Seiten hoch gelobt werden, besonders auch von ihren Regierungen in Stadt und Land. Die Bürger*innen haben brav gewartet bis die Basisreproduktionszahl auf dem gewünschten Wert war. Ja sogar noch länger! R0 ist ja schon seit ein paar Wochen – genau: seit dem 23. März – um die 1 herum. Und das sollte ja das Ziel all der Übungen sein, die dann gemacht werden mussten, Masken FFP2 oder selbstgehäkelt, keine Besuche mehr bei Oma und Opa, Homeoffice, Homeschooling etc. Danach käme die Rückkehr zur Normalität. Schrittweise natürlich.

Egal, jetzt ist das vorbei. Alles ist offen. Bitte? – Richtig, noch nicht so ganz. Aber jeden Tag gestatten uns unsere fürsorglichen Regierenden ein kleines bisschen mehr. Ein kleines bisschen mehr, das haben wir Deutschen schon immer geliebt (für meine wenigen, aber vielleicht doch vorhandenen jungen Leser*innen hier ein Beweis), aus den guten alten Zeiten der Bundesrepublik. Übrigens, offensichtlich hat man damals schon die Bedeutung von Abstand vorausgeahnt…)

Und da kommen sie jetzt aus ihren… äh, aus ihren, jedenfalls kommen sie gekrochen – und demonstrieren. Erst waren es nur ganz wenige, und die zeigten sich besorgt wegen der Einschränkungen, nicht zuletzt des Grundgesetzes. Okay. Aber dann ging es denen so ähnlich wie es Robert Habeck mal so überzeugend und für jeden verständlich definierte (Die Grünen müssten die „osmotische Verbindung zur Wirklichkeit“ sein, „wo die progressiven Kräfte hineindiffundieren können“). Jetzt diffundieren alle möglichen und nicht gerade besonders progressive Kräfte in diese Demos hinein. Auch so manche, die schon immer genau wussten, wer diese Corona-Krise ausgeheckt und inszeniert hat.

Beispiele? Gerne! Bill Gates z.B., der mit dem – noch gar nicht erfundenen – Impfstoff Reibach machen und die Weltherrschaft ergreifen will.  Der war’s! Beweis? Also ich bitte sehr: wer fragt denn in einem so eindeutigen Fall nach Beweisen! Oder, meine Theorie, politisch: die CDU/CSU ist die Partei, die in den Umfragen wie eine Rakete nach oben schoss, auf 39 %! Alle anderen Parteien dümpeln oder sacken ab. Clever gemacht von Merkel, Spahn, Söder und Co., diese Pandemie. Erfinderin, Verbreiterin und Retterin zugleich – da muss man erst mal drauf kommen! Beweise? Und wie sie das gedeichselt haben? Wollen Sie mich eventuell in die Verschwörungstheoretikergemeinde hineindiffundieren? Ach halten Sie doch die Klappe! Wahrscheinlich sind Sie auch noch einer von den Rechtsradikalen, die inzwischen auch zu diesen Demos kommen, in der leider nicht ganz unbegründeten Hoffnung, zu profitieren!

Alles in allem also: schöne neue Normalität. Wie war es da doch langweilig in der alten Normalität. Und so wie es jetzt aussieht, dürfen wir uns darauf freuen, dass diese neue Normalität uns ganz lange erhalten bleibt. Über solch eine Entwicklung freuen sich besonders ganz viele Millionen Männer: ganz ohne ihr Zutun und schon ganz ganz ganz ohne ihre Schuld geht eine stramme Entwicklung vorwärts hin zu den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Ja und dann ist die neue Normalität endlich wieder die ganz alte Normalität. Erinnern Sie sich? Sogar Helmut Schmidt fand das völlig ironiefrei. Wie man sieht


	

Es reicht!

Ganz im Ernst, mir reicht es. Dass ich (schon wieder!) Partei ergreifen muss für Angela Merkel. Von allen Seiten, von links und rechts, von oben und unten, von vorn und von hinten kommen die Reaktionen, mit Bosheit, voller Empörung, mit Spott und Satire, auf ihre einfache Feststellung, es gebe zu viele „Öffnungsdiskussionsorgien“.

„L’orgie-de-fruits“ – so viel appetitanregender als Öffnungsdiskussionsorgien!

Ja aber das stimmt doch! Seit einiger Zeit wird – ebenfalls von links und rechts, von oben und unten, von allen Seiten – diskutiert, wann endlich oder warum noch nicht, wie weit oder mit welchen Einschränkungen, in welchem Bundesland oder gleich im Bund überhaupt endlich wieder etwas geöffnet wird. Wann es ein Schrittchen vorwärts zum Zurück geben darf, muss, soll, kann. Was sind das denn anderes als „gemeinschaftliche Handlungen, mit denen bewusst gegen die Sitten verstoßen wird“? Und genau das definiert Wikipedia als „Orgie“. Gut, ja, da wird hinzugefügt, „insbesondere gegen die sexuellen Sitten“. Aber was zurzeit flächendeckend geboten wird, ist doch wirklich irgendwie genau so obszön, oder nicht? Was sind denn diese ganzen Talkshows zum Thema viel anderes als „Öffnungsdiskussionsgruppensex“? Oder so manches, was mehr oder weniger bedeutende Interviewte von sich geben, in Nachrichtensendungen, Magazinen oder Zeitungen, als „Öffnungsdiskussions-Selbstbefriedigung“ zu bezeichnen, ist das so völlig daneben? Wirklich, all diese Schweinereien müssen nicht sein.

Nein, es ist schon nachvollziehbar, was und warum das Angela Merkel so anwidert. Viel lieber hätte sie es natürlich, dass endlich oft genug gesagt wird, wir lebten in einer „neuen Normalität“. Wie interessant! Wie aufregend! Wie schön! Und von so manchem, zumal in politischen Kreisen, herzlich begrüßt!

Polizisten erklären einem Demonstranten, dass er nicht den vorgeschriebenen Abstand eingehalten hat

Neu normal – das heißt: Masken tragen, bald vielleicht auch noch im Bett, zumal wenn nicht allein. Normal endlich auch: nicht mehr diese peinliche Form von Begrüßung wie z.B. in Italien. Statt einer linkischen Umarmung und Küsschen-rechts-Küsschen-links ab jetzt diese männlich-kraftvolle Geste Ellenbogen-an-Ellenbogen. Im Fußball Geisterspiele vor leeren Tribünen statt diesem geistlosen Gekicke vor Menschen, die wahnsinnige Eintrittspreise gezahlt haben. Alles neue Normalität. Homeoffice und Homeschooling. Da haut dann endlich der immer anwesende Herr im Haus mal auf den Tisch oder sonstwohin. Balkon-Urlaub. Und für manche Politiker (und nicht nur für die) endlich vernünftige Auslegung von Verordnungen, lockere Auslegung von Gesetzen bis hin zum Verzicht auf überflüssige Artikel im Grundgesetz. Auch die Polizisten müssen sich nicht mehr dauernd fragen, ob das, was sie gerade tun, vielleicht nicht so ganz korrekt ist. Was sie treiben, ist immer korrekt!

Schöne neue Normalität. Dank Corona haben wir das ja schon. Was brauchen wir da denn noch Öffnungen. Oder Diskussionen darüber. Schon gar keine diesbezüglichen Orgien. Da hat  Angela Merkel völlig Recht. So wie bei ihrem anderen zeitlos gewordenen Satz: Das schafft uns… äh, nein, sorry: Wir schaffen das.

Tausend Dank, Herr Spahn! Und eine Bitte…

Eigentlich wollte ich meine Ruhe haben. Und ich wollte Ruhe geben. Ja denkste! Über Ostern hat das ja noch geklappt. Aber nun, beim Rückblick auf Meldungen der letzten Zeit kann ich nicht mehr – ich muss meine Begeisterung herausposaunen. Die Hilfen für Menschen, die durch das Corona-Virus finanziell geschädigt werden, erreichen eine Dimension, die vorher einfach unvorstellbar war. Bundesregierung wie Landesregierungen überbieten sich. Fast jeden Tag kommt zu den bereits bereitgestellten Milliarden das eine oder andere Milliönchen hinzu.

So am Samstag vor Ostern, dem Karsamstag, „nach alter volkstümlich-christlicher Vorstellung der Tag der Höllenfahrt Christi“ (Information aus dem Internet). Da hat der Herr Spahn quasi das Gegenteil vorgenommen: er ist hochgefahren in himmlische Sphären. „Das Bundesgesundheitsministerium will in der Corona-Krise nun auch weitere Gesundheitsberufe finanziell unterstützen. Wie das Ministerium mitteilte, sollen künftig Therapeuten, Zahnärzte und Reha-Einrichtungen für Eltern-Kind-Kuren während der Coronavirus-Pandemie finanziell unterstützt werden.“ Verkündet tagesschau.de.

Großartig! Einfach toll! Wir alle wissen schon lange, dass gerade die Zahnärzte ohnehin schon am Hungertuch nagen (ein passendes Bild, finde ich). Das durchschnittliche Gehalt der Zahnärzte in Deutschland liegt laut der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) bei etwa € 161.000 im Jahr. Sind schlappe 13.416,66 € im Monat. Da bleibt nichts übrig zum Ansparen, wenn man an Familie, Porsche und Geliebte denken muss. Fast auf Sozialhilfe-Niveau dümpeln Therapeuten dahin. „ärzteblatt.de“ schreibt: „Sie kamen im Jahr 2011 auf einen Reinertrag (Gewinn vor Steuern und Altersvorsorge) von 61 000 Euro“. Das wird nicht viel mehr gewesen sein, im Jahr 2019.

Danke, Herr Spahn! Nur eine kleine Anmerkung habe ich noch. Ich war in den 70er Jahren als Rechtsanwalt zugelassen, im Bezirk Stuttgart. Diese Beschäftigung ging 1982 zu Ende. Nein! Nicht durch Corona, das gebe ich zu! Aber: wenn ich weiter als Rechtsanwalt gearbeitet hätte, wäre ich immerhin bei einer nicht unwesentlichen Summe gelandet: „Rechtsanwälte in Deutschland kommen auf einen durchschnittlichen Jahresumsatz von rund 200.000 Euro, der durchschnittliche Vorsteuergewinn liegt bei rund 96.500 Euro.“

Und das wäre mir dann eben jetzt durch Corona total weggebrochen! Daher bitte ich Sie inständig, Herr Bundesgesundheitsminister, lassen Sie auch mir eine kleine Hilfe zukommen! Ich muss sonst unter eine Brücke ziehen. Selbst bei so schönen Brücken wie die Alte Brücke in Heidelberg, ein grausames Schicksal! Was haben Sie für die Zahnärzte und Therapeuten vorgesehen?

Den Plänen des Gesundheitsministeriums nach sollen beispielsweise Physiotherapeuten 40 Prozent ihrer Vergütung aus dem vierten Quartal 2019 als Einmalzuschuss erhalten. Zahnärzte bekämen 30 Prozent der Differenz zwischen angenommener Gesamtvergütung für das laufende Jahr und tatsächlich erbrachter Leistung, hieß es aus dem Ministerium.“ (berichtet tagesschau.de

Mir würden schon die 30 % genügen! Ich bestehe gar nicht auf 40 %. Für mich wäre das sozusagen eine Himmelfahrt. Mir bliebe ein Karsamstag erspart!

Ostern. Wieder Zeit für NICHTS

Kein NICHTS gab es für mehr als zwei Monate. Eine mentale Schutzmaske hat den Austritt meiner Tröpfchen mit Inhalten von Meinungsviren verhindert. Die könnten ja eventuell andere anstecken. Immer noch weiß man nicht, ob es bereits eine Herdenimmunität gegen besondere kritische linke Gedanken in Deutschland gibt. Da wollte ich mir doch nicht den Vorwurf einfangen, immer wieder Verschwörungstheorien zu produzieren. Wer macht denn sowas?! Manche, um Geld damit zu verdienen. Manche um Verwirrung zu stiften. Manche um ihr Ego aufzupolieren. Und viele sogar, weil sie daran glauben.

Seit ein paar Wochen ist Corona das neue Welt-Thema. Warum also keine solche Theorie der Verschwörung von mir? Wenn ich überhaupt eine hätte, ich würde nicht daran glauben. Mein Ego-Möbel ist einigermaßen poliert. Verwirrung will ich keine stiften. Und zahlen würde mir ohnehin niemand was. Neneneee. Da bleib ich doch lieber stumm. Dachte ich.

Das hat sich geändert. Vor ein paar Tagen hat der Neu-Star der deutschen Politik, der Herr Spahn, fröhlich verkündigt, der richtige Corona-Sturm käme erst noch, wir befänden uns jetzt in der Stille davor. Höchste Zeit also, auch mich endlich hineinzustürzen in den seit Wochen wabernden wilden Wahnsinn der Corona-Argumente-Wogen. Mild-sachlich hochgepeitscht von den vielen auch zu diesem Thema unvermeidlichen Experten. Von den Politikmenschen sowieso, das ist ja ihr Job.

Alle verkünden sie als erstes, dass ihre jetzt folgenden Aussagen nur auf dem aktuellen Stand ihrer Kenntnisse und Informationen beruhen, und dass sie deshalb keinesfalls länger Gültigkeit haben können als bis zum Ende dieser Nachrichtensendung, dieser Talkshow, des Politmagazins, des Interviews in den Tagesthemen usw. usw.

So gesehen bin ich auch ein Experte: Ich verkünde, dass das, was ich hier schreibe, nur Gültigkeit besitzt für die nächsten 22einhalb Stunden. Wenn ich es nicht schon vorher widerrufe.

Maskenball nicht nur im Karneval

Als erstes widerrufe, nein: differenziere ich, was ich vor vier Wochen gemeint habe. Was ich dann aber neu überdenken musste. Stichwort Masken (oder MNS, kurz für MundNasenSchutz – Abkürzungen sind ganz wichtig bei uns, das kennzeichnet den Fachmann). Da gab es ja das AA (alternativlose Argument) eines mehrfach doktorierten VE (Viren-Experten), wonach so ein MNS nicht dessen Träger schütze, sondern nur alle anderen, die ihm begegnen. Aber auch nur, wenn der Träger auch infiziert ist, natürlich. Und wenn der MNS richtig befestigt ist, also nicht laschetös. Man könnte sich diese Maske also auch an den Hut stecken, meinte der VE. (Wo sie meiner Meinung nach allerdings überhaupt niemanden schützt).

Vehement dagegen argumentierte ein Professor, der sich als Impfkoryphäe einen weltweit beachteten Namen gemacht hatte. Er bestätigte zwar vollinhaltlich die Wirkungsweise der Masken, meinte aber, man solle sie doch unbedingt trotzdem tragen.

Beide beraten übrigens die deutsche Bundesregierung. Dieselbe wird deshalb zu Recht nicht müde, möglichst oft zu behaupten, dass Deutschland mit ihr das größte Glück habe. Weil es ihr allein nämlich zu verdanken sei dass man „in diessm unzerem Lante“ (Zitat Helmut Kohl – den kennt ihr nicht mehr, ihr unter 40jährigen) schon viel früher wusste, was zu tun war. Viel früher jedenfalls als in anderen Ländern Europas, z. B. Italien. Das übrigens nicht nur schwer unter Corona leidet, sondern auch unter Europa. Besonders unter Holland und Deutschland.

Sicher: auch in Deutschland lief nicht alles so wie es hätte sein müssen oder zumindest können. Dieser Maskenengpass etwa. Da hatte schon vor Wochen der Hersteller von Mundschützern per Email an den Herrn Spahn darauf aufmerksam gemacht, dass es in Deutschland vermutlich bald auch einen immensen Bedarf an solchen Masken geben würde. Die man dann aber wahrscheinlich gar nicht zur Verfügung stünden. Der Mundschutzwart erhielt keine Antwort, noch nicht mal eine Lesebestätigung. Auch auf eine zweite entsprechende Email nicht. Schon gar nicht wurde etwas unternommen, um für genügend Masken zu sorgen. Jetzt müssen die wenigen noch auf dem Weltmarkt zu kriegenden MNS erst mal an Ärzte, Krankenschwestern und alles weitere Hilfspersonal in Kliniken verteilt werden. Für uns andere gibt es aber zum Glück bereits ganz viele Rezepte im Internet, wie man Ersatz für sich selbst herstellen kann. Kann der Herr Altmaier denn stricken? Der Herr Söder bestimmt. Der kann zurzeit ja alles.

Inzwischen tragen die Menschen in aller Welt Masken. Auch selbstgestrickte. Auch bunte. Auch in den Landesfarben. So schöne wie im Karneval in Venedig habe ich bisher aber nirgends gesehen. Aber so wie es aussieht steht uns ja noch genug Coronazeit bevor, um auch solche auf den Markt zu bringen.

Ein Fall für Gebildete

Alle wollen wissen: woher kommt Corona? Wohin geht Corona? Was hilft gegen Corona? Was ist das überhaupt, Corona? Auch ich bin da sehr neugierig.

Also schaue ich fern. Vor allem die beiden altehrwürdigen Schlachtschiffe auf dem Meer der Informationen, ARD und ZDF. Und ich werde nicht enttäuscht. Seit Wochen jeden Abend nach den Nachrichten von „Heute“ und „Tagesschau“, kommen Sondersendungen. Mit Experten und Laien. Mit Professoren und Fernfahrern. Mit vielen Männern und einigen Frauen. Und zu alledem auch noch die ganzen Talkshows!

Im Zentrum der Nacht und nach der nächsten Morgenandacht schon wieder: die Virolog*innen. Von RKI und Charité. Von München und Berlin, von Bonn und Heinsberg. Von und zu. Vermutlich hängen die Politiker genau so gebannt und nach Neuigkeiten gierend an den Lippen ihrer Berater*innen wie auch ich. Und nicht nur ich: die ganze Nation giert nach Neuem.

Aber: noch immer habe ich keine Antwort auf meine Fragen. Woher Corona kommt, wohin Corona geht, was gegen Corona hilft. Immerhin: was Corona ist, weiß ich inzwischen. Ein Virus, männlich oder sächlich, egal. Tückisch. Heimtückisch. Ganz neu. Noch nie dagewesen.

Um alles weitere zu verstehen, muss man allerdings einen Hochschulabschluss haben. Warum? Nun, ich denke ständig an den Satz, den unser Deutschlehrer in der gymnasialen Oberstufe so gern zitierte: „Der Usus von Fremdwörtern sollte prinzipiell auf ein absolutes Minimum reduziert werden“. Was heißt Infizierungsaktualität? Antikörper? Das sind, so erfahre ich, vom Immunsystem gebildete Proteine, die zu den Immunglobulinen gehören. Ach so! Der Standard von MNS hat die Bezeichnung FFP 2 oder FFP3 (Filtering Face Pieces). Gut zu wissen! Inkubationszeit. Latenzzeit. Exponentielle Verdopplung. Letalität. Mortalität. Basisreproduktionszahl Ro. Ich fühle mich erschöpft. Ich fiebere weiterem Wissen entgegen. Nein! Das sind keine Corona-Symptome! Das ist Wissensdurst!

Nach Brexit jetzt Dexit?

Die Deutschen wollen raus. Aus den ganzen Fesseln des Nationenselbstschutzes. Endlich wieder Clubbesuche (da weist vor allem der Herr Spahn jedes Mal darauf hin). Kneipenlusterlaubnis. Sich auf Fußballstadientribünen die Kehle heiser schreien mit rassistischen Parolen. Die Kinder wieder auslagern bei den Großeltern. In den Isarauen wieder Gruppengrillen. All das, was jetzt verboten ist. Obwohl die große Mehrheit des Volkes findet, dass die Regierung das gut mache. Irgendwann reicht’s.

Dass zu viele Grundrechte verletzt würden, mosern auch manche Bürger*innen; aber die meckern ja sowieso dauernd. Außerdem sind sie „Kremlpropagandisten, (und) schüren Corona-Aufruhr“, was wir BILDseidank seit kurzem wissen. Und wenn „der Russ!“ hinter etwas steckt, dann herrscht in Deutschland Atomkriegsangst. Das ist fast noch schlimmer als Corona. Und wenn dann auch noch – wie bei Corona – der Trump das spannt, wie üblich nach seiner anfänglichen dumpfbackigen Ahnungslosigkeit – nicht auszudenken!

Trotzdem, wie gesagt, die Deutschen wollen raus. Sie wollen zurück. Wieso eigentlich zurück? Zu was zurück? Zu wem zurück? Wohin zurück? Wäre es nicht auch möglich, nach vorn zu wollen?

Genug NICHTS für heute. Dazu komme ich beim nächsten Mal. Wann immer das auch sein wird. Jetzt erst mal mein Wunsch: fröhliche isolierte Ostern in der Quarantäne, möglichst wenig häusliche Gewalt (eine nette Umschreibung, finde ich, für das Verprügeln von Frauen und den Missbrauch von Kindern)! Und nicht vergessen: es geht nicht um die Fußwaschung, das war an Gründonnerstag. Hände waschen! Mehrmals am Tag. Nicht in Unschuld! Mit Seife! Und dabei die Europahymne summen. Wie die Frau von der Leyen es uns gezeigt hat. Tausend Dank! ich hätte sonst wirklich nicht gewusst, wie das geht.

Na, so ein Glück!

Haben Sie gerade 1000 Euro klein? Nicht ausgeben! Aufheben! Schon bald könnten Sie damit richtig Glück haben. Online. Im März werden die Bundesländer den Gesetzentwurf ratifizieren, dass Sie (mit) dem Glücksspiel ins Netz gehen dürfen. Wozu Sie gerade Lust haben: Sportwetten, Automatenspiele, Lotterien, Roulette. 1.000 Euro, pro (Spieler-)Kopf. Also ein richtiger Familienspaß kann das werden. Das Kopfgeld kann Sie zum Millionär machen. Sie, oder Ihr Ehegespons, oder Ihre volljährigen Kiddies. Und das wird alles richtig bequem: vom Sofa aus. Nicht mehr auf zugige Sportplätze eilen, oder in muffige, lärmerfüllte Spelunken (oft zu Recht augenzwinkernd „Spielhöllen“ genannt.).

Wer Ihnen das Glück ganz spielerisch beschert? Die Bundesländer. Also genauer: die Minister und deren Präsidenten. Männer, welche endlich dem Druck nachgeben, den ihr Eid ihnen auferlegt, nämlich Ihnen und uns allen zum Wohle zu handeln und unseren Nutzen zu mehren. Und dem Druck, der durch den boomenden Schwarzmarkt entstanden ist. Ganz zufällig kommt da ein weiterer Nutzen ins Regierungsglücksspiel: zumindest einigen zum Wohle werden die Steuereinnahmen steigen, in Milliardenhöhe, wie es heißt. Um den Nutzen zu mehren.

So ein Glück!

Glücksfälle weltweit

Nicht nur das deutsche Volk darf sich über bevorstehendes Riesenglück freuen. Ein solches steht auch Italien bevor, am 26. Januar 2020. Möglicherweise jedenfalls. Da finden Regionalwahlen statt, in Kalabrien und in der Emilia Romagna. Der letzteren Region vor allem droht das große Glück, dass der (selbsternannte) Retter seines Vaterlandes, der Matteo Salvini, gewinnt. Verdientermaßen: schließlich hat er als Innenminister eine Flüchtlingspolitik durchgesetzt, die diesen Namen auch verdient, weil er eine Strafe von bis zu 50.000 Euro solchen Vaterlandsverrätern versprochen hat, die meinen, irgendso ein moraltriefendes Recht vertreten zu müssen, wie die Rettung von Menschen aus Lebensgefahr. Indem sie nach Italien gebracht werden dürfen, statt zurück z.B. nach Libyen. In eines dieser dort nötig gewordenen Lager (unverschämterweise gerne mit KZ’s verglichen).

Nicht nur damit hat der regierungsgeile Salvini seinen Wahlkampf geführt. Auch z.B. mit dem unbestreitbaren Hinweis: „COMUNISTI LADRI DI BAMBINI (Kommunisten sind Kinderräuber). Mit ähnlichen Argumenten wurden ja auch in Deutschland Wahlen bestritten und gewonnen. Wobei es allerdings auch in Italien inzwischen kaum noch Kommunisten gibt. Leider.

Die einzige Gefahr, dass der tapfere Salvini doch verliert, bildet die erst seit November letzten Jahres existierende landesweite und rasch wachsende Bewegung „Sardine“. Die ihre Hauptaufgabe darin sieht, den Salvini und seine Lega am Siegen zu hindern. Schaumermal.

Auch in den USA gibt es für viele Menschen ein unerwartetes Glück zu feiern: bei dem seit 1974 jährlich stattfindenden „March for Life“ ist diesmal auch Präsident Trump dabei, ganz lebendig, nicht nur als Tweet. Echt sou sweet, oder? Und erfolgreich: in den Vereinigten Staaten nimmt allgemein die Tendenz zu, Schwangerschaftsabbrüche unter härteste Strafen zu stellen. Was ja auch zu den Leistungen des aktuellen Präsidenten zählt. Das macht doch Hoffnung! Darauf, dass auch im immer noch USA-treuen Europa diese Idee wieder fruchtbar wird. Fruchtbar! Nicht furchtbar!!!

So ein Glück: „America first!“

Überhaupt ist die Welt zurzeit vom Glück überwältigt. Deutlich sichtbar geworden ist das in Davos. Blackrock, ausgerechnet BLACKrock!, will grüner werden. Der Vizechef Philipp Hildebrand hat es verkündet. Ob es auch bei Herrn Merz, einem der Blackrock-Angestellten, schon angekommen ist, wissen wir nicht. Aber bei dem Siemens-Chef. Er will in Zukunft überlegen, sagt er, ob man sowas wie die gerade beschlossene Unterstützung eines Kohleminen-Projekts in Australien nochmal machen würde. Das zu überlegen gebe es gute Gründe, meinen sowohl der Herr Hildebrand als auch der Herr Kaeser. Weil sowas Risiken beinhalte. Für Klima und Umwelt – äh, nein, sorry: für die Investitionen von Unternehmen natürlich. Die dadurch weniger profitabel werden könnten. Und auch die Unterstützung aus der Bevölkerung und aus der Gesellschaft verlieren würden, möglicherweise. Das muss man wirklich gut überlegen; also laut und viel davon reden. Das reicht dann wahrscheinlich schon.Denn das wäre dann ein richtig großes Unglück, wenn es weniger Profit für die Unternehmer gäbe und weniger Hochachtung.

Wir sehen, dass Wikipedia einmal mehr völlig richtig liegt mit der Definition von Glück: es sei ein sehr vielschichtiger Begriff. Richtig! Ganz richtig!!

PS: Gerade erfahre ich von einem weiteren Glück. Es ist in Deutschland einem Mann widerfahren, der es im Leben bisher nicht immer ganz leicht hatte. Und genau betrachtet ist es auch kein Glück. Sigmar Gabriel hat es sich vielmehr verdient: er wird nun neues Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten für diesen Job hat er sich in langen Jahren erworben, nicht nur als SPD-Chef (obwohl auch da schon ein bisschen), sondern vor allem als langjähriges Mitglied in verschiedenen Kabinetten von Frau Merkel, z.B. als Bundesminister für Wirtschaft und Energie oder als Bundesaußenminister.

Ein Glück also vor allem für die arme Deutsche Bank.